Am Samstag beschließt die Dritte Liga mit dem 38. Spieltag die Saison 2019/20. Und wer hätte nach den Niederlagen gegen Rostock, Würzburg und Köln noch gedacht, dass es für den TSV 1860 München im letzten Spiel gegen den FC Ingolstadt 04 noch um mehr geht als nur um drei Punkte? Dank der Niederlage des FC Ingolstadt 04 und eines späten Ausgleichs im Spiel unserer roten Nachbarn gegen den MSV Duisburg am vergangenen Spieltag lässt es die Tabellensituation zu, dass ein Sprung auf den Relegationsplatz für die Münchner Löwen zumindest rechnerisch noch möglich ist.

Rechenspiele

Bereits vor dem letzten Spieltag steht die Eintracht aus Braunschweig als direkter Aufsteiger fest. Der aktuelle Tabellenführer, die überqualifizierte Reserve der Andersgläubigen, kann bekanntermaßen nicht aufsteigen und spielt insofern keine Rolle. Größtmögliche Chancen, der Eintracht auf dem Weg nach oben zu folgen, haben derzeit die Würzburger Kickers, die mit 63 Punkten auf Platz 3 liegen. Möglicher Konkurrent für den zweiten direkten Aufstiegsplatz ist nur noch, mit 60 Punkten auf Platz 4 liegend, der FC Ingolstadt 04. Dahinter lauern mit 59 Punkten der MSV Duisburg und der F.C. Hansa Rostock. Alle drei Mannschaften werden am letzten Spieltag alles dafür geben, um zumindest den Relegationsplatz zu ergattern. Knapp dahinter, mit 58 Punkten auf dem Konto, steht der TSV 1860 München als letzte Mannschaft, die sich noch Hoffnungen auf den Aufstieg in die 2. Liga machen kann. Was muss aber passieren, damit es überhaupt so weit kommt? Neben der rot-weißen Luft an der Tabellenspitze stehen derzeit noch fünf Mannschaften vor den Löwen. Braunschweig ist schon aufgestiegen und Würzburg punktemäßig nicht mehr einzuholen. Soweit der MSV Duisburg zuhause gegen Unterhaching, wie an den vergangenen sechs Spieltagen demonstriert, nicht siegen kann und es Hansa Rostock ebenfalls nicht gelingt, den stark abstiegsgefährdeten Chemnitzer FC alle drei Punkte abzutrotzen, kann der TSV 1860 München mit einem Sieg gegen den Mitkonkurrenten aus Ingolstadt am letzten Spieltag auf den Relegationsplatz springen. Insoweit sind das durchaus beste Voraussetzungen für ein spannendes Spiel und ein fulminantes Saisonfinale. Dieses Rechenspiel funktioniert aber nur, wenn die Münchner Löwen das Spiel gegen die Schanzer (Anpfiff: 14:00 Uhr; Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße) für sich entscheiden.

Neuer/alter Trainer

Der FC Ingolstadt 04, nächster Gegner des TSV 1860 München, ist als Absteiger in die Saison 2019/20 gegangen und ließ von Anfang an keinen Zweifel daran, wieder in die 2. Bundesliga zurückkehren zu wollen. Eine Niederlagen-Serie im Februar diesen Jahres trübten die Aufstiegshoffnungen der Schanzer allerdings stark ein. Insoweit könnte man vermuten, dass die coronabedingte Zwangspause für die Ingolstädter gerade zur rechten Zeit gekommen ist. Dies wohl auch unter dem Aspekt, dass der neue/alte Cheftrainer Tomas Oral genügend Zeit hatte, mit der Mannschaft zu arbeiten. Dabei wurde Tomas Oral am Anfang der Saison von Jeff Saibene an der Seitenlinie der Schanzer abgelöst. Besagte Negativserie führte aber zur vorzeitigen Entlassung von Saibene. Ab dem Re-Start, genauer ab dem 28. Spieltag, vertrauten die Verantwortlichen des FCI wieder auf das Können des alten und jetzt wieder neuen Trainers Tomas Oral. Einer anfänglichen Niederlage folgten fünf Siege und drei Unentschieden. Der Dämpfer am vergangenen Spieltag gegen den 1. FC Magdeburg (0:2) brachte die Schanzer allerdings gehörig ins Straucheln. Mit einem Sieg wäre der direkte Aufstieg möglich und die Relegation sicher gewesen. Das weiß die Mannschaft und Tomas Oral wird alles daran setzen, damit vor dem Spiel gegen die Löwen keinerlei Zweifel, den Aufstieg doch noch zu verpassen, aufkommen.

Saisonfinale „furioso“ – Reine Kopfsache

Vielleicht liegt genau hier der Vorteil für die Heimmannschaft? Der FC Ingolstadt 04 muss gewinnen. Die Münchner Löwen können gewinnen. Ein vermeintlich kleiner Unterschied, der im Kopf der Spieler aber Großes bewirken kann. Bei einem Rückstand wird sich schnell Zweifel in den Köpfen der Spieler des FCI breit machen. „Wir waren gegen Magdeburg so nah dran und jetzt gegen die Löwen vermasseln wir es wieder?“ Es gibt Spiele, da entscheidet nicht die Qualität die spielerische Klasse. Es ist der Kopf, die negativen Gedanken, das lähmende Gefühl, in dieser entscheidenden Phase versagen zu können. So wie es beispielsweise der HSV am letzten Spieltag der Zweitliga-Saison mit einem 1:5 zuhause gegen den SV Sandhausen eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Der Truppe von Michael Köllner ist die für einen erfolgreichen Saisonabschluss notwendige mentale Stärke dabei durchaus zuzutrauen. Unbeeindruckt von Themen wie Vertragslosigkeit, Verlängerungsverhandlungen oder Verlassen des Vereins, haben die Löwen in den vergangenen beiden Spielen eine tolle Moral bewiesen und den Gegner jeweils niedergerungen. Dennis Dressel und Efkan Bekiroglu befinden sich in der Schaltzentrale derzeit in bestechender Form. Mit Sascha Mölders steht zudem ein Kämpfer vor dem Herrn auf dem Platz. An guten Tagen kann sich seiner mitreißenden Art kein Mitspieler entziehen.

Positiver Saisonabschluss – So, oder so!

Der MSV Duisburg konnte seit sechs Spielen hintereinander nicht mehr gewinnen. Warum sollte dieser Sieg ausgerechnet gegen die SpVgg Unterhaching gelingen? Der F.C. Hansa Rostock hat es mit dem Chemnitzer FC zu tun. Die Sachsen müssen gewinnen und gleichzeitig auf einen Ausrutscher des FSV Zwickau hoffen, um am Ende noch über den Strich zu springen. Drei Punkte für die Kogge sind in diesem Spiel alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Letzter Spieltag. Es geht um mehr als nur drei Punkte. Was du in diesem Spiel nicht geregelt bekommst, kannst du im Laufe der Saison nicht mehr ausgleichen. Hop oder Top. Insoweit kann man das ein oder andere Spiel an diesem Spieltag durchaus als K.O.-Spiel bezeichnen. Am Ende werden gute Beine und ein klarer Kopf das entscheidende Zünglein an der Waage sein. Ingolstadt war und ist so nah dran am Aufstieg. Am letzten Spieltag kannst du alles verlieren. Die Löwen waren schon so weit weg vom Aufstiegstraum. Sie haben nichts zu verlieren.

Der geneigte Löwenanhänger kann sich jetzt überlegen, ob er an ein „Wunder“ glaubt oder nicht. Ob er auf einen Sieg gegen die Schanzer hofft. Auf den Sprung auf den Relegationsplatz, bei gleichzeitigen Punktverlusten von Rostock und Duisburg. Was bringt uns im Leben weiter? Negative Gedanken? Zweifel? Oder der Glaube daran, etwas schaffen zu können? Wie sagte es Karl Valentin so schön:

„Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

Geht mit dem Herzen ins Stadion. Das ist Sechzig München. Da kann alles passieren. Am Ende wird eine positive Saison stehen. So, oder so.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Snoopy.
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Snoopy. (@snoopy)
1 Monat her

„Nichts ist unmöglich“, sagte schon ein weiser Japaner mit Namen Toyota. 🙂

Zuerst müssen wir aber erst mal Ingolstadt 3 Punkte abnehmen. Wird nicht einfach, aber der Kopf dürfte da auch eine Rolle spielen. Mehr bei Ingolstadt als bei den Löwen, die Schanzer haben ihren ersten Matchball sauber vergeigt. Alles andere haben wir nicht in der Hand, auch wenn morgen kaum ein Löwe Fan von Duisburg oder Rostock sein dürfte und eher für Chemnitz und Unterhaching die Daumen drückt.

Einen Sieg morgen traue ich dem TSV schon zu. Alles andere wird man sehen, wenn die anderen beiden Partien beendet sind. Aber die Anspannung steigt.

swaltl
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swaltl (@swaltl)
1 Monat her

Warum bist du so pessimistisch und schreibst dass der Aufstieg „zumindest rechnerisch noch möglich ist.“ ?
Wir gewinnen am Samstag 4:0 und nachdem Haching und Chemnitz uns Schützenhilfe leisten gewinnt Köllner nächste Woche in der Relegation gegen seinen Ex-Verein Nürnberg. Davon bin ich fest überzeugt.

Und alles obwohl du schon vor dem Spiel gegen Haching geschrieben hast, dass es dabei eh nur noch um einen vernünftigen Saisonabschluss gehen würde. 😉

United Sixties
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United Sixties (@richard-ostermeiergmail-com)
1 Monat her
Reply to  swaltl

Chemnitz punktet gegen Rostock , aber Haching wird leider nix reißen bei den Zebras, bei denen ist die Luft komplett raus. Wir müssen Audistadt auch erstmal bezwingen und dann wenigstens DFB Pokal-Hauptrunde feiern.

Landshuter Löwe
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Landshuter Löwe (@landshuter-loewe)
1 Monat her
Reply to  United Sixties

Zumal Haching kein Interesse hat, dass wir aufsteigen. So haben die wenigstens 1 mal die Bude voll, wenn wir dann mal wieder dürfen sollten.

jürgen (@jr1860)
Leser
jürgen (@jr1860) (@jr1860)
1 Monat her

Des werd scho, so nervös wia i bin 🍻🍻