Bewegte Tage an der Grünwalder Straße 114. Doch die an den Tag gelegte Handlungsfähigkeit der Geschäftsführung rund um Günter Gorenzel und Michael Scharold hat binnen kürzester Zeit all die Stimmen verstummen lassen, welche den TSV 1860 München als führungslosen Chaosclub in der Öffentlichkeit darzustellen versuchten. Und während es im digitalen Blätterwald, fernab des aktuellen sportlichen Interesses, weiterhin mächtig rauscht, am Trainingsgelände herrscht Ruhe. Michael Köllner ist der neue „Prince Charming“ bei den Löwen. Bereits seine ersten Auftritte haben gezeigt, dass er das Zeug dazu hat, Menschen zu erreichen, Menschen zu verbinden. Wir haben alle das gleiche Ziel. Größtmöglichen Erfolg für unsere Löwen.

Gegner mit unterschiedlicher Philosophie

Ein Ziel, das unser nächster Gegner, wenn überhaupt nur bedingt verfolgt. Die Reserve des alles überstrahlenden Rekordmeisters aus der Säbener Straße dient als Talentschmiede. Der Fokus liegt bei den von Sebastian Hoeneß, Sohn von „Schwabenpfeil“ Dieter Hoeneß, trainierten Jungspunden, auf Ausbildung und Förderung möglichst vieler Nachwuchshoffnungen zum Profispieler. Insoweit verwundert das niedrige Durchschnittsalter des 32 köpfigen Spielerkaders mit 20,71 Jahren kaum. Das auserkorene Saisonziel des Marktwertkrösus der dritten Liga ist nicht mehr als der Klassenerhalt. Mit einem für diese Liga unglaublichen Marktwert von 43,88 Mio. ist der Aufsteiger aus der Regionalliga Bayern in dieser Kategorie einsame Spitze. Anerkennend muss dabei erwähnt werden, dass am Ende aller Transfertätigkeiten für die aktuelle Saison stolze 6,33 Mio. auf der Haben-Seite stehen geblieben sind. Spielerverkäufe u. a. in die erste und zweite Bundesliga haben dies möglich gemacht.

Junge Hoffnungsträger

Neben einer Vielzahl von Spielern aus der eigenen U19 der vergangenen Spielzeit finden sich im Kader der Roten auch junge Perspektivspieler, die man von anderen Vereinen und teilweise auch aus aller Herren Länder an die Isar gelockt hat. Der 19-jährige Alphonso Davies ist ein solcher Exot. Für den kanadischen Linksaußen haben die finanzkräftigen Seitenstraßler zum 01.01.2019 schlappe 10 Millionen aus der Portokasse an die Whitecaps nach Vancouver überwiesen. Derzeit wird der kanadische Nationalspieler allerdings in der ersten Garnitur der Andersgläubigen auf der Positon des Linksverteidigers gebraucht. Ein Einsatz von Davies am Sonntag im kleinen Derby ist daher eher unwahrscheinlich.

Sehr wahrscheinlich ist dagegen der Einsatz des Neuseeländers Sarpreet Singh. Der 20 jährige Offensivspieler kam zu Saisonbeginn von den Phoenix aus Wellington für laue 650.000 Euro. Der neuseeländische Nationalspieler erzielte in elf Spielen vier Tore, legte fünfmal zum Torerfolg auf und verspricht sich nicht nur wegen dieser famosen Bilanz eine Zukunft in der ersten Garde des seit sieben Spielzeiten (gähn) amtierenden Deutschen Meisters.

Von der Borsussia aus Gladbach wurde der 20-jährige Franzose Michael Cuisance mit einer Ablöse von 12 Mio. nach München geholt. In dieser Saison reichte es für den französischen U20 Nationalspieler bis dato zu 30 Minuten in der ersten und 195 Minuten in der dritten Bundesliga. Einer unsinnigen Berechnung zufolge macht das bisher 53.333,33 Euro pro Spielminute.

Der U19-Nationalspieler Fiete Arp kam vom ehemaligen Bundesliga-Dino Hamburger SV für kaum der Rede werte 3 Mio. von der Elbe an die Isar. Derzeit ist der 19-Jährige Mittelstürmer aus Bad Segeberg allerdings verletzt. Für die Hälfte wurde der beim VFB Stuttgart ausgebildete offensive Alleskönner Leon Dajaku vom Neckar an die Isar geholt. In 14 Spielen erzielte der 18-jährige U19-Nationalspieler zwei Tore und war dreimal Vorlagengeber.

In diesem Kontext ist auch der 18-jährige Mittelstürmer Joshua Zirzee zu nennen. Der 2017 von Feyenoord Rotterdam in die B-Jugend des großen Weltvereins aus der Nachbarschaft gewechselte niederländische U19-Nationalspieler, wurde von Sebastian Hoeneß in dieser Spielzeit bereits zwölf mal als hängende Spitze auf das Feld geschickt. Zuletzt konnte der Nierderländer seine Qualitäten aber nur als Einwechselspieler in den Dienst der Mannschaft stellen. Im denkwürdigen Spiel gegen den SV Meppen am vorletzten Spieltag, welches nach einer 3:1 Führung noch mit 3:5 in die Binsen ging, musste der junge Heißsporn nach einem gelbwürdigen Foul und einem anschließenden Griff ins Gesicht seines Gegenspielers nach nur wenigen Einsatzminuten mit Gelb-Rot vom Platz. Für das Spiel am Sonntag wäre der 1,93m große Rechtsfuß damit wieder spielberechtigt.

Alte Hasen

Letztendlich macht es aber die Mischung. Und so wird das rote Zahnspangenbalett von erfahrenen Spielern, wie Nicolas Feldhahn (33), Maximilian Welzmüller (29) und dem zu Saisonbeginn vom Mitaufsteiger und Ligakonkurrenten SV Waldhof Mannheim an die Säbenerstraße gewechselten Timo Kern (29) auf dem Spielfeld geführt. Während Nicolas Feldhahn am Sonntag als Kapitän und Kopf der Mannschaft die Abwehr stabilisieren und Timo Kern die Fäden im zentralen Mittelfeld ziehen wird, muss Sebastian Hoeneß auf seinen defensiven Mittelfeldallrounder Maximilian Welzmüller verletzungsbedingt verzichten. Nicht verzichten muss der Trainer auf den zentralen Sturmtank. Der beim FC St. Pauli ausgebildete Deutsch-Ganaher Kwasi Okyere Wriedt (25) ist mit einem vergleichsweise geringen Marktwert von derzeit 450.000 Euro der Garant für Siege der Bayern-Bubis. Neun Tore und zwei Vorlagen in 15 Spielen sprechen eine deutliche Sprache.

Hungrige Löwen gegen „Roter Sauser“

Die Perforemance der roten Nachwuchskicker in der dritthöchsten Spielklasse ist bis dato absolut vorzeigbar. Und dennoch liegt die junge Mannschaft um Cheftrainer Sebastian Hoeneß nur einen Punkt vor den zwölftplatzierten Löwen auf dem neunten Tabellenrang. Unabhängig von der alles vereinnahmenden Brisanz eines Derbys, ist das Spiel am kommenenden Sonntag auf Giesiengs Höhen an Spannung und Erwartung kaum zu übertreffen. Auf der einen Seite, die scheinbar durch einen überzeugenden Sieg in Halle wiedererstarkten Löwen, auf der anderen Seite ein Ensemble aus hoffnungsvollen Jung-Talenten und erfahrenen Bundesligaveteranen. Die Bayern-Youngster können mit ihrer spielerischen Klasse sicherlich jeden in dieser Liga schlagen. Am Ende ist die junge Truppe aber mit einem unfertigen Wein vergleichbar. Wie bei einem „Roten Sauser“ hat der Gärungsprozess bereits eingesetzt, mit einem guten Roten hat das aber noch lange nichts zu tun. Spritzig mögen sie sein. Diesem unfiltrierten Trauben-Most ist aber mit Löwenmut, einer breiten Brust und einer beharrlichen Agressivität in den Zweikämpfen durchaus beizukommen.

Lieferservice Michael Köllner

Lieber Michael Köllner, Sie hatten jetzt genügend Zeit unsere Spieler, unseren Verein kennenzulernen. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung außerhalb des Löwenkosmos, sind wir ein ehrlicher, wie auch liebenswerter Arbeiterverein. Wir haben unsere Tradition. Wir haben unseren Stolz. Wir haben die Größe, um eine Niederlage in Buchbach zu verkraften. Mit Ihrer offenen und sympathischen Art haben Sie nach wenigen Tagen unsere Herzen erobert. Der „Trainer-Effekt“ ist da. Und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, aber jetzt wird es Zeit zu liefern.

Bitte einmal die Nummer 9 mit einer scharfen Choreo in der West, einer wie immer inspirierenden Stehhalle, einer „bringt endlich euren Arsch hoch“ Haupttribüne, und wenn wir schon mal dabei sind, einen kleinen aber prägnanten Platzregen über Block „P“, als Dank für die rot-weißen Stufen in der West.

Zum Dessert drei wichtige Punkte. Mehr braucht die geschundene Löwenseele am Sonntag nicht.

„München ist Blau“

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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Aymen1860
Leser

Wenn wir unsere Chancen genutzt hätten, wäre auch ein Sieg drin gewesen. In den letzten drei Spielen ist auf jeden Fall eine positive Entwicklung erkennbar. Hinten stehen wir deutlich stabiler, weiter so….Soweit ich das aus der Westkurve beurteilen konnte, heute war’s deutlich voll als zuletzt, gesehen hab teilweise nicht viel.

anteater
Leser

Bislang haben wir in der 3. Liga noch keine drei Spiele in Folge gewonnen. Höchste Zeit, dass sich das ändert.

anteater
Leser

Schön geschrieben, vielen Dank für den Vorbericht.

jürgen (jr1860)
Leser

Das Logo der Seitenstrassler oben ist ja geil 🤣🤣🤣

blau91 , Du wirst immer besser 🦁🦁🦁

Loewen1860
Leser

Mir wäre es gar nicht aufgefallen….

Wolf
Leser

Selbst in der bearbeiteten Version möchte ich dieses Logo auf einer Löwenseite nicht sehen.

Tami Tes
Redakteur

Du hast keine Ahnung Jürgen… Er hat viele Versionen gebastelt und Arik und mich damit bombardiert. Mein Favorit war eins, wo alle Buchstaben nach unten gerutscht sind. Sensationell. Vielleicht zeigt er Dir das mal

jürgen (jr1860)
Leser

Da bin ich gespannt 🦁

TF1860
Leser

Klasse geschrieben, Sigi. wink
„…diesem unfiltrierten Trauben-Most…“ lol

anteater
Leser

Zahnspangenballett… lol

Tami Tes
Redakteur

Das „rote Zahnspangenbalett„ … herrlich. Es wird ein heißer Sonntag und Giesing wird brennen. Ich denke aber, das Davies spielen wird. Der FCB will das Ding gewinnen. Es geht ja gegen die Löwen.

Bin auf die roten Fans gespannt. Man erinnert sich, was beim letzten Mal los war. Gezündet wird sicher. Machen sie ja mittlerweile bei jedem Heimspiel…
Am Ende Wurscht. Ich hoffe so sehr, auf drei Punkte. Hiller, als alter Löwe, muss ins Tor und jeder auf das Spielfeld, der versteht, was ein Derby fur die Fans bedeutet. Also Jungs, reißt euch den Allerwertesten auf. Es geht um mehr als Prestige!

jürgen (jr1860)
Leser

München ist blau!
Das war so, ist so und wird immer so sein

Auf gehts Löwen,
kämpfen und siegen!

Thrueblue
Leser

Langsam kriecht die Gänsehaut hinten den Rücken rauf. Brust raus Löwen! Alle Wettanbieter sehen uns vorne!
Frage: Werden roten Lumpen eigentlich in die Stehhalle gelassen vom Ordnungsdienst? oder darf man da selbst für Ordnung sorgen? Paar Plätze auf der Haupttribüne haben sie ja unnötigerweise bekommen, oder?