Nach der gleichermaßen bitteren, wie unnötigen Heimniederlage gegen den MSV Duisburg trifft der TSV 1860 am morgigen Samstag an gleicher Stelle auf den Halleschen FC. Die Saalestädter stehen derzeit auf einer von Spielausfällen verzerrten Ligatabelle mit neun Punkten aus sechs Spielen auf dem 14. Rang. Nachdem die Partie am 5. Spieltag gegen den MSV Duisburg wegen positiven Testergebnissen bei den Zebras abgesagt werden musste (Nachholtermin am 17.11.2020), hatte der HFC auch am vergangenen Spieltag frei. Grund waren ebenfalls positive Corona-Tests bei der gegnerischen Mannschaft aus Unterhaching.

Ausgeruht und voller Tatendrang an die Isar

Die Kicker von Trainer Florian Schnorrenberg kommen damit ausgeruht an die Isar. Auch wenn die Saalestädter in zwei noch ausstehenden Partien theoretisch sechs Punkte holen und damit in der aktuellen Tabelle vor den Löwen stehen könnten, wird Florian Schnorrenberg mit dem Saisonstart seiner Kicker nicht ganz zufrieden sein. Dabei ist der Einstieg in die Liga mit einem Auftaktsieg beim 1. FC Magdeburg (2:0) durchaus verheißungsvoll verlaufen. Drei Niederlagen in Folge dämpften jedoch die Erwartungen. Die Pause am 5. Spieltag schien den Hallensern aber in die Karten zu spielen. Ein 4:1 im Heimspiel gegen den SV Meppen und ein umkämpfter Auswärtssieg in Lübeck (3:2) sind Indiz dafür, dass sich die Truppe von Florian Schnorrenberg gefangen hat und im Ligabetrieb 2020/21 angekommen ist. Der erneute Spielausfall am vergangenen Wochenende wird den HFC dabei kaum aus dem Rhythmus gebracht haben. Florian Schnorrenberg wird die vergangenen Heimniederlagen der Münchner Löwen gegen den 1. FC Saarbrücken und die Zebras aus Duisburg analysiert haben und sich ebenfalls einiges ausrechnen. Motivation und Tatendrang sind groß beim Halleschen FC.

Neuformierte Mannschaft mit Verletzungssorgen

Vor der aktuellen Saison musste der HFC wichtige Stammspieler wie Pascal Sohm (Mittelstürmer), Bentley Baxter Bahn (zentrales Mittelfeld) und Sebastian Mai (Innenverteidiger) ziehen lassen. Die 12 Tore und 7 Vorlagen eines Pascal Sohm soll Michael Eberwein kompensieren. Der bei den Roten ausgebildete Mittelstürmer sammelte bei Fortuna Köln bereits Erfahrungen in der Dritten Liga, ehe es ihn an die Nordsee zu Holstein Kiel zog. Nach einem kurzen Intermezzo in der Zweiten Liga, in der er es nur auf 26 Spielminuten brachte, ist der Oberbayer aus Dellnhausen wieder in Liga Drei gelandet. War Eberwein in den drei Spielen noch in der Anfangsformation zu finden, schickte ihn Schnorrenberg in den vergangenen drei Partien nur noch als Joker von der Bank aus aufs Feld. Für die neuformierte Abwehrreihe wurden unter anderem Lukas Boeder (MSV Duisburg), Jannes Vollert (SV Werder Bremen) und Sören Reddemann (Chemnitzer FC) verpflichtet. Die zweifelsohne große Lücke im zentralen Mittelfeld des unermüdlichen Bentley Baxter Bahn soll Marcel Titsch Rivero schließen. Der in der Jugend der Eintracht ausgebildete Frankfurter kommt vom Zweitligaabsteiger Wehen Wiesbaden. Nach Anfangsschwierigkeiten scheint sich der Linksfuß in der Startformation der Hallenser etabliert zu haben. Gleiches gilt für die Neuzugänge Jannes Vollert und Sören Reddemann, die beide fester Bestandteil der Viererabwehrkette bei den Saalestädtern sind. Die Neuzugänge Julian-Maurice Derstroff (Jahn Regensburg) und Laurenz Dehl (Union Berlin) haben in der Offensive der Hallenser auch schon Duftmarken gesetzt. Beide haben bereits zweimal getroffen und einmal zum Torerfolg aufgelegt. Anders sieht die Position des Stammtorwarts Kai Eisele aus, den der Trainer in den letzen beiden erfolgreich gestalteten Spielen auf die Bank gesetzt hatte. Insoweit dürfte es dem Keeper schwerfallen, sich nicht als Sündenbock für drei Niederlagen in Folge zu fühlen. An seiner statt setzt der Trainer derzeit auf Neuzugang Sven Müller vom KSC. Von den etablierten Kräften stehen den Hallensern derzeit nur der Kapitän Jonas Nietfeld (zentrales Mittelfeld) und Terrence Boyd (Mittelstürmer) zur Verfügung. Identifikationsfigur und hallensisches Urgestein Toni Lindenhahn (offensives Mittelfeld) laboriert derzeit an einem Muskelfaserriss. Verletzungsbedingt verzichten müssen die Saalestädter auch auf den angestammten Außenverteidiger Niklas Landgraf sowie auf Neuzugang Lukas Boeder in der Innenverteidigung. Ebenfalls nicht zur Verfügung steht im defensiven Mittelfeld Antonios Papadopoulos, der wegen Unsportlichkeit im letzten Spiel die gelb-rote Karte unter die Nase gehalten bekommen hat.

Zurück zu alter Heimstärke?

Für Trainer Florian Schnorrenberg sicherlich eine Herausforderung, die Ausfälle im Spiel gegen die Löwen zu kompensieren. Letztendlich wird er aber auch auf Giesings Höhen auf sein bewährtes Spielsystem mit einer Doppelsechs vor der Vierer-Kette, drei Mann im Mittelfeld und einer Sturmspitze Namens Terrence Boyd zurückgreifen. Michael Köllner weiß was ihn mit dem Halleschen FC am Samstag erwarten wird. Was aber können wir von unseren Löwen erwarten? Am vergangenen Samstag mussten wir zusehen, wie eine an sich überlegene Heimmannschaft drei Punkte an einen harmlosen Gegner verschenkte. Knackpunkt des Spiels war das 0:1, bei dem sich Keeper Marco Hiller und Dennis Dressel ohne Einwirkung des Gegners bei der Klärung eines hohen Balls im Strafraum selbst im Weg standen. Am Ende fehlten den Löwen sowohl die Mittel als auch der Glaube, das Spiel zu drehen. Am morgigen Samstag hat die Köllner-Truppe die Gelegenheit zu beweisen, dass die unglücklichen Niederlagen gegen Saarbrücken und Duisburg auf heimischem Geläuf nur Ausrutscher waren. Gegen Halle gilt es für die Löwen, zur alten Heimstärke zurückzukehren. Dabei mithelfen kann Marius Willsch derzeit nicht. Den unermüdlichen Antreiber auf der rechten Außenbahn plagen derzeit muskuläre Probleme. Angeschlagen ist wohl auch Daniel Wein, der unter der Woche wegen einem dicken Knie zeitweise pausieren musste. Die Aufstellung der Münchner Löwen gegen den Halleschen FC am morgigen Samstag dürfte generell mit Spannung erwartet werden. Der Abnutzungskampf gegen Duisburg hat nur all zu deutlich gezeigt, dass den Löwen im letzten Drittel auch die notwendigen Körner fehlten. Nicht wenige unter den Fans sind der Meinung, dass Sascha Mölders einmal eine schöpferische Pause bekommen sollte. Ist Stefan Lex wieder fit? Bekommt Martin Pusic eine weitere Chance, sich von Anfang an zu beweisen? Wer ersetzt Marius Willsch auf der rechten Außenbahn? Wird Dennis Erdmann für den angeschlagenen Daniel Wein wieder von der Kette gelassen? Wir dürfen gespannt sein.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Snoopy.
Leser
Snoopy. (@snoopy)
26 Tage her

Ist die Frage, ob eine Mannschaft, die regelmäßig spielt, besser spielt als eine, die sozusagen aus dem Urlaub kommt und tagelang „nur“ Training hatte. Wobei die Pause seit dem letzten Auftritt der Löwen lang genug war.

Wie  Tami Tes bin ich auch gespannt, wenn Köllner auf die Wiese stellt. Und ob die Mannschaft aus ihrer doch sehr vorzeigbaren Spieldominanz etwas mehr kapital schlagen kann als 1 Tor gegen Saarbrücken oder 0 Tore gegen Duisburg. Wenn man oben mit dabei sein möchte, sollte man zumindest bei den (trostlosen weil ohne Publikum) stattfindenden Heimspielen punkten, wenn möglich dreifach.

Allerdings darf man in der heutigen Zeit froh sein, wenn die eigene Mannschaft überhaupt spielt und nicht wegen dieses Virus zum zuschauen verdammt ist. Da gehört von allen doch auch eine gewisse Disziplin dazu.

Ich könnte jetzt schreiben, dass ich hoffe, dass die Mannschaft zu Hause entsprechend auftritt, eine Reaktion nach Duisburg zeigt. Das wird sie, das hat sie ausnahmslos in dieser Saison immer gemacht. Nur mit dem „Ball ins Tor“ ist das doch das eine oder andere mal so eine Sache, gerade im Heimatstadion. Das sollte besser werden, gerade wenn man entsprechend auftritt, entsprechende Dominanz hat. 3 Punkte würden uns am Samstag schon gut stehen und ein lächeln in diese düstere Zeit zaubern.

Tami Tes
Tami Tes (@tamites)
26 Tage her
Reply to  Snoopy.

 Snoopy. was glaubst Du ist der Grund, dass sie zu Hause schwächer sind, als in der Fremde? Kann es daran liegen, dass ihnen Geisterspiele doch nicht passen? Auswärts waren bis dato immer Zuschauer dabei und auch wenn sie keine eigene Fans hatten, vielleicht ist es tatsächlich ein etwas anderer Ansporn, wenn Reaktionen von den Rängen kommen?
Ist spekulativ, aber letzte Saison waren wir daheim gut (wenn ich mich richtig erinnere) und jetzt schwächeln sie genau dort.

Snoopy.
Leser
Snoopy. (@snoopy)
26 Tage her
Reply to  Tami Tes

Ich sehe das ein wenig anders. Wir sind nicht schwächer als in der Fremde. Zuschauer hin oder her. Wir spielen zu Hause einen super Ball, meist dominant. Wie gegen Saarbrücken. 70, 80 Minuten lang, genauso auch gegen Duisburg, Magedburg, auch dort haben wir das Spiel bestimmt. Nur den Ball nicht ins Tor gebracht. Ob das daran lag, dass keine Zuschauer im Stadion waren? Gegen Lübeck haben wir es 4 Mal geschaft, gegen Magdeburg 1 Mal. Saarbrücken auch 1 Tor, Elfmeter. Auch im DFB oder Toto waren wir zu Hause keine schlechte Mannschaft, im Gegenteil.

Unser Problem zu Hause sehe ich beim Gegner. Magdeburg, Saarbrücken und auch Duisburg haben sich hinten eingeigelt, spielten mit zwei engen Abwehrreihen vor dem Tor. Und wir hatten hierfür keine Mittel gefunden. Gegen Saarbrücken noch am ehesten, aber die hattten diese Krake im Tor. Die wenigen Chancen, die wir gegen solche Mannschaften hatten, können wir nur bedingt verwerten. Ich glaube deshalb nicht, dass man die Chancen besser verwerten würde, wenn Zuschauer im Stadion sind. Und auch nicht, dass man durch die Zuschauer keinen Gegentreffer bekommt. Natürlich gibt es einen Pusch, wenn 15.000 sich die Lunge rausschreien, dass bringt dich natürlich noch mal dazu, alles zu geben.

Darum: die Dominanz sollte auch mal entsprechend belohnt werden, auch wenn der Gegner tief steht. Und ich gehe ja mal davon aus, Halle wird das nicht anders machen als Saarbrücken, Duisburg, Magedburg. Lübeck stand nicht ganz so tief hinten und haben 4mal einen reinbekommen. Auswärts will der Gegner (auch die Zuschauer, falls vorhanden) das Spiel machen, voran gehen. Da tun wir uns dann wesentlich leichter, als wenn sich unsere Gäste verbarrikadiren und Kraken im Tor haben.

Tami Tes
Tami Tes (@tamites)
26 Tage her
Reply to  Snoopy.

Stimmt. Das ist mir bei Saarbrücken auch aufgefallen. Sobald der Gegner sich hinten einmauert und nur auf Konter wartet, wird es für die Löwen schwer. War eben bei Duisburg auch so. Tja, das werden die anderen Trainer auch gemerkt haben. 🤔

Snoopy.
Leser
Snoopy. (@snoopy)
25 Tage her
Reply to  Tami Tes

Halle steht nicht hinten drin, spielt mit.
Und hat jetzt drei Mal Dressel und einmal Mölders abbekommen. Bis jetzt.
😉

Tami Tes
Tami Tes (@tamites)
26 Tage her

Auf die Aufstellung bin ich auch sehr gespannt. Vielleicht bekommt ein Junglöwe nun die Chance in der Startelf zu spielen? Erdmann ist die logische Wahl, wenn Wein nicht kann. Bin eher auf den Ersatz für Willsch gespannt.
Jedenfalls müssen wieder drei Punkte her. Ich finde es einfach schön da oben in der Tabelle 😉

Last edited 26 Tage her by Tami Tes
swaltl
Leser
swaltl (@swaltl)
26 Tage her
Reply to  Tami Tes

Da bin ich auch gespannt wer Willsch ersetzt. Agbowo hätte jetzt vielleicht eine Chance bekommen, aber der ist im letzten U21-Spiel vom Platz geflogen und dürfte daher morgen nicht spielberechtigt sein.
Ich persönlich würde am ehesten auf Klassen tippen. Wenn ich mich richtig erinnere hat Biero ihn bei Testspielen ein paar mal als rechten Verteidiger eingesetzt. Daher könnte das auch für Samstag eine Option sein.
Zur Not wäre es auch eine Option, mit drei Innenverteidigern und Steinhart und Neudecker oder Dressel als sehr offensive Verteidiger.

Wirklich überzeugend ist keine Option. Da sieht man, dass Willsch mittlerweile neben Hiller und Mölders zu den Spielern zählt, die für uns sehr schwer zu ersetzen sind. Das hätte man noch zu Beginn der letzten Saison auch nicht gedacht, dass Willsch mal als rechter Verteidiger einer der wichtigsten Spieler wird. 😅