Ein Beitrag der Groundhoppers1860

Aufgrund der Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit haben die aktuell Verantwortlichen aus den Fehlern ihrer Vorgänger und anderer Beteiligter im Umfeld des TSV 1860 gelernt und geben zur Thematik der möglichen Kapazitätserweiterung des Grünwalder Stadions keine täglichen Wasserstandsmeldungen ab. 1860-Präsident Robert Reisinger agiert wie gewohnt sachlich und ruhig im Hintergrund und wird zum „Stillhalteabkommen“ nur mit den Worten: „Das haben wir mit der Stadt so vereinbart“ zitiert.

Leider halten sich nicht alle an diese sinnvolle Vereinbarung. Nach der von OB Dieter Reiter (SPD) öffentlich gemachten Machbarkeitsstudie zur Erweiterung der Zuschauerkapazität fühlte sich Bezirksausschuss-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) dazu berufen, der BILD-Zeitung ein Interview zu geben.

Dass der Lokalpolitiker für die Anwohner Stellung bezieht ist legal. Fragwürdig sind allerdings die im Artikel verbreiteten Thesen von Herrn Baumgärtner. Die Aussage „Wir haben 15.000 Zuschauer ja schon lärm- und verkehrsmäßig kaum unter Kontrolle“ widerspricht fast allen bisherigen Aussagen z.B. auch der Münchner Polizei, zumindest einem Teil der Anwohner und auch dem Eindruck der meisten Löwenfans in den bisherigen Spielen seit dem Umzug in das Grünwalder Stadion im Sommer 2017.

Anwohner, die sich bei Großveranstaltungen beschweren, gibt es überall und der Protest ist absolut legitim. Da es sich aber nur um maximal 20 Heimspiele der Löwen in Liga und Pokal pro Jahr handelt und die Beeinträchtigungen nicht den ganzen Tag dauern, sollte man die berühmte Kirche im Dorf lassen.
Die aktiven Kritiker an der Kapazitätserweiterung gehen vermutlich auch nie auf das Oktoberfest, um den dortigen Anwohnern Lärm und Müll zu ersparen.

Viel ärgerlicher finden wir aber das Zitat „U-Bahn? Auch keine Lösung“, so Baumgärtner. Die U-Bahnhöfe seien „schon für 15.000 Leute nicht geplant worden“.
Das ist -mit Verlaub- ein an den Haaren herbeigezogenes Argument. Das Grünwalder Stadion ist mit seinen drei in direkter Umgebung befindlichen U-Bahn-Stationen, der direkten Tram-Anbindung zur S-Bahn-Stammstrecke am Rosenheimer Platz und der X30-Bus-Expresslinie zum Ostbahnhof eines, wenn nicht das am Besten an den ÖPNV angebundene Stadion der Republik. Zudem erlaubt diese hervorragende Anbindung eine Fantrennung, wie sie im Olympiastadion bzw. Allianz Arena nie möglich war bzw. ist.

Herr Baumgärtner, der laut BILD-Artikel seit 42 Jahren im Viertel wohnt und sich dort „wie kein Zweiter“ auskennt, scheint auch die Situation des ÖPNV in der Vergangenheit vergessen zu haben.
In der Zweitligasaison 1993/94 hatten die Löwen im Grünwalder Stadion einen Zuschauerschnitt von mehr als 20.000 Fans pro Spiel, einige Spiele waren mit 28.500 Zuschauern sogar ausverkauft.
Auch in der Erstligasaison 1994/95 (13+4-Regelung) gab es mehrere Spiele im GWS mit 28.500 Zuschauern.

Zu dieser Zeit gab es die U-Bahn-Stationen Wettersteinplatz und Candidplatz überhaupt noch nicht, da beide Bahnhöfe erst im November 1997 in Betrieb gingen. Der U-Bahnhof Silberhornstraße war damals in der Lage, alle mit dem ÖPNV angereisten Fans zu verkraften. Heute, mit drei U-Bahn-Stationen soll das nicht mehr möglich sein?
Herr Baumgärtner, diese Argumentation ist unseriös!

Anstatt froh zu sein, dass die Koppelung der Eintrittskarten mit der MVG-Nutzung sehr gut angenommen und damit Individualverkehr inkl. der damit verbundenen Parkplatzproblematik vermieden wird, versucht die Lokalpolitik hier mit unlauterer Argumentation diesen Erfolg madig zu machen.

Auch die Aussage „für 30.000 Zuschauer bräuchte man hunderte Busse“ ist rein polemisch und hat mit der Realität nichts zu tun. Die ungeliebte Allianz Arena mit einem Fassungsvermögen von 75.000 Zuschauern bietet z.B. „nur“ 350 Busparkplätze. Warum dann im Grünwalder Stadion bei einer maximalen Erweiterung auf 30.000 Zuschauer aber auch in Anbetracht der sichtbaren hohen ÖPNV-Nutzung mit „hunderten Bussen“ gerechnet werden muss, erschließt sich uns nicht.

Wie gesagt, der Einsatz für die Anwohner und ihrer Interessen ist absolut legitim, dafür wurde Herr Baumgärtner schließlich auch gewählt. Die Argumente gegen eine Kapazitätserweiterung des Grünwalder Stadions wirken aber konstruiert und halten einer ernsthaften Überprüfung nicht stand.

Pressebericht zu Baumgärtners Aussagen:

https://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen-aktuell/giesings-viertel-chef-zum-gruenwalder-stadion-30-000-fans-sind-utopisch-59361652.bild.html


Die Groundhoppers1860 haben seit heute neben ihrer Facebook-Seite nun auch einen LöwenBlog im Löwenmagazin. Ihr findet ihn hier: Löwenblog Groundhoppers1860

 

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Dr. Klothilde Rumpelschtilz
Gast
Dr. Klothilde Rumpelschtilz

Schön euch jetzt auch hier zu lesen, auf Facebook seit ihr meine Lieblingsseite über 1860.👍🔥

United Sixties
Gast
United Sixties

Ja der Herr vom Bezirksausschuss muss das sachliche Argumentieren nach zu vielen CSU-Seminaren wohl noch ordentlich überprüfen. So oder so wird der Aus-und Umbau des Sechzger-Stadion für eine Zukunftsfähigkeit des weiß-blauen Traditionsverein 1860 mit seinen Zehntausenden Anhängern ( und Wählerstimmen) durch den Stadtrat gehen. Die Komplettüberdachung und Kapazitätserhöhung auf 20 000 + X wird herausfordernd für Kosten und den jeweiligen Architekten ,
ist und bleibt allerdings alternativlos.

jürgen (jr1860)
Leser

Ich hoffe es

Und die Hoffnung stirbt zuletzt

ELiL

Gman
Gast
Gman

Sehr guter und treffender Artikel.

Tami Tes
Redakteur

Gut argumentiert!
Es ist aber klar, dass es hierbei nur um die künftigen Wahlen geht. Damit verspricht sich Herr Baumgärtner wohl die Stimmen der Giesinger… ob die Rechnung aufgeht?

1860Solution
Leser

Die Groundhoppers lese ich immer gerne. Super, dass sie es auch hier nun gibt. Das ist vielseitige Berichterstattung. Hoffentlich folgen noch mehr und machen einen Löwenblog auf bei euch. Auch mal etwas kritischere Stimmen vielleicht. Der Diskussion tut´s gut.