Mit dem Spiel in Köln, der dritten Niederlage in den vergangenen vier Partien, ist nun endgültig die Tristesse der leeren Stadien von den Rängen zu den Löwen auf den Rasen gekrochen. Auch wenn so mancher Optimist den Rechenschieber bemüht und einen immer noch möglichen Aufstieg in die Zweite Liga beschwört, der TSV 1860 München hat es nicht verstanden, die anfänglich durch den Heimsieg gegen den Spitzenreiter aus Duisburg entfachte Euphorie für sich zu nutzen. Während den Löwen Tugenden, wie Kampfgeist und Wille nicht gänzlich abzusprechen sind, fehlt es an Spielkultur und den notwendigen Mitteln, um Chancen zu kreieren. Im Gegenzug scheinen aber eben diese Tugenden aktuell auszureichen, um die Mannschaft von Michael Köllner in die Knie zu zwingen. Anders ist die Niederlage am vergangenen Dienstag gegen die zweitschlechteste Abwehr der Liga nicht zu erklären. Mit dem Halleschen FC kommt am 34. Spieltag die nächste Mannschaft ins gähnend leere Grünwalder Stadion, die sich derzeit ebenfalls mit den benannten Tugenden gegen den drohenden Abstieg stemmt.

Talsohle überwunden?

Quelle: Transfermarkt.de

Mit nur 40 Punkten auf dem Konto stehen die Saale-Städter nur knapp über dem Strich. Dabei machten sich die Hallenser bis zum 17. Spieltag auf Tabellenplatz zwei liegend noch Hoffnungen auf einen Aufstieg. Der weitere Saisonverlauf liest sich allerdings wie ein Börsencrash. Auf dem Weg nach unten musste Cheftrainer Torsten Ziegner unmittelbar nach dem 25. Spieltag seinen Hut nehmen und den Trainerstab an Ismail Atalan übergeben. An diesem Stab schien aber das sprichwörtliche Pech zu kleben. Unter Atalan holte die Mannschaft an den fünf darauffolgenden Spieltagen nur einen mikrigen Punkt. Letztendlich haben drei aufeinanderfolgende Niederlagen seit dem Re-Start auch Trainer Atalan das Genick gebrochen. Um dem Abstiegsstrudel zu entgehen zogen die Verantwortlichen des Halleschen FC am 30. Spieltag wiederum die Reißleine. Der aus der Saison 2018/19 als Trainer von Sonnenhof Großaspach bekannte Trainer Florian Schnorrenberg sollte die Saison für die Saale-Städter retten. Und genau das scheint dem 43-jährigen Fußballehrer auch zu gelingen. Mit Siegen gegen Mannheim und Meppen und einem Unentschieden gegen Magdeburg kann seine erst drei Spieltage alte Bilanz durchaus beeindrucken. Lässt man die letzten drei Minuten in der Partie am vergangenen Spieltag gegen Magdeburg weg, wäre seine weiße Weste noch gänzlich unbefleckt. Trotz Unterzahl gelang der vom neuen Mann an der Seitenlinie wach geküssten Mannschaft die Führung, die erst in der Nachspielzeit durch einen späten Treffer der Magdeburger wieder aus der Hand gegeben werden musste. Mit den Erfolgen der vergangenen drei Spieltage scheint der Hallesche FC die Talsohle durchschritten zu haben.

Mit Glauben, Willen und Kampfgeist von der Saale an die Isar

Am kommenden Sonntag werden die Rot-Weißen versuchen, diesen Schwung auch nach München mitzunehmen und alles in die Waagschale werfen, um erneut zu punkten. Die Löwen dürfen also gewarnt sein. Besonderes Augenmerk sollte die Innenverteidigung dabei auf den Mittelstürmer des Halleschen FC Terence Boyd legen. Der US-Amerikaner hat, seit Florian Schnorrenberg das Zepter schwingt, seine zehn Spieltage andauernde Ladehemmung abgelegt. In den vergangenen drei Partien traf er zweimal und legte ebenso oft zum Torerfolg auf. Mit insgesamt 12 Treffern und 10 Torvorlagen führt der US-Boy zudem die interne Scorer-Tabelle an. In München wird der 1,88 m große Rechtsfuß auf die Unterstützung seines Sturmkollegen Pascal Sohm aller Voraussicht nach verzichten müssen. Der Torschütze vom vergangenen Spieltag plagt sich derzeit mit Knieproblemen. Ebenso fehlen wird im defensiven Mittelfeld der Kapitän Jan Washausen. Der 31-jährige Routinier muss am kommenden Spieltag eine Gelb-Rot-Sperre aus dem Spiel gegen Magdeburg absitzen. Man darf gespannt sein, wen Trainer Schnorrenberg statt seines Kapitäns auf die Position des Staubsaugers vor der Abwehrreihe am Sonntag aufs Feld schicken wird. Die Ausfälle als Vorteil zu betrachten, diesen Fehler wird Michael Köllner auf Seiten des TSV nicht machen. Im Gegensatz zur Kölner Viktoria, befinden sich die Hallenser vor der Partie gegen die Löwen im Aufwind. Mit dem neuen Trainer Florian Schnorrenberg ist der Glaube an die eigene Stärke wieder zurückgekehrt. Mit dem Rücken zur Wand aber auch mit einer breiten Brust wird der Hallesche FC alles versuchen, den Löwen die nächste Niederlage beizubringen.

Löwen können befreit aufspielen?

Für den TSV 1860 München wird es am Sonntag ein Stück weit auch um Wiedergutmachung für die vergangenen schwachen Leistungen gehen. Trainer Michael Köllner kann weiterhin aus den Vollen schöpfen und hat diesmal auch vier volle Tage zwischen den Spieltagen Zeit, um seine Mannschaft entsprechend vorzubereiten und aus dem offensichtlichen mentalen Tief wieder herauszuholen. Leicht wird diese Aufgabe allerdings nicht sein. Wenn es mit dem Aufstieg schon nicht klappen sollte, dann können die im gesicherten Mittelfeld der Tabelle liegenden Löwen aber zumindest befreit aufspielen. Ist das so? Einige Spieler haben bereits bei einem anderen Verein unterschrieben, andere müssen sich Gedanken über die bis dato noch vertragslose Zeit nach dem 30.06. machen. Der sich an den vergangenen Spieltagen abgezeichnete Negativ-Trend kann sich auch schnell in eine Serie auswachsen, wenn man gegen Halle nicht die Kurve hinbekommt. Mit dem Glauben schwindet auch schnell die Kraft und mit dem Willen ist es dann auch nicht mehr weit her. Insofern geht es am Sonntag um sehr viel für die Mannschaft um Kapitän Sascha Mölders. Es gilt, einen an sich guten Saisonverlauf bis ins Ziel zu retten. Eine Niederlagenserie, wie sie Halle bis vor kurzem noch hingelegt hat, würde für Unruhe in Verein und Umfeld sorgen. Die Rufe nach mehr Unterstützung durch den Investor wären wieder lauter. Wenn die Löwen am Sonntag um 14:00 Uhr auf Giesings Höhen nicht ein völlig anderes Gesicht zeigen und den Halleschen FC niederringen, dann wird es in der verbleibenden Saison um nicht weniger als Schadensbegrenzung gehen. Mit dem FCB II, der Spielvereinigung Unterhaching und dem FC Ingolstadt 04 warten noch drei bayerische Mannschaften und damit prestigeträchtige Partien auf den TSV 1860 München. Wir wollen aber nicht schwarzmalen und hoffen am Sonntag auf mutige und kämpferische Löwen in weiß-blauen Dressen und den notwendigen Ideen auf dem Platz.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Snoopy.
Leser
Snoopy. (@snoopy)
15 Tage her

Mutige und kämpferische Löwen mit den notwendigen Ideen …   Zu Hause sollte man schon anders auftreten als beim letzten Spiel in Köln. Vor allem auf den letzten 25 Metern vor dem gegnerischen Tor. Der Rest stimmt ja einigermaßen, wenn man hinten links mal etwas ausblendet. Zu Null spielen wäre zwar schön, aber für mich ist das nicht so wichtig, ein Tor kannst du immer mal kassieren. Betonung liegt auf „ein“. Kann man auch auf den Gegner zuschreiben (ohne das „ein“, da darf ruhig „mehrfach“), wäre mal schön, wenn wir mal in Führung gehen und nicht wieder einem Tor nachrennen… Read more »

Chemieloewe
Leser
Chemieloewe (@chemieloewe)
15 Tage her
Reply to  Snoopy.

Ja, richtig gut beschrieben,  Snoopy. , da stimme ich Dir gern zu. Es wär aus meiner Sicht gut, wie es Andere an anderer Stelle schon erwähnt haben, wenn Spieler, die aus mir unbekannten Gründen unter MK kaum o. nicht zum Einsatz gekommen sind, gerade in der Coronazeit u. den stressigen engl. Wochen wieder spielen dürfen!? Die Liste ist lang. Gerade Weber, Greilinger, Kindsvater, Weeger, Karger, Belkahia, Klassen…könnten wieder mal mitspielen u. die eine o. andere Chance gebrauchen! Warum denn nicht, soviel schiefgehen kann ja nicht mehr, da die Abstiegsgefahr ja gebannt u. der Klassenerhalt gesichert ist.

Last edited 15 Tage her by Chemieloewe
Tami Tes
Redakteur
Tami Tes (@tamites)
15 Tage her
Reply to  Chemieloewe

Belkahia ist leider noch (oder wieder?) verletzt. Weber und Weeger werden keine Chance mehr von MK bekommen. Klassen und Karger würde ich auch öfters oder länger in den Spielen sehen wollen.
Was mit Kindsvater ist, frage ich mich auch die ganze Zeit. Wahrscheinlich haltet ihn MK nicht für drittligatauglich?!

Last edited 15 Tage her by Tami Tes
anteater
Leser
anteater (@anteater)
15 Tage her
Reply to  Tami Tes

Letzte Woche sagte Herr Köllner bezüglich Kindsvater, dass der gerade echt gut trainiert und es wegen der Anzahl der jungen Spieler nicht geklappt hat mit ihm im Kader. Zumindest hatte ich das so verstanden.

Aber klar ist, dass MK offenbar mehr in Karger sieht als in Kindsvater.

Tami Tes
Redakteur
Tami Tes (@tamites)
15 Tage her
Reply to  anteater

Danke… das ist mir entgangen.

Das mit der Anzahl der jungen Spieler verstehe ich aber nicht – ehrlich gesagt. Es gibt doch eine Mindestanzahl. Aber es verbietet doch keiner mehr junge Spieler mitzunehmen, oder? FCB hat doch lauter junge Spieler.
Also kann MK doch weitere mitnehmen, wenn sie sich im Training gut gezeigt haben?!?!

Siggi
Leser
Siggi (@gscheiderl)
15 Tage her
Reply to  Tami Tes

Kindsvater ist 27 Jahre alt. Für ihn müsste also einer der Älteren zuhause bleiben.

anteater
Leser
anteater (@anteater)
15 Tage her
Reply to  Siggi

Genau das ist das Problem. Wenn die Wahl zwischen Kindsvater und Karger ist, dann entscheidet sich der Trainer offenbar für Karger.

Tami Tes
Redakteur
Tami Tes (@tamites)
15 Tage her
Reply to  Siggi

Danke Siggi… dann ist er wohl in Köllners Augen nicht gut genug.

anteater
Leser
anteater (@anteater)
15 Tage her
Reply to  Tami Tes

Kindsvater sieht aus wie ein U23-Spieler, ist er aber nicht. Ich falle bei ihm da auch immer wieder drauf rein. 😉

Uraltloewe
Leser
Uraltloewe (@uraltloewe)
15 Tage her
Reply to  Tami Tes

Warum wird Weber keine Chance mehr bekommen? Ich hab die Frage schon öfter gestellt, es gibt aber niemand eine Antwort darauf. Gab’s da irgendwelche Zwischenfälle?

anteater
Leser
anteater (@anteater)
14 Tage her
Reply to  Uraltloewe

Vielleicht ist er dem Trainer in der Summe zu wenig. Tackling, Deckung, Kopfballspiel, Geschwindigkeit, Antizipation das dürften die Kernkompetenzen für einen Innenverteidiger sein und irgendwie haben die anderen da einfach die Nase vorn (in Summe, wie gesagt). Und Felix hat ja leider regelmäßig doch ziemlich eklatante Aussetzer gehabt. Konzentrationsschwäche sozusagen. Aber ich mutmaße hier völlig ins Blaue…

Uraltloewe
Leser
Uraltloewe (@uraltloewe)
14 Tage her
Reply to  anteater

Ich weiß nicht, ob der wirklich schwächer ist, als die anderen Protagonisten. Wenn ich sehe, wo und wie Erdmann manchmal rumspringt! Und selbst wenn der mal gesperrt ist, hat Weber keine Chance. Immerhin ist Felix noch Kapitän der Mannschaft, und den ignoriert man nicht einfach so.
Mir gefällt das nicht.

Tami Tes
Redakteur
Tami Tes (@tamites)
15 Tage her
Reply to  Snoopy.

Deine Analysen gefallen mir immer sehr gut… Du wärst prädestiniert dafür die Spielberichte bei uns zu schreiben. Bock? 😊😊

Uraltloewe
Leser
Uraltloewe (@uraltloewe)
16 Tage her

Schon allein der Vereinsfarben unseres Gegners wegen sollten dringend wieder einmal drei Punkte eingefahren werden, stehen doch die anderen Rot-weißen in der Tabelle vor uns, und sie werden uns dann bei den derzeit gezeigten Leistungen auch richtig abfieseln. 😁😁

Tami Tes
Redakteur
Tami Tes (@tamites)
16 Tage her
Reply to  Uraltloewe

Das befürchte ich auch… wir müssen raus aus der Liga, wo FCB auf Platz 1 steht.😐
Ich hoffe nur, dass der eine Tag mehr Pause was bringt und dann sind die nächsten zwei Spiele auch wieder in Giesing und die Löwen müssen nicht auf die Reise… vielleicht spart das Kräfte. Aber ich denke, das ist eher eine mentale Sache und die gehört es zu überwinden.
 
Ich lasse mich am Sonntag überraschen. Erwarte aber wirklich nicht viel. Schlielich ist Halle im Absteigskampf und das könnte dreckig werden.

jürgen (@jr1860)
Leser
jürgen (@jr1860) (@jr1860)
16 Tage her
Reply to  Tami Tes

Im Moment hilft uns eh nur ein dreckiger Sieg….

anteater
Leser
anteater (@anteater)
16 Tage her

„Während den Löwen Tugenden, wie Kampfgeist und Wille nicht gänzlich abzusprechen sind, fehlt es an Spielkultur und den notwendigen Mitteln, um Chancen zu kreieren.“   Eigentlich erstaunlich, wie weit wir wir lange damit gekommen sind. Ich denke schon, dass wir da künftig eine ausgewogenere Mannschaft sehen werden, die mehr Spielkultur mitbringt und sich nicht hauptsächlich auf laufen und kämpfen stützen muss.   „ein Stück weit auch um Wiedergutmachung“   Oh ja. Zuletzt traten wir dann doch zu limitiert auf. Da sollte dann doch mehr im Kader stecken. Den Leistungseinbruch auf auslaufende Verträge zu schieben, das fände ich dann doch eine… Read more »

Loewenaufsteiger
Leser
Loewenaufsteiger (@loewenaufsteiger)
16 Tage her
Reply to  anteater

Zu wünschen wäre es, wenn mal wieder eine richtige Reaktion kommt.   Ich glaube allerdings, dass in den verlorenen Spielen der letzten beiden Wochen schon ein wenig Psychologie steckt. Und dieses Quäntchen ist in der engen 3. Liga nun mal entscheidend ein Spiel zu verlieren oder eben nicht.   Dass es dem einen oder anderen Spieler durch den Kopf geht „was kommt, sollten wir tatsächlich aufsteigen?“ kann ich mir gut vorstellen. Das sind auch nur Menschen. Zudem die bestätigten Abgänge: Dann ist da ein Beki, der mit dem Herzen schon in der Türkei ist, ein Niemann, der an die 1.… Read more »

anteater
Leser
anteater (@anteater)
16 Tage her

Gerade bei Bekiroglu erkenne ich jetzt keinen Leistungseinbruch. Aber, klar, bei dem ein oder anderen wird da schon Psychologie dabei sein, nur warum sehen wir das nicht bei vielen anderen Klubs auch? Gut, Chemnitz bricht gerade komplett ein, böse Zungen (mein einer Nachbar) deuten an, dass Goalgetter Hosiner mit einem Abstieg wechseln könnte… Aber z.B. die hoffnungslosen Jenenser, ich sah ein paar Spiele von ihnen, die verkaufen sich echt gut inzwischen, obwohl da kaum einer bleiben wird.