Dr. Rainer Koch, Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes, spricht Klartext in Richtung der neuen Bundesregierung. Er fordert ein deutsches Statement gegen eine rein auf Kommerz ausgerichtete europäische Super League und für 50+1 als Teil des sportpolitischen Leitgedankens der neuen Bundesregierung.

DFB-Interimspräsident Koch ist enttäuscht, dass es im Ampel-Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung keine konkreten Aussagen zum europäischen Sportmodell und zu weiteren zentralen Kernfragen des Sports gibt. Zwei wesentliche Punkte nennt er, die kurzfristig notwendig sind:

Verhinderung einer europäischen Super League

Die Unterstützung der UEFA in ihrer rechtlichen Auseinandersetzung mit Real Madrid vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Verhinderung einer europäischen ‘Super League’. In den vergangenen Monaten haben sich die meisten EU-Mitgliedsstaaten, und insbesondere auch Spanien, Frankreich und Italien mit schriftlichen Stellungnahmen und Statements in das Verfahren vor dem EuGH eingebracht. Deutschland leider bis dato nicht, obwohl gerade der nationale deutsche Fußball von der Einführung einer europäischen ,Super League‘ existentiell betroffen wäre – und obwohl gerade auch bei uns in Deutschland die negativen Auswirkungen einer solchen eigenständigen rein auf Kommerz ausgerichteten Liga im Basketball eindrücklich betrachtet werden können. Die neue Bundesregierung sollte die Haltung der aktuell noch geschäftsführenden Regierung umgehend ändern und bei der anstehenden mündlichen Anhörung im Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof als Streithelfer auftreten und damit nun endlich dem Beispiel Frankreichs, Italiens, Spaniens und mehr als der Hälfte der EU-Mitgliedstaaten folgen, die schon längst schriftliche Erklärungen beim Gerichtshof eingereicht haben.

Schutz des Fußballs vor rein auf wirtschaftlichen Profit ausgerichteten Unternehmen

Fußball darf rechtlich nicht nur nach den Kriterien des Wirtschafts-, Unternehmens- und Kartellrechts bewertet werden, denn der Fußball gehört allen und nicht nur einigen ausschließlich auf wirtschaftlichen Profit ausgerichteten Fußball-Unternehmen. Das auf den Werten der Offenheit des Wettbewerbs (einschließlich sportlicher Leistungen sowie Auf- und Abstieg) und der Solidarität aller Sportler*innen beruhende Europäische Sportmodell muss rechtlich maximal geschützt werden, gerade auch in rechtlichen Auseinandersetzungen mit den Interessen und Zielsetzungen des Wirtschafts- und Unternehmensrechts und insbesondere auch des Kartellrechts. Das Einverbandsprinzip (d.h. die Steuerung des Fußballs durch die nationalen und internationalen Verbände DFB, UEFA und FIFA), die 50+1-Regel, die Sicherung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Wettbewerbsfähigkeit nationaler Ligen und des Nationalmannschaftsfußballs, aber auch die solidarische Teilhabe des Jugend- und Amateurfußballs an den Einnahmen des professionellen Spitzenfußballs bedürfen des allseitigen Schutzes, gerade auch durch die nationalen Regierungen und die nationalen Parlamente, und sollte deshalb sportpolitischer Leitgedanke der neuen Bundesregierung sein.”

Titelbild: Photo by Alex Grimm/Getty Images

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Snoopy.
Snoopy.(@snoopy)
11 Tage her

Auf wirtschaftlichen Profit ausgerichtete Fußball-Unternehmen … nun, es ist eigentlich recht einfach, wie man das unterbinden kann, dass es solche Kommerz-Unternehmen im Fußball gibt: nehmt das Geld aus der Fußballwelt. Damit wird es für solche Fußball-Unternehmen, die nur den wirtschaftlichen Profit sehen, uninteressant.

Ich sehe das Problem dazu nicht nur bei einer Gelddruckmaschine “Super League”, sondern schon auch innerhalb Deutschlands bei der Geldverteilung an sich. Streng genommen könnte man sagen: je erfolgreiche eine nationale Mannschaft ist, desto mehr Geld bekommt sie. Auch durch diesen TV-Vermarktungsschlüssel. Die Clubs in den unteren beiden Profi-Liegen in Deutschland sollen vieles “professionell” machen, kämpfen aber mehr oder weniger ums Überleben, weil diese Anforderung durch DFL/DFB Geld kosten und man – gerade in der 3. Liga – von dem großen Stück Kuchen eine kleine Ecke bekommt, die man dann auch noch durch 20 Teilen muss. Da fällt die “sicherung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen” nicht ganz so einfach, wenn man keinen Geldgeber hat oder jemanden wie Ismaik, der das Defizit ausgleicht.

Ob die Berliner Regierung sich in das vom Verband vorgegebene 50+1 Verfahren einmischen sollte, ist fraglich. Jetzt nach der Politik rufen, damit diese Verbandsregel von 50+1 bestand hat, ist schon etwas seltsam, vor allem, wenn der Verband selbst nicht in der Lage ist, die wirtschafltichen Rahmenbedingungen gerade für die Sportvereine in den unteren Spieklassen sicher zu stellen und für eine solidarische Verteilung der Gelder zu sorgen.