Der TSV 1860 München ist Mittelpunkt vieler Diskussionen und zahlreicher Kritiken. Demnächst, wenn die 3. Liga wieder weitergeht, sollten wir allerdings vor allem eines: unseren Schwerpunkt verlagern. Ein bisschen weniger Kritiker und ein bisschen mehr Fan sein tut uns allen gut. Ein Kommentar der Redaktion.

Es gab viele Diskussionen in den letzten Tagen. Und machen wir uns nichts vor, die Löwen sind dafür prädestiniert. Manchmal fragt man sich schon, ob nicht irgendwann ein Jan Böhmermann um die Ecke springt und gesteht, dass das Ganze alles nur eine große satirische Inszenierung war. Und es sind tatsächlich noch sehr viele Fragen offen. Zumindest dann, wenn man nicht mit Scheuklappen rumläuft und vor allem dann, wenn man zukunftsorientiert denkt. Denn sportlicher Erfolg hin oder her, viele Löwen wollen halt doch nicht “nur” den schnellen Hype und Erfolg, sondern eine sinnvolle Basis für die Zukunft. Viele offenen Fragen wurden auch hier zur Genüge erörtert und wir wollen sie nicht wiederholen. Zumindest nicht an dieser Stelle.

In ein paar Tagen geht es wieder los. Und wenn wir akzeptieren, dass wir vieles im Nachhinein zwar diskutieren, aber im Grunde meist nicht ändern können, dann muss uns klar sein, was die Löwen nun vor allem brauchen. Was die Mannschaft braucht, die für viele Themen überhaupt nicht verantwortlich ist. Bedingungslosen Support und einen positiven Blick auf die sportlichen Geschehnisse. Nicht blind und unreflektiert, aber immer aus der Brille des Unterstützers. Waldhof Mannheim ist gierig auf einen Heimsieg gegen die Löwen. Und genau der muss verhindert werden. Wenn es in ein paar Tagen sportlich wieder los geht, dann sollten wir uns nicht selbst im Weg stehen. Der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr sagte einst: “Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.” Mit unreflekletierter Dauernörgelei ändern wir nichts. Und bei aller berechtigter Kritik und verständlicher Diskussion – ein bisschen weniger Kritiker und ein bisschen mehr wieder Fan sein, das tut uns allen gut.

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12 Kommentare
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Wast

Ich finde das einen super Artikel auf
Löwenmagazin
Natürlich ist es schwer, sich damit abzufinden, wenn beim TSV 1860 irgendwas nicht läuft.
Das sehe ich auch so.
Aber warum immer diese Kritiken und negativ Kommentare?
Und was ändert das Ganze denn?
Das bringt nur schlechte Laune.
Das Ganze wäre nur sinnvoll, wenn der Trainer die Kommentare mal lesen würde und
zb. die Mannschaft danach umstellen würde
Man kann sich doch aussuchen, ob man Fan vom TSV 1860 ist.
Man kann sich aussuchen, ob man Beiträge zahlt.
Ein guter Fan schaut sich nur die Spiele an und beobachtet.

Last edited 28 Tage zuvor by Wast
tsvmarc

Es ist äußerst schwierig weniger kritisch miteinander umzugehen , wenn unsere Gesellschafter dieses ehrliche „gemeinsam“ nicht vorleben. Und das tun sie nicht. Ich muss keine Theologe sein um das zuerkennen bzw. Gott bringt uns hier nicht weiter. Ob er uns generell weiterbringt muss jeder für sich selber entscheiden.

Es wurde zuviel zerstört um jeweils wieder eine gemeinsame ehrliche Basis zu finden und das gilt auch für die Fan-Gruppierungen. 🙁

chemieloewe

👍Ich kann da nur zustimmen. Knallhart, kurz, klar u. deutlich. Schmerzhaft aber wahr, wie ich meine.

serkan

Sehe ich nicht so. Du bist für mich das beste Beispiel. Kommentierst aus 600 km Entfernung auf Basis von irgendwo im Netz aufgeschnappter halbgarer Meldungen und fällst dazu gnadenlos harte Urteile. Zumindest hab ich dich früher so gelesen. Im Lauf der Zeit wurdest du mir sympathischer. Offener für andere Sichtweisen und Argumente. Wägst mehr ab, argumentierst differenzierter. In der Lesercommunity des LM komme ich gut mit dir aus. Auch wenn wir in der einen oder anderen Sache konträre Haltungen haben. Das Umfeld hier hat dich positiv verändert, behaupte ich mal.

tsvmarc

Nunja, gegen deine subjektive Meinung mir gegenüber wurde im laufe der Zeit eine Objektive. Danke für die Blumen.

Seit fast 30 Jahren fahre ich quer durch Deutschland mit vielen wegetreuen der Region 60 und höre und sehe vielen Meinungen rund um unsere Löwen. Spiegelt sich auswärts sehr gut in der Kurve wieder.
Aber was siehst du denn nicht so?

serkan

Ich glaube, dass du dich in deinem Argumentationsverhalten verändert hast. Dadurch konnte ich dich anders wahrnehmen. Und wie du können sich andere auch verändern. Wichtig ist im Gespräch zu bleiben, nicht die Schotten dicht zu machen. Ich sehe das Gegenteil deiner Annahme, es wäre zuviel zerstört worden. Noch nie in der Geschichte des Vereins scheint es mir mehr aufgeklärte kritische Geister unter Löwenfans gegeben zu haben. Das stimmt mich optimistisch. Der Betrieb von Fanportalen wie LM und anderen sind nur zwei Beispiele dafür. Fans bringen sich heute ganz anders ein. Ein bisschen Dampfhammerrhetorik (“we go to the top”) reicht nicht mehr für zufriedene Gesichter. Ich nehme diese Entwicklung positiv wahr. Klar kann es dabei immer wieder mal zu einem Backlash kommen. Das ist nicht zu verhindern. Aber insgesamt ist das Streben von Mitgliedern/Fans nach Mitwirkung, Mitbestimmung, Mitsprache nicht mehr aufzuhalten. Nicht nur beim TSV. Findest du bei vielen Vereinen. Das finde ich gut!

tsvmarc

leider ist oft eine konstruktive Diskussion gar nicht möglich.
Ich glaube so verändert habe ich mich gar nicht aber, wie du denke ich richtig bemerkt hast, ich reflektiere etwas mehr als noch vor einem Jahr. Von daher kll ok mit man ein wenig kultivierter rüber wie früher. 🙂 

arik

“Nunja, gegen deine subjektive Meinung mir gegenüber wurde im laufe der Zeit eine Objektive. Danke für die Blumen.”

Da musste ich jetzt lachen. Also hast du dich nicht verändert, sondern  Serkan hat seine Sichtweise auf dich geändert? Nimm doch einfach sein Lob an ….

arik

Da hast du vollkommen Recht. Der TSV 1860 macht es einem nicht leicht. Aber man kann jeden Tag in sich gehen und fragen, ob Kritik in der Form, wie man sie äußern möchte, gerechtfertigt ist. Und ob sie Sinn macht. Wir sollen ja alle weiterhin kritisch bleiben, das gehört dazu. Und ist wesentlicher Bestandteil unserer Meinungsfreiheit.

tsvmarc

Seit fast 30 Jahren fahre ich zu unseren Auswärtsspielen und hing immer in der Kurve ab. Selten habe ich innerhalb der Gruppierungen solch eine hasserfüllte Stimmung erlebt wie in den letzten 3-5 Jahren. Das es nicht zu richtigen handfesten Auseinandersetzungen kam, lag fast ausschließlich an unseren
Frauen und an einigen die den kennen und der wiederum den anderen usw.
Da sind unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten die mit sachlicher Kritik nicht im entferntesten irgendetwas zu tun haben. Und das sind auf „beiden“ Seiten nicht wenige. Da muss angesetzt werden. Da muss drauf zugegangen werden und das von beiden Gesellschaftern. Sonst wirst du dort keine Ruhe reinbringen wenn’s überhaupt gewünscht wird.

Aymen1860

Für das eigene Seelenheil ist das auch eine gute Taktik.
“Dinge hinzuehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.” 

arik

Man muss es sich halt oft immer wieder vor Augen führen. Ich tue mir manchmal sehr schwer Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.