Der Kicker beschäftigt sich mit Differenzen beim TSV 1860 München. Der kürzlich erreichte Klassenerhalt sei nur eine Randnotiz, schreibt die Fachzeitschrift in ihrer heutigen Donnerstagsausgabe über den Klub. In der Führungsetage knallt es, es gäbe scharfe Kritik an Präsident Reisinger. Zudem werfe die Satzung des Vereins Fragen auf. Der Kicker beruft sich auf aktuell bekannte Informationen in der Presse und auf ein Interview mit dem 1860-Aufsichtsratsvorsitzenden Saki Stimoniaris. Das wurde bereits gestern veröffentlicht. Zudem soll sich Verwaltungsratsvorsitzender Sebastian Seeböck geäußert haben.

Differenzen im Klub TSV 1860 München

Der Kicker sieht Differenzen zwischen den Entscheidern der KGaA und den Entscheidern beim Verein. Man sei sich uneins. Man habe ein gemeinsames Ziel, doch die Vorstellungen der Wege zu diesem Ziel seien unterschiedlich. Präsident Robert Reisinger, der im Auftrag der Mitglieder des TSV München von 1860 e.V. agiert und handelt, möchte seinen eingeschlagenen Konsolidierungskurs fahren und Fremdgelder vermeiden. Und das obwohl Investor Hasan Ismaik bereit wäre, weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen, behauptet der Kicker. Woher er die Informationen hat, ist nicht bekannt. Aussagen, welche Vorstellungen HAM International hat und welchen Kurs man gehen möchte, gibt es eigentlich nicht. Antworten blieb auch Saki Stimoniaris bislang schuldig. Eine Finanzspritze von Ismaik sei zwingend erforderlich, so die Fußball-Zeitschrift, um kommende Saison wettbewerbsfähig zu sein.

Bierofkas Appell

Deshalb der Appell von Trainer Daniel Bierofka: „Ich hoffe, dass jetzt einmal alle aufwachen in diesem Verein. Sonst spielen wir mit einem Innenverteidiger und das wird ein bisschen schwierig.“ Seine Worte sprach er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel des TSV 1860 München gegen SC Fortuna Köln. Der Kicker sieht den Appell in Richtung Team Reisinger. In Richtung dem Präsidenten, den das „aus einstigen Vertretern der aktiven Fanszene“ bestehende Beratungsgremium am 30. Juni ins Rennen schicken möchte, um ihn erneut zum Präsidenten zu machen. Der für das Amt des Präsidenten abgelehnte Saki Stimoniaris ist kein Befürworter der Wiederwahl von Robert Reisinger, so der Kicker.

„Die Grenzen der Demokratie“

Das Problem würde in der Satzung liegen, schreibt der Journalist Georg Holzner in seinem Artikel. Die besagt, dass sich potentielle Präsidentenkandidaten bewerben können. Beim Verwaltungsrat. Das Gremium würde dann über die beste Lösung diskutieren. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass der Verwaltungsrat theoretisch stets auf einen Kandidaten setzen kann, der seine Interessen vertritt. Holzner stellt die These auf, dass die Demokratie hier an ihre Grenzen stößt. Es sei eine Lücke im System. Denn der Verwaltungsrat könne den nächsten für sich geeigneten Kandidaten nominieren, wenn Reisinger abgelehnt werden würde. Das könnte in der Theorie dann immer so weiter gehen.

Satzungsändernde Anträge bleiben aus

Sebastian Seeböck, Vorsitzender des Verwaltungsrates, sieht da kein Problem. Neun kritische, erfahrene und sachorientierte Personen würden im Verwaltungsrat sitzen. Die Hürde, um in den Verwaltungsrat gewählt zu werden, sei zudem hoch. Seeböck steht einer Änderung der Satzung jedoch offen gegenüber. Es gäbe durchaus Verbesserungspotential. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates macht klar, dass alle Mitglieder stets eingeladen sind, einen fundierten Antrag auszuarbeiten und ihn rechtzeitig vor der Versammlung zur Abstimmung einzureichen.

Anzumerken ist, dass Saki Stimoniaris gegenüber dem Kicker zwei Kritikpunkte an der Satzung auf den Tisch bringt. Zum einen plädiert er für eine Briefwahl. Zum anderen möchte er, dass das Wahlsystem für das Präsidium geändert wird. Zu keinem der beiden Themen hat er einen Antrag gestellt.

Die aktuelle Ausgabe des Kicker bekommt Ihr bei Eurem Zeitschriftenhändler oder online als eMagazine.

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anteater
Leser

Die SZ schreibt den entscheidenden Satz zu Sakis Gebaren, zwar zu einem anderen Thema, aber es ist bei ihm ja stets gültig:

„Eine Konkretisierung wurde nicht präsentiert.“

Der Mann verbläst einfach große Mengen heiße Luft, macht blumige, hochtrabende Ankündigungen und Versprechen, doch dahinter ist höchstwahrscheinlich gar nichts, denn sonst könnte er es ja kund tun. So spaltet er nur extrem und schadet dem Gesamtkonstrukt 1860. Das ist vereins- und geschäftsschädigend.

peter69
Gast
peter69

Schon allein wer eine Briefwahl fordert ,die es bei keinem Verein gibt, ist schon völlig fehl am Platz .Würde er diese auch fordern falls er Präsident wäre ? Oder fordert er sie nur um seine Chancen zu erhöhen ? Diesem Mann gehts weder um 60 ,sondern ausschliesslich um sich selbst .

huascaran
Gast
huascaran

Wirklich ganz neutral und aus reinem Interesse gefragt – was spricht aus Deiner Sicht gegen eine Briefwahl?

tomandcherry
Leser

@huascaran

In welchem Verein wird eine Briefwahl praktiziert? Kennst Du einen? Und warum verzichten die Vereine – wohlweislich – darauf?

Bine1860
Leser

Bei einem Verein wäre da zu leicht zu manipulieren. Jemand kauft sich mit viel Geld Leute, die Mitglieder werden aber nix mit 60 zu tun haben. In deren Namen stimmt er dann per Briefwahl ab. Warum gibts die wohl bei keinem Verein?!

huascaran
Gast
huascaran

So ganz überzeugt mich das nicht. Wenn ich mir Leute kaufen kann, dann kann ich die ja auch zu einer Mitgliederversammlung schicken, oder?

anteater
Leser

10.000 Jordanier per Briefwahl abstimmen lassen kostet 2*90*10.000 für zwei Jahre Mitgliedsbeitrag = € 1.800.000 (2x weil Stimmberechtigt nach 12 Monaten)

10.000 Jordanier zur Versammlung einfliegen plus zwei Übernachtungen in München kostet, ganz grob, (300+100)*10.000 = € 4.000.000, und das ist billig geschätzt. Es dürfte sehr schwierig sein, 10.000 Jordanier an einem Tag einzufliegen, einfach weil keine 50 Maschinen pro Tag die Strecke fliegen. Dazu kommen noch Visa etc. (Nachtrag: Aktuell günstigster Flug Amman – München über Rom am 29.6. und zurück = € 429; das sind nochmal ca. 1,3 Mio mehr)

Ja, wer fast 2 Mio dafür ausgeben kann, kann wahrscheinlich auch 4, 5 oder 8 Mio dafür ausgeben. Der Verwaltungsaufwand wird dann aber schon auch enorm (Buchungen, Organisation, Visa etc.), das ist dann schon nochmal eine größere Hürde.

HHeinz
Leser

Für die Versammlung reichen ja ca. 600, und die muss man auch nicht einfliegen.
Es gibt auch hier leider vermutlich genug die für ein paar Euros die Hand für etwas heben würden.

Der Verein bei dem das zuletzt passiert ist war Blau Weiss 90 Berlin.

PS: Briefwahl bleibt für mich natürich trotzdem Unsinn. Ein Verein lebt vom Mitmachen und nicht vom Briefe schreiben.

LNHRT
Leser

Gerade wegen der Diskussionen vor Ort bin ich auch gegen eine Briefwahl. Auch können sich Anträge auf einer Versammlung nochmal (geringfügig) ändern oder Kandidaten für ein Ehrenamt stellen sich und ihre Ideen vor. Wenn man das nicht mitbekommt, ist es schwer sich ein richtiges Bild davon zu machen.

Tami Tes
Redakteur

Na ja. Es gab ja schon Fälle von gekauften Mitgliedern (habe den Klub vergessen – wir haben darüber berichtet). Das ist gar nicht so abwegig. Und über Online- oder Briefwahl ist es dann einfacher, als Leute aus der Gegend (oder wo auch immer) zu bekommen, die dann auch hinfahren und 10 Stunden da sitzen.

LNHRT
Leser

Das war dieses Jahr bei Tennis Borussia Berlin

Buergermeister
Leser

gibt ja die Regel, dass man ein Jahr Mitglied sein muss bevor wenn man wählen darf oder?

LNHRT
Leser

Ja, bei Sechzig sieht das die Satzung so vor