Aus dem Großraum München gehen in dieser Saison gleich vier Mannschaften in der 3. Liga an den Start. Vier Mannschaften, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Nachdem die Löwen das erste Derby in Unterhaching für sich entscheiden konnten, steht nun das zweite Derby gegen Türkgücü München auf dem Spielplan. Diese Partie weckt natürlich sofort Erinnerungen an die Zeiten in der Bayernliga, als beide Mannschaften vor über 30 Jahren insgesamt sechsmal gegeneinander angetreten sind.  

aktuelles Wappen von Türkgücü
(Foto: turkgucu.de)

Das Frühjahr 1982 markierte mit der Verbannung aus dem Profifußball eine Zeitenwende beim TSV 1860 München. Aufgrund von Verbindlichkeiten in Höhe von 8 Millionen DM statuierte der DFB am Saisonende ein Exempel an den Löwen und verweigerte die Spiellizenz für die 2. Bundesliga. Es folgte die Strafversetzung in die Bayernliga, die von 1982 bis 1993 andauern sollte. Unterbrochen war diese Phase lediglich von der Zweitligasaison im Jahr 1991/92.

Trotz großer Verbundenheit der Fans mit ihren Löwen erreichte die neuformierte Mannschaft im ersten Jahr der Bayernliga in der Abschlusstabelle lediglich Platz 6. Am Ende der zweiten Bayernligasaison stand im Frühjahr 1984 die angestrebte Qualifikation zur Aufstiegsrunde, in welcher Sechzig jedoch glanzlos scheiterte. Von den sechs Spielen der Aufstiegsrunde gewann Münchens große Liebe lediglich das Heimspiel gegen den Freiburger FC.

Endlos langer Aufenthalt in der Bayernliga

Nach der verpassten Möglichkeit in der Aufstiegsrunde ging es für die Löwen im Alltag der Bayernliga weiter und die Saison 1984/85 verbrachte 1860 München wider aller Erwartungen im Abstiegskampf zur Landesliga. Mit lediglich 5 Punkten Vorsprung auf die Abstiegsrelegation wurde die Saison auf Platz 11 schließlich noch gerettet. In der Saison 1985/86 verpasste 1860 München mit Platz 2 in der Abschlusstabelle zunächst erneut die Aufstiegsrunde. Weil aber die SpVgg Landshut es versäumt hatte, die erforderlichen Unterlagen für die Zweite Liga fristgerecht einzureichen, durfte anstelle des Bayernligameisters der Vizemeister, also die Löwen, an der Aufstiegsrunde teilnehmen. Lediglich im ersten Spiel zu Hause gegen Kickers Offenbach gelang ein mageres 0:0-Unentschieden. Es sollte der einzige Punktgewinn in dieser Aufstiegsrunde bleiben und die Enttäuschung war dementsprechend riesengroß.

Heimspielstätte von Türkgücü München in der Bayernliga: Dantestadion (Foto:Kuemmjen)

Sechzig München machte die Kassen der Vereine in der Bayernliga voll. Praktisch jedes Auswärtsspiel von 1860 München war für den Heimverein das Spiel des Jahres. Die tiefgestürzten Löwen waren der absolute Zuschauermagnet zu jener Zeit. Das sportliche Problem an dieser Situation war, dass hochmotivierte Mannschaften gegen die Löwen alles aus sich rausholten. Statistiken belegen, dass Mannschaften in den Wochen nach dem Heimspiel gegen Sechzig durchschnittlich weniger Punkte holten als zuvor. 

Türkgücü München: Aufstieg in die höchste Amateurklasse

In den Jahren von 1986 bis 1988 wurde 1860 München in der Abschlusstabelle zweimal Dritter. Einmal war Unterhaching vor den Löwen und einmal gar die Amateure des ungeliebten Nachbarn. Zur Saison 1988/89 kam es in der Bayernliga zu einer Premiere. Als zweiter Migrantenverein nach Türkiyemspor Berlin gelang dem SV Türk Gücü München e.V. der Aufstieg in die höchste Leistungsstufe für Amateurvereine. Trainer von Türkgücü München (Übersetzung: türkische Macht/Kraft) war Löwenlegende Peter Grosser. Das Ziel des Vereins war es, türkischstämmigen Fußballbegeisterten ein Zuhause zu geben und die Möglichkeit zu bieten, aktiv am bayrischen (Fußball-)Leben teilzunehmen und den in beiden Kulturen so geliebten Sport zu fördern. Derbys zwischen diesen beiden Mannschaften waren stimmungsvolle Höhepunkte. Die Heimspielstätte der Türken in der Bayernliga war das Dantestadion im Stadtteil Gern, aber im Derby gegen 1860 München wurde jedes Mal das größere Grünwalder Stadion als Austragungsort gewählt.

früheres Vereinswappen von Türkgücü


Das Aufstiegsjahr von Türkgücü München war das erfolgreichste in vier Jahren Bayernliga. 1860 München landete auf einem enttäuschenden fünften Tabellenplatz und die Türken belegten im Endklassement Platz 6. Beim Hinspiel konnte Türkgücü in der zweiten Halbzeit noch ein 1:1-Unentschieden erzielen (Torschütze: Roland Kneißl), im Rückspiel dagegen siegte Sechzig mit 2:1 (Torschützen: Sdran Colakovic, Roland Kneißl).

Die Bayernligasaison 1989/90 bereitete den Löwenfans am letzten Spieltag ein traumatisches Finale. Bei strömenden Regen zerstörten ausgerechnet Werner Lorant und Bernhard Winkler mit dem 1. FC Schweinfurt 05 vor 31.000 Zuschauern den Traum von der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. 1860 München musste ein weiteres Jahr im Amateurbereich bleiben. Das Hinspiel gegen Türkgücü endete in dieser Saison torlos 0:0 und das Rückspiel gewannen die Löwen mit 2:0 (Torschützen: Frank Peuker, Horst Schmidbauer). Die Türken belegten in dieser Saison Tabellenplatz 7.

In der Bayernligasaison 1990/91 gelang endlich wieder die Qualifikation für die Aufstiegsrunde und anschließend auch der Sprung in die 2. Bundesliga. Beide Partien gegen den SV Türk Gücü München wurden mit 2:0 gewonnen. Beim Hinspiel trafen Dragan Vranes und Walter Hainer. Beim Rückspiel vor 15.000 Zuschauern traf Bernhard Schmid zweimal. Mit 15.000 Zuschauern war das vorerst letzte Derby das mit den meisten Zuschauern.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
0 0 vote
Article Rating
2 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments

tomchen
Gast
tomchen (@guest_52151)
1 Monat her

Soweit ich mich erinnern kann waren durchaus auch „deutsche“ Spieler in der Mannschaft, ähnlich wie heute. Allerdings waren die Migranten überwiegenst türkische Migranten. Da ich mich an die Spiele gegen Türk Gücü aufgrund der besonderen Atmosphäre im Stadion ansonsten sehr gut erinnern kann, bin ich schon gespannt auf weitere Berichte der „Älteren“.

Serkan
Leser
Serkan (@serkan)
1 Monat her

Frage an die Älteren hier: Waren die Spieler von Türkgücü damals tatsächlich türkische Migranten oder Profis von überall her, die nur zufällig bei einem „türkischen“ Verein spielten?