Am Samstag bekommt es der TSV 1860 München mit dem FC Hansa Rostock im Ostseestadion zu tun. Mit einem Gegner, der den Erfolg zuletzt gepachtet hatte. Denn obwohl Hansa Rostock schwach in die Saison gestartet war, sind sie mittlerweile seit sieben Spielen ungeschlagen.

Mannschaft als geschlossene Einheit

Von Wehen Wiesbaden holte man den Schlussmann Markus Kolke, der mittlerweile eine starke Saison spielt und sich zu einem der besten Torhüter der 3. Liga entwickelte. Im letzten Spiel in Magdeburg gewannen die Hanseaten (1:0) nur wegen Kolkes zahlreichen Paraden. Ihm war es zu verdanken, dass die Rostocker nicht in Rückstand gerieten beziehungsweise später nicht den Ausgleich kassierten. Der 29-Jährige überzeugt durch seine Erfahrung von mehr als 200 Drittliga-Spielen und verleiht Rostocks Abwehr damit die zusätzliche Sicherheit. Apropos Abwehr – sie ist ein weiterer Grund dafür, dass die Hanseaten diese positive Entwicklung erfahren haben. Während sie in den ersten sechs Spielen noch neun Gegentreffer kassiert haben, wurde Rostocks Verteidigung in den sechs anschließenden Spielen nur noch viermal überwunden. 13 Gegentreffer sind es insgesamt, wodurch man der Abwehr ein Zertifikat als die drittbeste Defensive der Liga ausstellen kann. Nur Spitzenreiter Hallescher FC (10 Gegentoren) und Magdeburg (11) haben eine bessere Bilanz.

Doch auch die besten Abwehrspieler gewinnen keine Spiele und so braucht es zum Erfolg auch mindestens einen Knipser. Dafür haben sie Pascal Breier, der bereits sieben Mal traf und zwei weitere Treffer vorbereitete – damit fehlt ihm gerade Mal ein Assist, um die Bilanz der gesamten letzten Saison zu erreichen. Diese Leistungssteigerung hat Breier wohl dem Chef-Trainer Jens Härtel zu verdanken, der ihn von der Außenbahn ins Sturmzentrum versetzte und ihn somit zum Goalgetter machte. Aber auch hier heißt es „eine Schwalbe macht keinen Sommer“… Im Laufe der Saison gab es eine deutliche Entwicklung der Neuzugänge zu verzeichnen. Am Besten war dies beim Sieg in Magdeburg zu beobachten, als neben Markus Kolke sechs weitere Sommer-Neuzugänge in der Startelf standen. Dabei erzielte der von Greuther Fürth kommende Nik Omladic sein erstes Saisontor und sorgte somit auch für den Sieg der Rostocker. Aaron Opoku (HSV) bereitete diesen Treffer vor, womit er seine Bilanz verbesserte und nun aus zehn Spielen drei Tore und zwei Assists auf sein Konto gutschrieb. Dies zeigt deutlich, dass die Neuzugänge nun im Team vollständig integriert sind und die Mannschaft eine geschlossene Einheit bildet.

Wenn man vom Kader spricht, kommt man natürlich an den Ex-Löwen Kai Bülow und Korbinian Vollmann nicht vorbei und dies nicht nur, weil sie eine weiß-blaue Vergangenheit haben. Beide sind fester Bestandteil der Mannschaft, auf die Härtel nicht verzichten will. Während Bülow im defensivem Mittelfeld vor der Abwehrkette für mehr Sicherheit sorgt, wirbelt der Neuzugang Vollmann (SV Sandhausen) meistens im offensiven Mittelfeld und sorgt für die richtigen Impulse (10 Spiele, 1 Tor, 1 Assist). Was also den nächsten Gegner der Löwen auszeichnet, ist eine funktionierende Defensive, ein agiles Mittelfeld und ein Sturm, der in den letzten Spielen immer mindestens einmal eingenetzt hat.

Nichts spricht für Sechzig

Eine Spielprognose wage ich an dieser Stelle nicht aufzustellen. Wer nämlich in unser Tippspiel reinschaut, wird mich auf dem 85. Rang finden und erkennen, dass dies nicht meine Stärke ist. Das überlasse ich lieber euch im Anschluss. Doch eins ist deutlich geworden – mit halbscharigen unmotivierten Fußball kommt man gegen Rostock im Moment nicht weit. Wenn Magdeburger, die Kolkes Tor anrannten, keinen Treffer landen konnten, dann wird es für die momentan nicht durchsetzungskräftigen Löwen schwer. Dass dabei Daniel Bierofka nicht auf jeden Löwen, den er gegebenenfalls gerne einsetzen wollte, zählen kann, macht die Lage nicht einfacher. Die Hoffnung, dass Efkan Bekiroglu in Rostock spielen könnte, hat sich nun zerschlagen. Auf Kapitän Felix Weber muss der Trainer wegen der Spielsperre nach der Gelb-Roten Karte aus der Partie gegen den KFC Uerdingen auch verzichten. Seit 2010 gelang dem TSV 1860 München kein Sieg gegen den „Seemannsklub“ und auswärts holte man in dieser Spielzeit nur drei Zähler… Nichts, aber auch gar nicht spricht für die Löwen – aber wer weiß, Todgeweihte leben länger und vielleicht ist Samstag ein guter Tag für eine Überraschung.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
anteater
Leser

Die Anfahrt wird ein Spaß heute, da die A24 auf dem Weg dorthin gesperrt ist.

Danke auch an die KGaA dafür, dass die Anreisehinweise wieder so kurzfristig bereitgestellt wurden. So hat man natürlich keine Zeit mehr für anständige Planung.

Serkan
Leser

Danke für die Gegnervorstellung. Im Gegensatz zu den meisten hier, traue ich der Mannschaft in Rostock schon etwas zu. Hansa hält die Löwen aufgrund des Saisonverlaufs und ihrer Auftritte nicht ganz zu unrecht für leichte Beute. Sechzig will beweisen, dass es mehr kann. Berzel und Erdmann als Innenverteidiger haben beide Schwächen das Spiel zu eröffnen. Bin gespannt was Bierofka als Lösung einfällt. Keine Lösung ist für mich, zu warten, bis Wein oder Rieder auf der Doppelsechs zurückgelaufen sind und den Ball in der Innenverteidigung abholen. Dann hat sich der Gegner längst wieder formiert. Außerdem weiß man aus Erfahrung: wenn keiner einen Pfifferling auf Sechzig gibt, sorgen sie für eine Überraschung. Wenn ein Sieg erwartet wird, schaffen sie es nicht.

Snoopy.
Leser

Ich würde der Mannschaft auch mehr zutrauen. Da ist aber halt noch ein Trainer.

Banana Joe
Leser

Quote 1,80 auf Rostock… das ist wie Geld auf der Straße finden. Sorry Biero, aber ich traue dir und derMannschaft auch in Rostock NICHTS zu.

anteater
Leser

Meine 50 Cents setze ich trotzdem auf uns. Gegen uns kann ich ja im Tippspiel wetten.

Snoopy.
Leser

Irgendwie wundert es nicht, wenn „nur“ 600 quer durch ganz Deutschland bis Rostock fahren, wenn man sich das so durchliest. Seit 9 Jahren keinen Sieg und unsere Auswärtsschwäche spricht jetzt zusammen mit den spielerischen Leistungen der letzten Monate auch nicht gerade für eine mögliche Überraschung an der Ostsee.

Sowohl der Trainer wie auch die Mannschaft bräuchten schon einen sehr guten Tag, um dort wenigstens einen Punkt zu holen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch wenn der Glauben daran bei mir eher nicht vorhanden ist.

Die nächsten Wochen bis zur Winterpause könnten noch richtig heiße werden, sowohl auf dem Spielfeld mit Blick auf die Tabelle wie auch vereinspolitisch mit Blick auf das Jahresende, der Transferperiode und Investor. Und auch der Trainer wird kritisch im Blickfeld bleiben. Zumindest bei den Fans.

blau91
Redakteur

Danke Tami, für diesen sensationellen Bericht. Es wird schwer an der Ostsee, und wir sind Auswärts eine Katastrophe. Zeit, dass sich etwas ändert. Die Hoffnung stirbt zuletzt.