Am kommenden Samstag (Anpfiff 14:00 Uhr) geht es für den TSV 1860 München im Stadt-Duell gegen die Reserve des FC Bayern München um mehr als nur drei Punkte. Blau gegen Rot. Ein Klassenkampf zwischen zweier Fangemeinden, wie er unterschiedlicher nicht sein kann. Wer wird Münchner Stadtmeister? Wer darf am Sonntag mit breiter Brust beim Bäcker seine Semmeln kaufen?

Bereits am 27.12.2020 hatte Michael Köllner, Trainer des TSV 1860 München, seine Mannen wieder auf den Trainingsplatz an der Grünwalder Straße 114 gebeten. Die Löwen konnten sich damit nur wenige Tage im Kreise ihrer Familien ausruhen. Und geht es nach den Verantwortlichen des TSV 1860 München, dann kann von Ausruhen ohnehin keine Rede sein. Das Transferfenster ist derzeit weit geöffnet und Günther Gorenzel steht im ständigen Austausch mit seinem Cheftrainer, um den Spielermarkt zu sondieren. Mit Marveille Biankadi wurde bereits eine Sturmalternative für den abgewanderten Martin Pusic im Kader der Löwen präsentiert. Ob es in der Winterpause weitere Verstärkungen im Löwenrudel geben wird, bleibt abzuwarten. Unter Zugzwang steht der TSV 1860 München jedenfalls nicht. Die Köllner-Truppe hat auf dem beachtlichen dritten Rang überwintert. Trotz der aktuell düsteren Umstände der weiterhin grassierenden Corona-Pandemie lebt damit der Traum nach Höherem zu streben im Umfeld der Löwen weiter. Da kommt das Stadt-Duell gegen die Reserve der schier übermächtigen Seitenstraßler gerade recht.

Rot-weiße Rasselbande

Michael Köllner und Günther Gorenzel sind alles andere als Träumer und wissen den vorwinterlichen Höhenflug der Löwen gut einzuordnen. Bereits im ersten Spiel nach der Winterpause gilt es für die Sechzger wieder alle Kräfte zu bündeln und gegen einen hochmotivierten Gegner mit aller Konzentration auf die anstehende Aufgabe zu Werke zu gehen. Mit der Reserve des großen FC Bayern wird der Vorjahresmeister beim TSV 1860 München im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße am kommenden Samstag zu Gast sein. Auch wenn der bisherige Saisonverlauf der kleinen Roten recht holprig verlaufen ist und man derzeit auf Platz 16 an der Kante zu den Abstiegsplätzen steht, wenn es gegen den Stadtrivalen geht, sind die jungen Ballkünstler aus der Seitenstraße immer im höchsten Maße motiviert. Die aktuelle Bayern-Reserve hat dabei kaum noch etwas mit dem Vorjahresmeister der Dritten Liga gemein. Vergleicht man die Mannschaft aus dem letztjährigen Stadtduell mit der Aufstellung im Spiel gegen die SpVgg Unterhaching kurz vor der Winterpause, dann standen mit Angelo Stiller, Nicolas Feldhahn und Torwart Ron-Thorben Hoffmann lediglich drei Spieler in beiden Spielen auf dem Platz. Mit Sarpreet Singh (1. FC Nürnberg), Mert Yilmaz (Antalyaspor) und Derrik Köhn (Willelm II) stehen wichtige Spieler der Vorsaison nicht mehr im Kader der Bayern-Reserve. Am meisten dürfte dabei der Abgang des Drittliga-Torjägers Kwasi Okyere Wriedt (Willem II) und des Vorbereiters vom Dienst Woo Yeong Jeong (SC Freiburg/Leihe Ende) ins Gewicht fallen. Gleiches gilt sicherlich auch für den Vorjahres-Meistertrainer Sebastian Hoeneß, der zu höherem berufen wurde und seit der neuen Saison an der Seitenlinie des Bundesligisten TSG Hoffenheim steht. Beerbt wurde Hoeneß von Holger Seitz. Der 46-jährige Fußballlehrer war bereits vor Sebastian Hoeneß in der Zeit vom 01.07.2018 bis 30.06.2019 als Cheftrainer für die Reserve-Bayern zuständig und leitete in der Zwischenzeit das Nachwuchsleistungszentrum der Andersgläubigen. Nachdem auch diese Saison wieder unzählige Nachwuchsspieler in den Profikader der Bayern-Reserve hochgezogen wurden, ist Holger Seitz sicherlich genau der Richtige, um gemeinsam mit den hoffnungsvollen Nachwuchskräften des Rekordmeisters den nächsten Schritt zu gehen. Der 33-köpfige Kader der Reserve-Bayern hat mit 21,1 Jahren den jüngsten Altersdurchschnitt der Liga. Stützen im Spiel der rot-weißen Rasselbande sind die Routiniers Nicolas Feldhahn (34), Maximilian Welzmüller (30) und Timo Kern (30). Letztgenannter ist als zentraler Mittelfeldspieler derzeit auch der Treffsicherste in einer ansonsten nicht gerade torhungrigen Bayern-Mannschaft. Von den bis dato 20 erzielten Treffern zeichnete sich der Routinier für sieben Tore verantwortlich. Auch wenn drei seiner Treffer durch Elfmeter erzielt wurden, sorgt der Rechtsfuß auch aus dem Spiel heraus immer wieder für Torgefahr. Für selbige soll in dieser Saison auch der Mittelstürmer Fiete Arp sorgen. Der 21-jährige Bad Segeberger wurde zum 01.07.2019 als große Nachwuchshoffnung vom Hamburger SV für die erste Profimannschaft verpflichtet und darf diese Saison in der Reserve beweisen, dass er eigentlich zu höherem berufen ist. Bis dato ist ihm das mit drei Toren und zwei Vorlagen nur bedingt gelungen. Inwieweit Vizekapitän Maximilian Welzmüller (30) nach einer überstandenen Verletzung bereits am Samstag wieder ins Geschehen eingreifen kann, muss sich erst noch zeigen. Was das anstehende Stadt-Duell „Blau gegen Rot“ für seine Mannschaft bedeutet, tat er aber unlängst im Münchner Boulevard kund. Demnach ist das anstehende Kräftemessen auf Giesings Höhen „das wichtigste Spiel des Jahres, für Verein und seine Fans“. Oder wie es Trainer Holger Seitz unlängst ausdrückte: „Wir werden alles rein werfen“.

Emotionales Stadt-Duell

Man kann es drehen und wenden, wie man will, und mögen die Trainer eine solche Partie auch noch so oft an den sportlichen Rahmenbedingungen festmachen – „Blau gegen Rot“ wird immer eine besondere, von Emotionen geprägte Partie sein. Dass der Rekordmeister-Nachwuchs aus der Seitenstraße kicken kann, ist bekannt. Im Stadtderby werden die Burschen aber auch mehr laufen und um jeden Meter auf dem grünen Rasen kämpfen, als in jedem anderen Spiel. Und genau darauf sollten sich die Löwen einstellen. Aber auch die Mannen um Kapitän Sascha Mölders werden hoch motiviert sein. Und Löwendompteur Michael Köllner wird den Seinen klar machen, dass ein Spiel nicht nur mit Emotionen gewonnen werden kann. Wer erinnert sich nicht an die brasilianische Nationalmannschaft bei der WM 2014, als die Selecao meinte für den verletzten Spielmacher Neymar junior gegen die Deutschen die Kohle aus dem Feuer holen zu können. Alle für Einen. Das vogelwilde Ergebnis (1:7) wird in den Köpfen Brasiliens noch über Generationen eingebrannt sein. Und so reduziert sich doch alles auf das sportliche Kräftemessen. Und dazu gehört neben der Motivation, dem Willen und den Emotionen in erster Linie das Konzept, der Match-Plan. Und wer zweifelt da an Michael Köllner und seinen Löwen? Neben der Motivation, dem Willen um jeden Quadratmeter auf dem Feld kämpfen zu wollen, geht es am Samstag darum, sich auf seine Stärken zu fokussieren und dem Gegner die eigenen Stärken zu nehmen. Sprich, die Löwen dürfen die Bayern-Bubis nicht spielen lassen. Aggressivität im Zweikampf und ein unablässiger Drang, selbst ein Tor erzielen zu wollen, wird den roten Jungspunden zu schaffen machen. Die Löwen haben im bisherigen Saisonverlauf 35-mal getroffen. Den Roten ist das mit zwei Spielen weniger erst 20-mal gelungen. Diesen Unterschied muss man am Samstag spüren. Ob Stefan Lex nach muskulären Problemen wieder in der Lage ist, für Akzente in der Offensive der Löwen zu sorgen, ist noch fraglich. Fest steht hingegen, dass Dennis Erdmann im Stadt-Duell wegen einer Gelb-Sperre nicht mitwirken darf. Alternativen hat Michael Köllner in jedem Fall genug, denn auch die Löwen verfügen über junge hungrige Nachwuchskräfte, die keine Lust darauf haben, am Sonntag beim Semmeln holen „derbleckt“ zu werden.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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