Es ist Zeit. Zeit für Veränderung. Wir alle wissen, dass die Löwen zwar sportlich erfolgreich sind, aber im Hintergrund die Messer vorsichtshalber gewetzt werden. Löwe gegen Löwe. Man wartet nur darauf, dass sich die Gelegenheit bietet. Deshalb wird es Zeit für eine Suche …

… die Suche, nachdem was uns verbindet. Und nicht nachdem, was uns entzweit. Wir müssen endlich aufhören die Schuldfrage zu stellen. Schulddiskussionen sind stets rückwärtsgewandt. Und genau das ist es, was die Löwen aktuell nicht brauchen können. Sie benötigen den Blick nach vorne. Denn sonst wiederholt sich das ständige, ironische Spiel des “Phasenmodells”. Zunächst ist die Begeisterung da, dann kommt die Ernüchterung. Auf sie folgt die Panik und schließlich wieder einmal die Suche nach dem Schuldigen. Und wir wissen alle, dass so mancher schon jetzt die Schuldigen ausgemacht haben. Genauso wie diese Personen schon diejenigen ausgemacht haben, die sie feiern. Sollte es unerwarteterweise doch nicht schief gehen. Was wir uns übrigens alle wünschen. Ironischerweise sind diese Personen nicht deckungsgleich – also diejenigen, die man feiert oder eben als Schuldige ausmacht. Und das ist die Krux bei den Löwen. Auf dem Platz ein Mannschaftssport. “Ein Team, ein Weg”. Was für eine Floskel, wenn man weiß: an der Grünwalder Straße 114 würde so mancher gerne dem anderen in die Suppe spucken.

Gemeinsam Ziele formulieren

Die Gesellschafter sind gefragt. Und die Profifußball-KGaA. Will man dem Teufelskreis entkommen? Dann muss man endlich die gemeinsamen Ziele formulieren. Sich auf die Suche machen, was einen verbindet. Es muss ein Leitbild her. Wie man miteinander umgehen will und umgehen kann. Was jeder bereit ist zu geben. Auch anzuerkennen, was der andere bereit ist zu geben oder schon gibt. Und klarmachen, von was man sich lösen muss.

Sich selbst hinterfragen statt die Schuld auf andere zu schieben

Vor allem aber müssen sich die Verantwortlichen inklusive ihrer teils durchaus intriganten Stimmungsmacher von einer Sache lösen: die Schuld zu verschieben. Auf die Fans. Auf die Westkurve. Oder gar auf einzelne Personen, die nicht in Amt und Würde sind. Oder auf die schreibende Zunft, was ohnehin lächerlich ist. Wenn jemand sich persönlich verletzt fühlt, weil Fans ihre Meinung sagen, dann sollte er sich vielleicht ein anderes Tätigkeitsfeld suchen. Und wer auf sachliche Artikel nicht die richtige Antwort hat ebenfalls. Manipulativer Lobbyismus natürlich mal außen vor gelassen. Das gilt für alle Parteien. Und für beide Gesellschafter.

Klare Gespräche statt Bizeps-Spielchen

Den ersten Schritt muss wohl Hasan Ismaik tun. Die Hand wurde ihm mehrfach gereicht. Gesprächsangebote gibt es. Einladungen nach München sowieso. Von der Geschäftsführung, von der Mannschaft, vom Trainer und vom Mitgesellschafter. Und das ist kein Seitenhieb in Richtung Abu Dhabi. Es ist die einzige Möglichkeit endlich mal Klarheit zu schaffen. Klare Gespräche statt Bizeps-Spielchen. Ausformulierung der gemeinsamen Ziele, statt Schwanzvergleich.

Mission, Vision und Organisationskultur

Ein gemeinsames Leitbild. Was ist unsere Mission und unsere Vision? Was ist unsere angestrebte Organisationskultur? Was sind unsere Werte und unsere Richtlinien? Mag sein, dass mein Wunsch nach einem Leitbild utopisch ist. Aber ist die ständige Schuldfrage in Verbindung mit der ständigen Wiederholung, man sei in “konstruktivem Austausch” wirklich hilfreich? Gemeinsamkeiten erkennen und formulieren.

Über Lippenbekenntnisse hinaus wachsen

Ansonsten knallt es halt demnächst wieder. Wir wissen es. Und wir haben alle Angst davor. Einige verdrängen es vielleicht auch. Verstecken sich hinter dem aktuellen sportlichen Erfolg und verschließen ansonsten ihre Augen und Ohren. Das mag auch durchaus in Ordnung sein. Die Verantwortlichen hingegen müssen endlich über Lippenbekenntnisse hinauswachsen. Leider haben sich einige Verantwortliche in der KGaA dem bisherigen Spiel bei den Löwen schon angepasst. Man kann nur hoffen, dass der eine oder andere zurück zu den Werten kehrt, mit denen er zu den Löwen gekommen ist. Weil man ihn wegen diesen Werten geholt hat. Und wegen diesen Werten Hoffnung in ihn gesteckt hat. Namen nenne ich keine. Aber wer genügend Selbstreflexion besitzt erkennt sich eh an dieser Stelle. Und wer nicht? Hat entweder Glück, dass das “All-In” funktioniert oder er scheitert, wie so viele in den letzten Jahren. Oder Jahrzehnten?

Titelbild: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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