Was gestern noch einige als einen Aprilscherz ansahen, ist heute doch Wirklichkeit geworden. Der DFB-Präsident Reinhard Grindel hat seinen sofortigen Rücktritt in einer persönlichen Erklärung verkündet. “Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe”, schrieb Grindel.

Reinhard Grindel, DFB

Bis zu den Neuwahlen im September sollen die beiden Vizepräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball den DFB kommissarisch leiten.

Missgeschicke, Nebeneinkünfte, Luxus-Uhr

Die Stimmen gegen Grindel wurden immer lauter, die Kritiker ließen eine klare Linie und Erfolge vermissen. Nicht zu unrecht, denn Grindel machte sich und den Deutschen Fußball-Verband (DFB) durch Missgeschicke angreifbar. Bei dem Skandal um die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem umstrittenen türkischen Staatschef Erdogan vermisste man bei dem 57-Jährigen eine klare Linie und kritisierte, dass er Özil die Schuld am WM-Scheitern gab. Auch der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw stand man kritisch gegenüber. Als Löw die Nationalspieler Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng unerwartet und abrupt ausmusterte, wirkte Grindel alles andere als souverän. Das abgebrochene Interview mit der “Deutschen Welle” kam ihm auch nicht zugute.

Das Genick brachen ihm jedoch die Vorwürfe vom SPIEGEL. Er hätte Zusatzeinkünfte von über 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien GmbH zwischen 2016 und 2017 nicht öffentlich gemacht. Als am Montag die BILD berichtete, Grindel hätte vom Fußball-Oligarchen Grigori Surkis eine Luxus-Uhr als Geschenk angenommen, die einen Wert von 6.000 Euro haben soll, verlor Grindel wohl jeglichen Rückhalt im Verband. Surkis war zwölf Jahre lang Präsident des ukrainischen Fußball-Verbandes, organisierte die EM 2012 und gehörte bis Februar 2019 wie Grindel der UEFA-Exekutive an.

Nun muss beim DFB aufgeräumt werden … Wen könnt Ihr Euch als seinen Nachfolger vorstellen? Es wird schon fleißig im Netz spekuliert – von Lahm über Bierhoff bis hin zu Metzelder.

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