Dem TSV 1860 München stehen drei Auswärtspartien bevor. Den Anfang der Rundreise durch Fußballdeutschland macht der MSV Duisburg. Die Zebras sind Gastgeber der Löwen am bevorstehenden 27. Spieltag der Drittliga-Saison 2020/21. Im fernen Meiderich trifft der Vierzehnte auf den derzeit Sechsten der Tabelle.

Zartes Pflänzchen Aufwärtstrend

Während die Löwen nach einer kurzen Durststrecke mit dem Sieg gegen die SpVgg Unterhaching wieder den Kopf angehoben haben und hungrig Richtung Tabellen-Oberhaus blicken, haben es die Zebras nach einem bisher äußerst dürftigen Saisonverlauf gerade einmal geschafft, über den Strich aus dem Abstiegssumpf zu klettern. Wer erinnert sich nicht an die Heimniederlage im Hinspiel? Mit 2:0 haben die Duisburger am 31.10.2020 alle drei Punkte aus dem Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße entführt, um sich anschließend mit hochgezogenen Augenbrauen, Achselzucken und einem ungläubigen Grinsen im Gesicht schnellst möglich wieder aus dem Staub zu machen. Wie ein Teenager-Pärchen, das nach dem ersten Besuch im Reisebüro nicht fassen konnte, welches Schnäppchen sie gerade gemacht haben. Allein dieses Spiel sollte für die Truppe von Michael Köllner Grund genug sein, um alles dafür zu tun, beim Meidericher SV die volle Punktzahl zu erreichen. Seit dem 31.10.2020 ist beim MSV Duisburg aber einiges passiert. Vor allem an der Seitenlinie. Stand im Hinspiel noch Torsten Lieberknecht an der Seitenlinie, ist es nun der erfahrene Pavel Dotchev, der die Zebras auf den Grünen Rasen führt. Der 55-jährige Deutsch-Bulgare kam in der Winterpause vom Liga-Konkurrenten Viktoria Köln und löste den zwischenzeitlich glücklosen Gino Lettieri als Fußballlehrer an der Seitenlinie ab. Mit Dotchev scheint der Glaube der Mannschaft, Spiele gewinnen zu können, wieder zurückgekehrt zu sein. In seinen ersten beiden Partien holten die Zebras zwei Siege gegen Unterhaching und den KFC. Mit dem Rückenwind von drei Siegen hintereinander gingen die Dotchev-Schützlinge unter der Woche in die Nachholpartie gegen den 1. FC Saarbrücken. Die Saarländer zeigten den Zebras aber mit 4:1 überdeutlich deren Grenzen auf. Nichts desto trotz. Seit Dotchev an der Seitenlinie steht, geht es bei den Meiderichern zumindest gefühlt wieder aufwärts.

Sorgenkind Defensive

Mitverantwortlich für dieses zarte Pflänzchen Aufwärtstrend bei den Duisburgern ist sicherlich der neue Mittelstürmer Aziz Bouhaddouz. Der 33-jährige Marokkaner kam in der Winterpause vom SV Sandhausen, wo er nur sporadisch für Kurzeinsätze auf das Feld geschickt wurde. Bouhaddouz soll den verletzten Top-Scorer (7 Tore/4 Vorlagen) Vincent Vermeij in der Sturmspitze der Zebras ersetzen. Mit einem Tor und einem Assist ist dies dem Marokkaner in seinen ersten beiden Partien für den neuen Klub auch schon gut gelungen. Im Nachholspiel unter der Woche gegen den 1. FC Saarbrücken ging er allerdings leer aus. Den einzigen Treffer in diesem Spiel für die Zebras steuerte Moritz Stoppelkamp bei. Der ehemalige Löwenspieler ist gemeinsam mit Ahmet Engin, hinter Vincent Vermeij, der torgefährlichste Spieler bei unserem nächsten Gastgeber. Über die Flügel sorgen beide Spieler für ständige Gefahr im Angriffsspiel der Zebras. 32 erzielte Treffer sind dabei nicht der schlechteste Wert in der Liga. Zum Vergleich, der FC Ingolstadt 04 hat auf Platz 2 liegend, bis dato 35-mal ins Tornetz des Gegners getroffen. Die Schwäche unseres Gastgebers liegt damit eindeutig in der Defensive, die bis dato 44 Treffer des Gegners zugelassen hat. Kein anderes Team der Liga hat mehr Tore kassiert als der MSV Duisburg. Insoweit dürfte Pavel Dotchev seit seinem Amtsantritt das Abwehrverhalten seiner Mannschaft als Sorgenkind ausgemacht haben.

Sorgenfrei in den Ruhrpott

Sorgen, die sich Michael Köllner nicht zu machen braucht. Mit nur 24 Gegentreffern stellt der TSV 1860 München die Mannschaft mit der zweitbesten Abwehr in der Liga. 46 geschossene Tore machen die Löwen zudem zum Liga-Primus in Puncto Torgefahr. Die Sechzger können also mit breiter Brust die Auswärtsfahrt in den Ruhrpott angehen. Die Liga befindet sich in der entscheidenden Phase. Wer sich um die Aufstiegsplätze am Saisonende bewerben will, der muss jetzt punkten. Die Löwen “müssen” sicherlich nicht in dieser Saison aufsteigen. Es gilt aber den positiv eingeschlagenen Weg weiterzugehen und die Weiterentwicklung der Mannschaft voranzutreiben. Dazu gehört auch Konstanz und Stabilität, welche die Löwen in der Vergangenheit ein ums andere Mal vermissen ließen. Eine Serie in den kommenden drei Auswärtsspielen, gegen allesamt machbare Gegner, muss das erklärte Etappenziel der Münchner sein. Um dies zu erreichen, darf sich Michael Köllner in Puncto Aufstellung aber wieder etwas einfallen lassen. In der Abwehrreihe kann er dabei wieder auf Marius Willsch und Stephan Salger zurückgreifen. Beide haben ihre Karten-Sperre abgesessen. Für Daniel Wein, der sich beim Aufwärmen vor der Partie gegen Unterhaching an den Adduktoren gezerrt hat, kommt das Duisburg-Spiel allerdings noch zu früh. Quirin Moll ist weiterhin langzeitverletzt und ebenfalls nicht zur Verfügung steht diesmal unser Gelb-gesperrter Mittelfeldmotor Richard Neudecker. Der am Anfang der Saison noch vielfach gescholtene Kader der Löwen ist aber groß genug, um die bestehenden Lücken zu schließen. Auch die Qualität auf der Ersatzbank scheint zu stimmen. Bestes Beispiel dafür war das Startelf-Debüt von Niklas Lang, für den gesperrten Willsch, am vergangenen Spieltag. Insoweit braucht sich Michael Köllner über seinen Personalstab keine Sorgen zu machen.

Ihr seid gefragt

Welchen Löwen würdet Ihr gegen die Zebras auf die grüne Wiese schicken? Ist Keanu Staude schon einer für die Startelf? Wer soll auf der Sechser-Position vor der Abwehr staubsaugen und die richtigen Ideen in der Spieleröffnung geben? Wer soll Richard Neudecker im zentralen Mittelfeld ersetzen? Mit welchem Spielsystem sollen die Löwen die nicht immer sattelfeste Abwehr der Meidericher knacken? Und warum sollten die Löwen keine Serie starten und aus den kommenden drei Auswärtspartien die vollen Punkte erobern?

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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