Seit dem 14. Spieltag ist der TSV 1860 München mittlerweile ungeschlagen. Die Mannschaft um Löwen-Dompteur Michael Köllner ist gefestigt und vermittelt, nicht zuletzt mit dem furiosen Rückrundenstart am vergangenen Wochenende gegen den Tabellenvierten, den Eindruck, in dieser Saison noch einiges vor zu haben. Der Löwenfan genießt derzeit mit all seinen Sinnen. Was die Mannschaft da gegen die Eintracht aus Braunschweig auf den Platz gezaubert hat, war eine Augenweide. Das sieht nach Fußball aus. Die Spieler wissen, was sie auf dem Platz zu tun haben und vor allem, sie sind mit dieser Aufgabe nicht überfordert. Individuelle Fehler werden entweder erst gar nicht gemacht, oder aber durch das Kollektiv sofort wieder ausgebügelt. Jeder kämpft für Jeden. Es geht über die Außen, es geht durch die Mitte. Kurzpassspiel, oder ein langer Ball in die Spitze gehören ebenso zum Löwenrepertoire, wie einstudierte Finten nach einem Standard. Was Michael Köllner und seine Löwen dem weiß-blauen Anhang mittlerweile auf dem grünen Rasen servieren, macht unglaublich viel Spaß beim Zuschauen. Es ist eine Wohltat, dem immer wieder überragenden Support zuzuhören. Man spürt die positive Energie auf den Rängen. Die Vorfreude auf jeden einzelnen Spieltag ist groß.

Ausgliederung in Kapitalgesellschaft beschlossen

Am kommenden Sonntag wartet der FSV Zwickau in der 10.134 Zuschauer fassenden GGZ-Arena auf die Münchner Löwen. Der sächsische Verein betrachtet sich selbst als Herzensangelegenheit für seine Fangemeinde. Nicht zuletzt dieser Verpflichtung geschuldet, hat sich der Verein in der jüngsten Mitgliederversammlung dazu entschlossen, die 1. Mannschaft branchenüblich in eine Kapitalgesellschaft auszugliedern. Eine notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit der 378 anwesenden Mitglieder stimmte neben diesem Beschluss auch einer Veräußerung von Anteilen an externe Investoren zu. Diese sind bis dato zwar noch nicht gefunden, nach Aussage der Verantwortlichen befindet man sich aber bereits in aussichtsreichen Verhandlungen. Neben dem Kader soll das zu erwartende Kapital in den Bau eines neuen Trainingsplatzes investiert werden. Letztendlich hofft der Verein, dessen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit kürzlich erst im Rahmen eines Nachlizensierungsverfahren durch den DFB bescheinigt werden konnte, auf eine erfolgreiche Zukunft im Profifußball.

Positiver Start ins Fußballjahr 2020?

Aktuell befinden sich die Schwäne mit 27 Punkten auf Rang 13 der Tabelle. Sechs Punkte trennen die Sachsen von einem Abstiegsplatz. Mit 33 erzielten und 31 zugelassenen Treffern haben die Mannen um Trainer Joe Enochs fast exakt die gleiche Tordifferenz, wie die sechs Plätze besser positionierten Münchner Löwen aufweisen (33:30). Während der TSV 1860 München mit dem Schwung einer beachtlichen Serie ungeschlagener Spiele nach Sachsen reist, scheint der FSV immer wieder auf der Stelle zu treten. Eine stetige Entwicklung zum Positiven ist kaum erkennbar. Den Sachsen ist es bis dato in der laufenden Saison kein einziges Mal gelungen, zwei Spiele hintereinander zu gewinnen. Auf der anderen Seite sind die Schwäne ähnlich wie die Löwen nach der Winterpause gut aus den Startlöchern gekommen. Mit einem enorm wichtigen 2:1 konnten die Schützlinge von Joe Enochs den 1. FC Magdeburg in deren Heimarena niederringen und damit punktetechnisch zu den Elbestädtern aufschließen. Dieser zweifelsohne positive Start ins Fußballjahr 2020 wird aber durch den Ausfall von Topscorer Elias Huth etwas getrübt. Der seit Anfang der Saison vom 1. FC Kaiserslautern ausgeliehene Mittelstürmer brach sich während des Wintertrainingslagers in der Türkei den Mittelfuß. In den Spielen der Hinrunde erzielte der 1,85 m große Rechtsfuß acht Tore und legte ganze vier Mal zum Torerfolg auf. Insoweit ein herber Verlust für die Sachsen. Im Spiel gegen Magdeburg wurde der ausgefallene Mittelstürmer allerdings durch den 26-jährigen Gerrit Wegkamp ersetzt, welcher prompt den Siegtreffer in der 67. Spielminute erzielte.

Schwäne mit kompakter Spielweise

Letztendlich ist die mannschaftliche Geschlossenheit die absolute Stärke der Zwickauer. In einem kompakten 4-4-2 lässt man den Gegenspielern kaum Luft zum Atmen, während jeder für jeden bis zum Umfallen kämpft. Und genau diesem Umstand ist die Aussage von Michael Köllner in der PK nach dem vergangenen Spieltag geschuldet, nach der es in Zwickau ekelig bzw. schwierig zu spielen ist. Die Protagonisten auf Seiten der Sachsen sind neben Kapitän Johannes Brinkies (Torwart), die Routiniers Davy Frick (Innenverteidiger/29 Jahre), Christopher Hanke (Innenverteidiger/30), Julius Reinhardt (defensives Mittelfeld/31) und der mittlerweile 36-jährige Stoßstürmer Ronny König. Inwieweit der erst kürzlich aus der Regionalliga Bayern von der Reserve der SpVgg Greuther Fürth verpflichtete Mittelfeldmann Can Coskun (21) das Spiel der Schwäne voranbringen kann, wird man erst noch sehen. Die ersten Einsatzminuten durfte der bei Hansa Rostock in der Jugend ausgebildete Deutsch-Türke im rot weißen FSV-Trikot bereits am vergangenen Spieltag in Magdeburg ableisten. Ein besonderes Augenmerk sollten die Löwen allerdings auf Fabio Viteritti im offensiven Mittelfeld des kommenden Gegners haben. Der zu Saisonbeginn aus Cottbus verpflichtete Deutsch-Italiener ist Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Sachsen. Sechs eigene Treffer und fünf Torvorlagen sprechen eine deutliche Sprache.

Beide Fotos vom Auswärtsspiel in Zwickau aus der Saison 2018/19. Am Ende stand ein deprimierendes 5:2 an der Anzeigetafel.

Mit allen Sinnen genießen

Folgt man den Worten unseres Trainers, konzentrieren sich die Löwen aber in erster Linie auf das eigene Spiel. Und so muss das auch sein. Michael Köllner weiß genau, was im nächsten Auswärtsspiel auf seine Jungs zukommen wird. Es gilt einen Masterplan zu erarbeiten, der sich natürlich auch am Gegner orientiert. In erster Linie werden die Löwen aber ihr Spiel auch auswärts nach den eigenen Stärken ausrichten. Und genau dieser Mut, dieses Selbstverständnis ist die Basis des aktuellen Erfolgs, der aktuellen Euphorie. Wir dürfen gespannt sein, was Michael Köllner und seine Löwen uns am kommenden Sonntag servieren werden. Vergleichbar mit der Vorfreude auf den Sonntagsbraten, sehen wir schon die weiß-blauen Fahnen in der Kurve wehen, hören wir schon die Fangesänge unter dem Tribünendach aufs Spielfeld hallen, fühlen wir schon die Energie im Stadion. Als wäre die Küchentür schon einen Spalt weit auf. Riecht Ihr das? Man kann es fast schon schmecken.

Sonntag, 02.02.2020, 14:00 Uhr, Stadionallee 1, 08066 Zwickau. Es wird gleich angerichtet. Hände waschen und auf geht’s. Es wird noch Tickets an der Tageskasse geben.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
jürgen (@jr1860)
Leser

Danke für die tolle Einstimmung 😎
Viel Spaß und viel Erfolg für Alle, die hinfahren

Wir werden uns das wie immer im Giasinger anschauen, vielleicht mit nem guten Braten 😎, zumindest virtuell…

Auf geht’s Löwen, kämpfen und siegen!

anteater
Leser

Danke für den ausführlichen Vorbericht. Hoffentlich verkaufen die sich nicht jenseits 49% an Investoren.

Was die finanziell auf sehr kleiner Flamme kochende Zwickauer um Joe Enochs Jahr für Jahr abliefern, das verdient auf jeden Fall Respekt!

Vom Spiel her erwarte ich ein Gegurke wie in Münster. Kompakt stehender Gegner und noch dazu reichlich Regen bis zum Spiel und wohl auch währenddessen, also ein tiefer Platz.

Tami Tes
Redakteur

Hauptsache es wird nicht, wie letztes Jahr. Das 5:2 habe ich immer noch gut in Erinnerung. Zum Glück präsentiert sich unsere Mannschaft nun ganz anders.

Brunnenmeier66
Leser

Investor können sie unseren „geliebten“ HI haben dann gehts „Over the Top“ und ein Stadion mit Schwanen Käfig gibts auch noch obendrauf. smile

anteater
Leser

lol