Die unglückliche Niederlage am vergangenen Wochenende in Braunschweig ist noch gar nicht verdaut, da heißt es für den TSV 1860 München, sich schon wieder auf den nächsten Gegner zu konzentrieren. Trotz des sehr kurzen zeitlichen Abstands zwischen den Spielen ist es aber immer wichtig, das vergangene Spiel zu analysieren, bevor der Fokus auf den nächsten Gegner gelegt wird. Keine Angst, wir reden an dieser Stelle nicht über die Schiedsrichterleistung.

Trainer Daniel Bierofka wird trotz der bitteren Niederlage viele positive Ansätze im Spiel seiner Mannschaft gesehen haben. Diszipliniert wurden die taktischen Vorgaben des Trainers umgesetzt. Die Mannschaft agierte im Eintracht-Stadion gegen einen an sich offensiv starken Gegner über weite Strecken auf Augenhöhe. Phasenweise drückte man dem Spiel sogar den eigenen Stempel auf. Entschieden wurde das Spiel letztendlich, wie gesagt wir reden nicht über den Schiedsrichter, durch eigene Fehler im Abwehrverhalten. Die Mannschaft scheint es derzeit noch nicht zu schaffen, über die volle Distanz aggressiv gegen den Ball zu arbeiten und konsequent zu verteidigen. Beim 1:1-Ausgleich hätte Schwenk früher am Schuss gehindert werden müssen. Beim entscheidenden 2:1 kommt Kobylanski auf der rechten Seite ungestört zum Flanken. Hier stimmte die Zuordnung bei einem Standard nicht.

Solider Saisonstart des FSV Zwickau

Um gegen den nächsten Gegner vor heimischer Kulisse etwas Zählbares mitnehmen zu können, müssen die Löwen unbedingt diese Fehler abstellen. Mit dem FSV Zwickau kommt eine Mannschaft mit breiter Brust ins Städtische Stadion an der Grünwalder Straße. Und dass diese Mannschaft auswärts etwas holen kann, haben sie gleich am ersten Spieltag in Meppen bewiesen. Gegen glücklos agierende Gastgeber ging man am Ende mit 2:0 vom Platz. Diese gute Leistung wurde auch am zweiten Spieltag gegen den FC aus Magdeburg bestätigt. In einem zwar ereignisreichen, aber am Ende doch torlosen Spiel trotzte man dem Absteiger aus Liga 2 vor heimischen Publikum einen Punkt ab. Und wäre das berühmte Quäntchen Glück im Abschluss den Schwänen hold gewesen, hätten sich die Magdeburger nicht über eine durchaus mögliche Niederlage beschweren können. Der Saisonstart der Zwickauer kann mit zwei guten Leistungen und vier errungenen Punkten als solide bezeichnet werden. Der Tabellensiebte der Vorsaison ist also schon in der noch jungen Saison angekommen.

Die Mischung macht es

Trainer Joe Enochs scheint in der Zusammenstellung der Mannschaft ein gutes Händchen zu haben. Mit den Abgängen von Nico Antonitsch und des Kapitäns Toni Wachsmuth war die komplette Innenverteidigung neu zu besetzen. Die Kapitänsbinde wanderte ins Tor zum Stammkeeper Johannes Brinkies. Der erfahrene Davy Frick (29) wurde von der Sechser-Position in die Abwehrreihe zurückgezogen. Komplettiert wird die zumeist in einer Dreier-Kette agierende Defensiv-Reihe des FSV von den Neuzugängen Maurice Hehne (22) von der 96-Reserve aus Hannover und Ali Odabas vom Jahn aus Regensburg, für den er allerdings kein einziges Zweitligaspiel in der abgelaufenen Saison bestreiten konnte.

Im Mittelfeld setzt der 47-jährige US-amerikanische Übungsleiter auf die bewährten Kräfte Morris Schröter (Rechts), Julius Reinhardt (Mitte) und Nils Miatke (Links). Komplettiert wird die Schaltzentrale der Schwäne durch die Neuzugänge Fabio Viteritti (26) und den erst 22-jährigen Leon Jensen. Während Viteritti von Energie Cottbus mit sechs Toren und zwei Vorlagen in 34 Einsätzen der vergangenen Saison Erfahrungen in der dritten Liga vorweisen kann, handelt es sich bei Jensen um einen absoluten Liganeuling. Der offensive Mittelfeldspieler kommt vom, na ja sagen wir mal nicht ganz so bekannten, F91 Düdelingen aus Luxemburg. Und dennoch kann er aus seiner Zeit in Luxemburg 31 Einsatz-Minuten in der Europa-League vorweisen. Beide Neuzugänge haben das Zeug, die zu Holstein Kiel abgewanderte Offensivkraft Lion Lauberbach (27 Einsätze/4 Tore/ 2 Vorlagen) zu ersetzen.

Im Sturm setzt der Drittliga-erfahrene Trainer Joe Enochs auf den vom Absteiger aus Lotte verpflichteten Gerrit Wegekamp (38 Ligaspiele/2 Tore/ 1 Vorlage). Der 26-Jährige soll die in die Jahre gekommene Sturmikone der Schwäne Ronny König ersetzen. Der mittlerweile 36-jährige König denkt aber keineswegs daran, seine Karriere mit seiner wohl letzten Saison im Profifußball gemütlich ausklingen zu lassen. Am ersten Spieltag schien noch Elias Huth, 22-jähriger Neuzugang aus Kaiserslautern, im Kampf um einen Platz in der Startelf die Nase vorn zu haben. Zumindest bis zur 72. Minute, als Trainer Enochs ihn durch den 1,90 m großen Sturmtank Ronny König ersetzte. Ganze 16 Minuten später zappelte die Kugel im Netz. Torschütze Ronny König. Grund genug für den Übungsleiter den erfahrenen Stoßstürmer im folgenden Heimspiel gegen Magdeburg von Anfang an aufs Feld zu stellen. Dabei gilt es zu beachten, dass Zwickau bis dato immer mit zwei Mittelstürmern aufgelaufen ist. Darauf müssen sich unsere Jungs auch am Mittwoch einstellen.

Betrachtet man die beiden bisherigen couragierten Auftritte der Schwäne aus Zwickau, muss man feststellen, dass es Trainer Joe Enochs bis dato gut gelungen ist, aus bewährten Kräften und hoffnungsvollen Neuzugängen eine Mannschaft zu formen. Die Mischung macht es.

FSV Zwickau eine Herzensangelegenheit

Die Mischung scheint auch im ganzen Verein zu stimmen. Laut Vereinsslogan handelt es sich beim FSV Zwickau um eine „Herzensangelegenheit“. Mit dem ehemaligen Spieler und Kapitän Toni Wachsmuth hat man aktuell einen Fanliebling und den ehemaligen Kopf der Mannschaft in die sportliche Führung integriert. Sehr sympathisch auch der traditionelle Fußballstammtisch des Fanprojekt Zwickau e.V. Hierbei handelt es sich um eine Plauderstunde mit Trainer Joe Enochs, Sportdirektor Toni Wachsmuth und allen Neuzugängen zu der jeder interessierte Fan eingeladen ist. Eine schöne Sache für die Fans, wie wir finden.

Plakat vom Fanprojekt Zwickau e.V. freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Sind die Löwen bereit für das erste Erfolgserlebnis?

Der grüne Rasen des städtischen Stadions an der Grünwalder Straße ist aber sicher nicht geeignet, um sich in Vereinsinternen Sympathiewerten zu messen. Es geht um äußerst wichtige Punkte. Für die Löwen heißt es, die gute Leistung in Braunschweig zu bestätigen. Der reife Auftritt am vergangenen Samstag macht durchaus Hoffnung auf einen guten Saisonverlauf. Dafür benötigen unsere Löwen aber ein positives Erlebnis in Form eines Dreiers. Die Schwäne mögen mit breiter Brust aus Zwickau anreisen, aber sie sind auch keine „Übermannschaft“. Wir werden Ihnen zeigen, dass es für sie auf Giesings Höhen, vor den „besten Fans der Welt“, nichts zu holen gibt. Zudem gilt es die bittere Auswärtsniederlage im so wichtigen Saisonendspurt der abgelaufenen Spielzeit wieder vergessen zu machen.

Auswärtsspiel am 04.05.2019 in Zwickau

„Auf geht´s Löwen, kämpfen und siegen“

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
anteater
Leser

Habe am Sonntag die zweite Halbzeit des FSV gegen den FCM gesehen und frage mich noch heute, ob jetzt Zwickau gut war oder Magdeburg einfach nur schlecht.

Negativ fielen mir die heimischen Zuschauer auf, die den nach Zusammenstoß der Köpfe am Boden liegenden Magdeburger gnadenlos auspfiffen, sonst aber außer klatschen nichts zu Stande brachten. Beeindruckend war der Support der Magdeburger, die das Spiel zu einem Heimspiel für die ihren machten.

Auffällig gespielt hat noch der neuseeländische Neuzugang der Zwickauer nach seiner Abwechslung.

Insgesamt ist es schon beeindruckend, was Joe Enochs in Zwickau mit sehr limitierten Mittel schafft.

Tami Tes
Redakteur

An das Auswärtsspiel in letzter Saison kann ich mich noch gut erinnern. Die Heimfans haben noch ihre Choreo ausgebreitet gehabt und schon fiel das erste Tor für Zwickau. War das bitter … und bitter kalt. Es ging nichts, aber auch gar nichts. Ein verbrauchter Tag, an dem die Fans dann auch Selbstironie zeigten und sangen „Wir werden so lange in der Kurve stehn, bis es nicht mehr schlechter werden kann. Und irgendwann, irgendwann einmal, spielt Sechzig dann international“… So ein Spiel will ich morgen nicht sehen.

Immerhin gewannen wir das Heimspiel damals. Vielleicht klappt es morgen auch? Wir brauchen jetzt die Punkte, damit die Mannschaft mit positiven Gefühlen beladen wird. Denn jetzt schon auf den Abstiegsrängen zu stehen, wäre fatal für den weiteren Verlauf. Für die Moral ungut. Egal wie, morgen gibt es drei Punkte!!

tomandcherry
Leser

@Tami Tes

Ja, ein Heimsieg wäre gut für die Moral – und natürlich auch für’s Punktekonto. wink

Andererseits darf man in dieser Liga keine Mannschaft von vorneherein als Verlierer einschätzen, denn wie eng es beinahe jede Saison abgeht, haben wir letztes Jahr leidvoll erfahren müssen.

Mit einer Leistung wie in der ersten Hälfte in BS müsste ein gutes Ergebnis machbar sein, in Stein gemeisselt ist es allerdings nicht.