In Bezug auf Rechtsradikalismus ist der TSV 1860 München leider ein gebranntes Kind. Es existieren zu viele Berichte über Neonazis, die vor allem zu Arenazeiten den Verein bei Heimspielen in Verruf gebracht haben. Vielleicht ist es noch zu früh, um von einem ernsten Problem sprechen zu können, aber das Löwenmagazin möchte frühzeitig sensibilisieren, dass ein altes Thema die Löwen einholen könnte, welches mit der Rückkehr in das Grünwalder Stadion überwunden schien.

Vielfalt. Toleranz. Leidenschaft.

In den erneuten medialen Fokus geriet das leidige Thema während des 1. Heimspiels gegen die Sportfreunde Lotte, als ein Fan mit nacktem Oberkörper auf dem Zaun vor der Westkurve sitzend, eine Tätowierung in Form eines verstorbenen rechtsradikalen Sängers zur Schau stellte.
„Wir distanzieren uns als Löwen ausdrücklich von Stadionbesuchern, die den TSV 1860 München dazu nutzen, um rechtes Gedankengut zu verbreiten“, schrieb Geschäftsführer Michael Scharold in einer Pressemitteilung als unmittelbare Reaktion auf diesen Vorfall. „Im Rahmen unseres Hausrechts werden wir aber alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreifen, um Personen mit solchen Haltungen keine Plattform zu geben. Wir stehen für Offenheit, Toleranz und ein respektvolles Miteinander.“ Da das Tattoo nicht verfassungswidrig ist, kommt es zumindest im Hinblick auf die Tätowierung zu keiner Anzeige.

Als abschreckendes Negativbeispiel ist in diesem Zusammenhang der berüchtigte Block 132 in der Allianz Arena zu nennen. Die Anzahl von organisierten Neonazis bei Zweitligaspielen von 1860 München in der Allianz Arena wurde auf 100 Personen oder sogar mehr geschätzt.

Danny da Costa – derzeit Eintracht Frankfurt

Als einer der traurigen Höhepunkte in diesem Zusammenhang ist das Heimspiel am 4. Spieltag der Saison 2013/14 gegen den FC Ingolstadt 04 zu erwähnen. Der dunkelhäutige deutsche U21-Nationalspieler Danny da Costa vom FC Ingolstadt 04 wurde während des Spiels bei den Löwen mehrfach auf das Übelste beleidigt. „Mehrere Leute meinten, bei Einwürfen oder Ballkontakten Sachen wie ‚Nigger‘ oder ‚Schwarzes Schwein‘ in meine Richtung rufen zu müssen. Immer, wenn der Ball in meine Nähe kam, gab es auch Affenlaute“, sagte der 20-Jährige später in einem Interview. „Ich habe Herrn Meyer (Anm. Red.: Schiedsrichter der Begegnung) gesagt, dass ich aufs Übelste beschimpft werde, dass das nicht mehr tragbar für mich ist“. Meyer veranlasste eine Stadiondurchsage, danach wurde es laut da Costa „etwas besser“.

Das Thema Rechtsradikalismus haftete bis zum Ende in der Allianz Arena eng am Verein und darüber hinaus. Kurz nach dem Zwangsabstieg im Sommer 2017 titelte Spiegel online „Neonazis dürfen bei 1860 ungestört mitjubeln“. Der Artikel beschrieb den Fanclub Löwenfreunde Lamer Winkel, von dem mindestens fünf Mitglieder der Partei „Der Dritte Weg“ angehörten. Es handelt sich hierbei um eine Neonazi-Organisation, die sich nach dem Verbot der Kameradschaft „Freies Netz Süd“ als Partei gründete, weil die Verbotshürden für Parteien deutlich höher sind als bei Verbänden oder Vereinigungen. Kurz nach dem medialen Echo wurde der Fanclub aus Lam aufgelöst.

Es darf natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass es auch Widerstand gegen die Unterwanderungsversuche der Neonazis gibt. Seit den 90er Jahren kämpfen die „Löwenfans gegen Rechts“ gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit in der Fankurve. Für ihr langjähriges Engagement wurden die LFgR im Jahr 2009 vom DFB mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet und im Jahr 2015 mit dem „Münchener Bürgerpreis für Demokratie – gegen Vergessen“. Im Jahr 2013 sorgte eine andere Form der Auseinandersetzung mit Rechtsradikalen für Schlagzeilen. Bei der Partie 1860 München II gegen FV Illertissen im Grünwalder Stadion wurden in der Stehhalle drei Mitglieder der rechten Szene Münchens identifiziert und recht unsanft aus dem Stadion hinauskomplimentiert. Der überwiegende Teil der Fanszene bezog mit “Nazis raus” und “Wir sind Löwen – und ihr nicht!“ lautstark Stellung gegen Rassismus.

Wie sollte man sich also zukünftig bei Heimspielen im Grünwalder Stadion verhalten, sollten verfassungsfeindliche Symbole oder rassistische Verunglimpfungen wahrnehmbar sein? Es wird empfohlen, den Ordnungsdienst oder Polizeikräfte zu informieren. Auf Initiative des TSV 1860 München, des Fanprojekts München und den Löwenfans gegen Rechts wurde bereits vor einigen Jahren die Broschüre „Kein Spielraum für Rechtsradikalismus“ ausgearbeitet, die verbotene und unerwünschte Symbole auflistet und erklärt.

Wer sich zur Symbolik des Rechtsradikalismus informieren möchte, hier der Link zur Broschüre:

http://www.tsv1860.de/_m/media/1/59a86.pdf


Titelbild: Mahnmal für den Brandanschlag in Solingen, Urheber: Frank Vincentz

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Queeg
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Die KGaA hat die goldene Gelegenheit verpasst, nach dem Umzug ins GWS bei der Dauerkartenvergabe die Ex-132er zu „vergessen“.

Das hat man aber nicht, deshalb sind diese Leute immer noch da.

Das hatte zwar Fauser zu verantworten und nicht Scharold, trotzdem sind vor diesem Hintergrund alle Lippenbekenntnisse der KGaA nicht glaubhaft.

Man kann nicht einerseits das Geld dieser Leute nehmen und andererseits den Gutmenschen spielen, sobald ein Mikro in der Nähe ist. Ich erwarte konsequentes Handeln, selbst wenn es die KGaA ein paar € kosten sollte.

BlueBerry
Leser

Solche willkürlichen Versehen, gepaart mit der Gefahr, dass es auch die Falschen trifft, halte ich nicht für die richtige Form der Auseinandersetzung.

Sechzga
Leser

1.wenn du von „Gutmenschen spielen“ schreibst, hast du vermutlich unwissentlich und unbewusst die Propagandasprache der Rechten übernommen, die mit Ihrer Sprache ein aufgeheiztes, feindliches Klima in das demokratische Spektrum bringen wollen. Was ihnen ja leider schon zu gut geglückt ist. Also Vorsicht bei der Verwendung solcher Begriffe wie „Gutmensch“, der in der rechten Szene als Schimpfwort und Hassbezeichnung verwendet wird.
2. das mit dem „Vergessen“ hätte vermutlich nicht geklappt. Meiner Mn muss schon was Handfestes vorliegen, um solchen Typen die Karte zu entziehen.

jürgen (jr1860)
Leser

Finde ich sehr gut, dass das Thema hier so einen Stellenwert bekommt. Rechtes Gedankengut hat im Stadion nichts, aber rein garnichts verloren!

Gegen Kiel war jemand hinter mir (in der Stehhalle), der sowohl den Koreaner, wie auch den dunkelhäutigen „Bimbo“ bei jeder Ballberührung verunglimpfte. Auf meine Frage, was das soll, meinte er nur, dass das ja nicht seine Meinung wäre, und nur wegen der Stimmung hergehöre… Traurig sowas sad
Deshalb fand ich ja das Stement der „Löwenfans gegen Rechts“ nach dem Spiel sehr bemerkenswert.

wehret den Anfängen…

Rechtes Gesocks hat bei uns nichts verloren!

Einmal Löwe, immer Löwe

Sechzga
Leser

Ich finde es Klasse, dass Sie den Typen angesprochen angesprochen haben, dass Ihnen diese Verunglimpfungen nicht gefallen. Dazu bedarfs schon Courage, Respekt!
Die Vorfälle sind letztlich nicht nur traurig, sondern man muss wohl auch was dagegen unternehmen. Vielleicht damit Drohen bei der nächsten Verunglimpfung den Ordnungsdienst oder die Polizei zu verständigen?
Die rassistischen Ausfälle damals bei dem Spiel gegen Ingolstadt haben den Verein mWn richtig Geld gekostet.

LNHRT
Leser

Rassismus und Diskriminierung dürfen weder im, noch ausserhalb des Stadions Platz haben. Hierbei ist es wichtig sich zu solidarisieren. Nur wenn eine große Mehrheit zeigt, dass es nicht geduldet wird, kann es etwas bringen. Emotionen und Beleidigungen gehören für mich zum Fußball mit dazu, nur sollten diese eben nicht homophob oder rassistisch sein. Ich finde auch das „Arsch****, Wixx**, Hu**nsohn, H*öhnes und Schwul“ beim Abschlag des gegnerischen Torwarts schon total unpassend. Schwul als Beleidigung zu verwenden ist und war noch nie zeitgemäß. Da gibt es deutlich kreativere Möglichkeiten jemanden zu beleidigen wink