Die Relegation gegen Saarbrücken vor einem Jahr: Das Hinspiel

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Es gibt Fußballspiele, deren Eindrücke einen fast erschlagen. Dann steht man da nach dem Abpfiff und sucht nach Vergleichbarem. Aber alles, was man findet, fühlt sich unpassend an. Die beiden Relegationsspiele gegen den 1. FC Saarbrücken am 24./27. Mai 2018 zeigten eindrucksvoll, was für Emotionen die Sportart Fußball auslösen bzw. anrichten kann. Elektrisierende Vorfreude, erhöhter Pulsschlag, unerträgliche Anspannung, lähmendes Entsetzen und schließlich doch noch die Erlösung. Die wilde Aufstiegsfeier der Löwenfans nach dem Abpfiff in der Relegation gegen Saarbrücken vor den Toren des Grünwalder Stadions wird wohl niemand vergessen, der vor einem Jahr mit dabei war. Im Gegensatz zu den ausflippenden Sechzgerfans in Giesing wirkte die neuerliche Meisterschaftsfeier des FC Bayern auf dem Marienplatz wenige Tage zuvor wie eine sachlich moderierte Gedenkfeier.

Die Auslosung zur Relegation ergab mit dem 1. FC Saarbrücken einen Gegner, der die Regionalliga Südwest von Anfang an dominiert hatte und frühzeitig als Teilnehmer an den Aufstiegsspielen feststand. Von den möglichen Gegnern in der Relegation war Saarbrücken alles andere als ein Traumlos, wahrscheinlich sogar der größte Brocken von allen. Der 1. FC Saarbrücken erzielte in der regulären Saison 92 Tore und galt vor dem Duell mit den Löwen als leicht favorisiert. Insbesondere das brandgefährliche Stürmer-Duo Behrens und Schmidt sorgte im Vorfeld für erhebliche Sorgenfalten im Löwenlager.

1. FC Saarbrücken: Der schwerste Gegner von allen

Auch 2018/19 blieb der Aufstieg in die 3. Liga verwehrt

In der abgelaufenen Regionalligasaison hatte 1860 München in den Heimspielen gegen den FC Pipinsried, FC Unterföhring und VfB Eichstätt mit dem ersten Angriff sofort die Führung erzielen können. Und ausgerechnet im wichtigsten Spiel des Jahres gelang dieses Kunststück ein viertes Mal. Nach einer Ecke in der 1. Minute erzielte Sascha Mölders, der in dieser Relegation zum Fußballgott aufsteigen sollte, die frühe Führung für die Löwen. Dieses Tor ließ die Partie regelrecht explodieren. Der 1. FC Saarbrücken warf umgehend seine Offensivreihen wütend gegen die Gäste aus Süddeutschland und es folgte in den ersten 15 Minuten ein spektakulärer Schlagabtausch mit offenem Visier. Torchance folgte auf Torchance und das auf beiden Seiten. Nach gespielten 20 Minuten hätte es gut und leicht auch 3:3 heißen können. Als sich das Spiel erstmalig beruhigte, ereignete sich nach 25 Minuten der nächste Nackenschlag für die Saarländer. Der gefürchtete Stürmer Kevin Behrens trat mit gestrecktem Bein Nono Koussou um und sah völlig zu Recht die rote Karte für dieses rüde Einsteigen. Trotz dieser empfindlichen Schwächung erzielte Saarbrücken kurz vor der Pause dennoch den Ausgleich. Nach einer perfekt getretenen Flanke aus dem rechten Halbfeld hämmerte ein Saarbrücker den Ball absolut unhaltbar für Marco Hiller volley in die Tormaschen.

Das Relegationshinspiel war das beste Spiel der Saison

Christian Köppel – Mach’s guad, alter Löwe!

Die zweite Hälfte begann zur großen Freude der mitgereisten Löwenfans ähnlich spektakulär wie die erste Halbzeit. Erster Angriff und wieder ein Löwentor. Kapitän Felix Weber setzte Nico Karger perfekt in Szene, dieser täuschte den FCS-Keeper und schob zur erneuten Löwenführung ein. Jetzt war Sechzig München am Drücker und nutzte die numerische Überlegenheit. Lediglich der Pfosten und der reaktionsschnelle Torwart der Saarländer verhinderten in der Folgezeit mehrfach die Vorentscheidung. Doch dann stand nach 70 Minuten Saarbrückens Topstürmer Patrick Schmidt frei vor Marco Hiller und glich aus dem Nichts zum 2:2 aus.

Das Spiel drohte nun zu Ungunsten der Löwen zu kippen, aber in dieser brodelnden Atmosphäre hielt 1860 München erfolgreich dagegen. In der 84. Minute legte Christian Köppel im Strafraum den Ball mit der Hacke quer auf Sascha Mölders und Mölders bewies seine Extraklasse. Eine schnelle Drehung, ein platzierter Schuss in das rechte Toreck und Münchens große Liebe ging im Hermann-Neuberger-Stadion zum dritten Mal in Führung.

Löwenfans feierten, Saarbrücken hoffte auf das Wunder

Ein irres Spiel näherte sich allmählich dem Ende und Saarbrücken kam gottlob kein drittes Mal zurück. Es gelang ein eminent wichtiger Auswärtssieg im Relegationshinspiel bei einem Gegner, der in den Minuten nach dem 0:1 gezeigt hatte, welch unglaublichen Druck dieses eingespielte Team ausüben konnte. Die Löwen waren verständlicherweise mit dem Resultat hochzufrieden, musste der FCS jetzt im Rückspiel mindestens zwei Tore schießen. Doch auch die Saarbrücker bauten sich an der Tatsache auf, dass sie gegen 1860 München in Unterzahl zweimal ausgeglichen hatten. Dirk Lottner, Trainer vom 1. FC Saarbrücken, meinte vor dem Rückspiel: „Mit 11 Mann gewinnen wir.“

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Peter Loewe
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Schaue mir die Aufzeichnung des Rückspiels auch immer wieder gern an. War toll! Aber es kommt auch Wehmut auf. Ich stelle mir die Frage: Können wir nur Regionalliga? Mit dem Etat wahrscheinlich ja…und wenn Biero geht ist alles vorbei!

Tami Tes
Redakteur

Ich würde das nicht so schwarz sehen. Erinnere Dich an Mai/Juni 2017. Hättest du gedacht, dass es wirklich noch weiter geht? Dass sich die Löwen – ob im Verein oder die Fans – so aufraffen und aufbaumeln? Dass sie eben auch noch aufsteigen?
Es sieht alles immer erst negativ aus, aber dann stellt sich heraus, dass es doch nicht so schlimm war, dass es doch weitergeht, dass sich doch Möglichkeiten eröffnen. Ich denke, man muss sich bisschen Zuversicht und Optimismus bewahren. Es ist nie das Ende der Welt, immer nur ein möglicher Anfang. Also positiv bleiben und vor allem Löwe bleiben. wink

Tami Tes
Redakteur

Danke für die Rückblende… es war so nervenzerreissend. Diese Relegation vergesse ich nie! Was für ein Krimi.

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