Während unsere Löwen am vergangenen Samstag in ihrem letzten Heimspiel auf Giesings Höhen den lang ersehnten Nichtabstieg aus eigener Kraft sichern konnten, geht es für unseren nächsten Gegner, den FC Carl Zeiss Jena, am letzten Spieltag vor heimischem Publikum um Alles oder Nichts. Die Liga halten oder Abstieg in den Amateurfußball. Was dies für einen Verein und seine Mitarbeiter bedeutet, weiß der TSV 1860 München nur all zu gut. Die Thüringer stehen aktuell mit 43 Punkten knapp über dem rettenden Strich auf Rang 16 der Tabelle.

Aus eigener Kraft

Am letzten Spieltag der Saison gilt es, gegen die Münchner Löwen die Konkurrenz aus Großaspach (42 Punkte; Auswärtsspiel in Köln) und Lotte (40 Punkte; Heimspiel gegen Würzburg) weiterhin hinter sich zu lassen. Und zu was die Schützlinge von Trainer Lukas Kwasniok in der Lage sind zu leisten, haben sie im letzten Drittel dieser Saison eindrucksvoll bewiesen. Aus den vergangenen 8 Spielen wurden von 24 möglichen Punkten ganze 17 Zähler erbeutet. Dabei ging man neben 2 Unentschieden 5-mal als Sieger vom Platz. Lediglich gegen die Würzburger Kickers musste man sich am 36. Spieltag in einem ereignisreichen und hoch emotionalen Spiel zuhause mit 3:4 geschlagen geben. Mit diesem fulminanten Saisonendspurt entwickelte sich die Mannschaft aus Jena vom sicheren Abstiegskandidaten zum Hoffnungsträger für seine gebeutelten Fans. Die Thüringer können den Erhalt der Liga vor heimischer Kulisse aus eigener Kraft schaffen.

Erfolg kommt nicht von Ungefähr

Dieser Aufschwung kommt dabei nicht von Ungefähr. Als „Vater des Erfolgs“ muss man wohl Trainer Lukas Kwasniok bezeichnen. Der erst 37 Jahre alte Pole kam als Jugendtrainer vom Karlsruher SC. Im Anschluss an den 18. Spieltag, nach drei Niederlagen in Folge auf Tabellenrang 18 liegend, löste er den Aufstiegstrainer der Vorsaison, Mark Zimmermann, ab. Die Auswirkungen dieses Trainerwechsels bekamen die Löwen im Hinspiel am darauffolgenden 19. Spieltag gleich zu spüren. In einem umkämpften Spiel auf Giesings Höhen wurden unsere aufgrund einer Gelb-Roten Karte an Herbert Paul dezimierten Löwen in den Schlussminuten durch einen Doppelpack von Julian Günther-Schmidt mit 1:3 niedergerungen.

Dem Vertrauensvorschuss der Vereinsführung und des Investors ist es zu verdanken, dass Lukas Kwasniok nicht nur einen Vertrag als Trainer, sondern auch als Sportdirektor bis voraussichtlich 30. Juni 2021 unterschreiben durfte. Und dieses Vertrauen scheint sich nun auszuzahlen. Alle Hoffnung liegt beim FC Carl Zeiss Jena auf dem letzten Heimspiel. Wir denken lieber nicht daran, was auf uns zugekommen wäre, hätten wir den Ligaerhalt am vergangenen Wochenende gegen Fortuna Köln nicht unter Dach und Fach gebracht.

Bewegte Vergangenheit

Wie der TSV München von 1860 e.V. hat auch der FC Carl Zeiss Jena eine bewegte Vergangenheit. Als werkseigene Fußballmannschaft der für die Produktion optischer und mechanischer Instrumente bekannten Firma Carl Zeiss begann 1903 die Geschichte des Vereins. Zahlreiche Umbenennungen des Vereinsnamens lagen auf dem Weg bis zur Neugründung am 20. Januar 1966 des heute noch bestehenden Fußballclubs Carl Zeiss Jena e.V.. Erfolge, wie DDR-Meisterschaft (3x) und DDR-Pokalsieger (4x) und die Teilnahme am Endspiel im Europapokal der Pokalsieger 1982 gegen Dynamo Tiflis machten die Thüringer zu einer festen Größe im DDR-Fußballoberhaus.

Seit der Wende im Jahr 1990 und der Eingliederung der Fußballmannschaften der ehemaligen DDR in die Bundesliga der Bundesrepublik Deutschland, kann man den FC Carl Zeiss Jena durchaus als „Fahrstuhl-Mannschaft“ bezeichnen. Von der 2. Bundesliga ging es in die damals drittklassige Regionalliga und wieder zurück. Ende der Neunziger und Anfang der Jahrtausendwende ging es wieder über die Regionalliga bis hinunter in die Oberliga. Nach einem kurzzeitigen Höhenflug über Regionalliga und 2. Bundesliga ging es 2008 in die neugegründete 3. Liga, aus der man sich für die Spielzeiten 2012 bis 2017 wieder in die Regionalliga verabschiedete. Nach dem erneuten Aufstieg sind die Thüringer mittlerweile im zweiten Jahr hintereinander der 3. Liga zugehörig.

Modernes Fußballstadion mit Unterstützung des Investors?

Aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus folgte auch der FC Carl Zeiss Jena dem Beispiel vieler anderer deutscher Fußballclubs und gliederte den Spielbetrieb der ersten und zweiten Profi-Herrenmannschaft in die „FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH“ aus. Dabei hält die Staprix NV 95% der Anteile. Die restlichen 5% hält der e.V. Die im deutschen Profifußball so wichtige „50+1-Regel“ wird mit einer Stimmenverteilung von 50,02% (e.V.) zu 49,98% (Staprix NV) gewährleistet. Hinter der Staprix NV steht der belgische Multi-Millionär Roland Duchatelet. Jena ist dabei nicht der einzige Fußballclub, in den der belgische Geschäftsmann aktuell investiert (z.B. Charlton Athletic).

Die Heimspiele trägt der FC Carl Zeiss Jena im alt ehrwürdigen Ernst-Abbe-Sportfeld aus. Die nach dem Physiker und Gründer der Carl-Zeiss-Stiftung benannte Sportstätte wurde erstmals am 24. April 1924 eingeweiht und dient seit jeher auch als Veranstaltungsort für Leichtathletik-Meetings. Seit dem Erwerb aus dem Besitz der Carl-Zeiss-Stiftung im Jahr 1991 befindet sich das Ernst-Abbe-Sportfeld im Eigentum der Stadt Jena. Sicherlich ein Grund, warum das Stadion nicht schon längst den Namen eines Sponsors trägt.

Nach einem bereits gefassten Beschluss des Stadtrates soll das Ernst-Abbe-Sportfeld in ein modernes Fußballstadion umgebaut werden. Die Ausschreibung ist bereits erfolgt. Auch der Investor Roland Duchatelet hat sich um den Ausbau beworben. Dass der Investor auch Stadionumbau kann, hat er bereits mit der modernen Fußball-Arena „Stayen“ des Belgischen Erstligisten VV St. Truiden bewiesen. Laut Stadtverwaltung ist mit der Entscheidung über die Vergabe für den Stadionumbau im Sommer 2019 zu rechnen, ein möglicher Abstieg des FC würde die Entscheidung für einen Umbau aber nicht negativ beeinflussen.

Wer will, kann das Stadion unter folgendem Link in einer 360°-Ansicht bereits vor dem anstehenden Auswärtsspiel in Augenschein nehmen.

Stadion des FC Carl Zeiss Jena

https://www.fc-carlzeiss-jena.de/ernst-abbe-sportfeld/daten-fakten.html

Während wir hier über das Stadion des Gegners philosophieren, macht sich Trainer Daniel Bierofka sicherlich schon Gedanken, wie er und seine Löwen etwas Zählbares aus Thüringen mitnehmen können. Dabei wird er sicherlich auch auf die Offensivkräfte Phillip Tietz (11 Tore/3 Vorlagen), Felix Brügmann (7/2), Manfred Starke (7/9) und Rechtsaußen Maximilian Wolfram (6/2) aufmerksam geworden sein. Auch wenn wir bereits gerettet sind. Eine Kaffeefahrt nach Thüringen wird das letzte Auswärtsspiel der Saison 2018/19 ganz bestimmt nicht. Es gilt noch einmal alles rauszuhauen für die leidgeprüften Fans des TSV 1860 München. Auf einen vernünftigen Saisonabschluss.

Wir sehen uns in Jena.

8
Hinterlasse einen Kommentar

Please Login to comment
avatar
  
smilewinklolsadballlionpretzelbeerstadiumlinkrollingheartzzzpolice
 
 
 
3 Comment threads
5 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
5 Comment authors
Kai aus der Kisteblau91anteaterTami TesLoewen1860 Recent comment authors

  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Kai aus der Kiste
Leser

Ich hoffe und wünsche mir für Samstag, dass die Mannschaft die sportpolitischen Grabenkämpfe irgendwie ausblenden kann und sich mit einem positiven Ergebnis für die schwierige Saison belohnen wird. Mit einem Sieg können wir noch bester Aufsteiger (sofern Uerdingen daheim gegen Wehen nicht drei Punkte holt) werden. Und auch die Heimniederlage gegen Jena wiegt noch schwer, das sollte schon Biero’s Ehrgeiz fördern. Jena braucht noch mindestens einen Punkt, die werden wohl „Vollgas-Fussball“ spielen und gleich auf’s erste Tor gehen. Mit dem von Paderborn ausgeliehenen Tietz hat Jena einen gefährlichen Stürmer. Auch die Brügmann-Brüder schätze ich als sehr gefährlich. Fehlen wird den Jenaern der Doppel-Torschütze aus dem Hinspiel Günther-Schmidt aufgrund einer Verletzung und der Top-Vorbereiter Starke wegen der fünften Gelben.
Die Jenaer Fanszene gilt als sehr emotional, zu 100% hinter ihrem Verein stehend, aber die Stimmung kann kippen. Diverse YT-Videos von Spielen gegen Erfurt belegen das Ganze. Ich hoffe der DFB ist sich dessen bewusst und schickt einen erfahrenen Schiri.

anteater
Leser

Bezüglich der Anreise habe ich aus zuverlässiger Quelle, Kollege ist Jenenser, folgenden Geheimtipp für die Selbstfahrer zu vermelden:

Rund ums Stadion ist vor und nach dem Spiel immer Stau (und sonst ist es nicht ausverkauft).
Man soll alternativ kostenfrei im Burgaupark parken, das ist ein Einkaufszentrum. Oder in Lobeda, was mir persönlich zu heikel ist.

Vom Burgaupark fahren drei Tramlinien, 1, 4, 5 zum Sportforum, Fahrtzeit 15 Minuten, Eintrittskarte ist zwei Stunden vor und nach dem Spiel als Ticket gültig. Zudem fahren etliche Buslinien auch die Strecke.

Tami Tes
Redakteur

Mit Münchner Kennzeichen ggf. ungut irgendwo anders zu parken. Für Auswärtige eher ne Lösung. Wir kommen eh mit dem Partybus und müssen zum Gäste Parkplatz … da müssen wir auch nicht weit torkeln 😂

anteater
Leser

Mein Kollege meint, dass das alles kein Problem sei. Jena sei nicht Cottbus.

Kai aus der Kiste
Leser

Es wird auf eine strikte Fantrennung hinauslaufen, uns Gästefans ist nur der Zugang über die „Saale-Seite“, nicht über den Zugang und Haltestelle Sportforum möglich.
Anbei ein Link von den FCC Supportern…
https://board.fcc-supporters.de/phpBB3/viewtopic.php?f=28&t=22091

Loewen1860
Leser

Ah… gsd… es gibt auch no Fußball bei uns. Biero wird seine Mannen schon soweit motivieren, dass wir gewinnen. Denn die Niederlage vom 19. Spieltag sollte für Jena nicht ohne Konsequenzen sein… So mein Wunsch!

Tami Tes
Redakteur

Ich würde mir auch einen Sieg wünschen. Mit drei Punkten fährt sich immer schön nach Hause.
Und wer auch immer von den Jungs auf dem Rasen in 2019/20 nicht mehr bei uns ist, soll sich mit einem positiven Gefühl verabschieden können.