Das Treffen zweier Traditionsvereine mit vielen Parallelen

Unser nächster Gegner und Gastgeber, die Eintracht aus Braunschweig, trägt, wie der TSV München von 1860 einen Löwen im Wappen. Beide traditionsbewusste Fanlager träumen gerne von einer einmalig in den Sechzigerjahren errungenen Deutschen Fußballmeisterschaft. Ebenso verbindet beide Vereine eine Vergangenheit in der damaligen Drittklassigkeit während der Achtzigerjahre. Wie der TSV hat auch die Eintracht ihre Lizenzspielerabteilung in eine GmbH & Co KGaA ausgelagert. Beide Vereine sind wirtschaftlich dennoch nicht gerade auf Rosen gebettet. Bei den Braunschweiger Löwen führten finanzielle Erwägungen unlängst zur offiziellen Abmeldung der U23-Mannschaft für die kommende Spielzeit. Das wollen wir für unsere kleinen Löwen natürlich nicht hoffen.

Braunkohle-Essen oder Gras fressen?

Wenn man es so sehen will könnte man im Vergleich beider Vereine auch behaupten, dass eine “Christel” jeweils der größte Fan des Vereins ist. Während man über unsere ehemalige Stüberl-Wirtin und fleißige Stadionbesucherin Christl Estermann kaum Worte verlieren muss, ist es durchaus interessant, dass die Kurven-Mutti der Eintracht, Christel Neumann, aufgrund ihres Engagements in der aktiven Fanszene von der Stadt Braunschweig im Beisein von 450 Fans mit der Bürger-Medaille ausgezeichnet wurde. Volksnähe hat der Verein aus Braunschweig auch bei einem von der Eintracht-Stiftung am 28. Februar 2019 organisierten “Braunkohle-Essen” für von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen gezeigt. Insgesamt 450 bedürftige Gäste wurden zu einem ausgiebigen Essen eingeladen. Und nein, es wurde keine Braunkohle gereicht. Nachwuchsspieler fungierten als Kellner, das anwesende Trainergespann und ausgewählte Spieler der Profimannschaft erfüllten Autogrammwünsche. Und da wir gerade beim Essen sind, für unsere hoffentlich hungrigen Löwen gilt es am Samstag, im Eintracht-Stadion zu Braunschweig Gras zu fressen.

Vom Abstiegskandidat zum Hoffnungsträger

Denn genau das wird bei diesem Gegner von Nöten sein, um nicht mit leeren Händen von der nächsten Auswärtsfahrt nach Hause zu kommen. Die Eintracht aus Braunschweig ist als Zweitliga-Absteiger in die Saison gestartet und wurde von den Mitkonkurrenten direkt als Aufstiegskandidat gehandelt. Wie sich schnell herausstellen sollte, handelte es sich hierbei aber um eine grobe Fehleinschätzung. Und so griffen die Gesetze des Profifußballs auch bei der Eintracht, bereits am 19. Spieltag, als man mit nur 13 Punkten abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz liegend, Trainer Henrik Pedersen entlassen hat. Das freigewordene Traineramt wurde bereits eine halbe Stunde nach der offiziellen Entlassung durch keinen geringeren als André Schubert bekleidet. Die Erstliga-Vergangenheit (Borussia Mönchengladbach) von Schubert sollte die richtigen Impulse für die Mannschaft bringen.

Trainer André Schubert, Foto: (c) Sorodorin,
Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Danach sah es anfangs allerdings nicht aus. Bereits bei seinem ersten Spiel auf der Trainerbank, ausgerechnet in München gegen unsere Löwen, blieb der erhoffte Trainereffekt aus. In den neun verbleibenden Spielen in 2018 konnten unter der Führung des neuen Trainers gerade einmal sechs von 27 möglichen Punkten geholt werden. Am Jahresende stand man weiterhin auf dem letzten Tabellen-Platz und konnte nur magere 14 Punkte unter den Weihnachtsbaum legen. Die Mannschaft um Trainer Schubert dürfte damit nicht beruhigt in die Saisonhalbzeitpause gegangen sein.

Der Erfolg hat einen Namen

Wie viel Qualität ein André Schubert als Trainer hat, zeigte sich dann nach der Winterpause, die mit der Verpflichtung von acht Neuzugängen gut genutzt wurde. Kaum eine Mannschaft ist 2019 besser aus den Startlöchern gekommen. Bereits am zweiten Spieltag nach der Pause gab man die rote Laterne an den VfR Aalen ab. Seitdem klettert die Eintracht die Tabelle der Dritten Liga stetig nach oben. Mit 35 Punkten steht man aktuell auf Platz 15. Unbeirrt holten die Niedersachsen während ihres seit dem ersten Spieltag andauernden und sicher noch fortwährenden Abstiegskampfes ganze sechs Siege und zwei Unentschieden im neuen Jahr. Eine knappe Niederlage kassierte man lediglich im Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden.

Seit beeindruckenden sieben Spieltagen ist die Eintracht ungeschlagen. In zehn Spielen wurden 15 Treffer erzielt und gerade mal sechs Tore kassiert. Interessant ist dabei, dass diese Treffer, bis auf ein gegnerisches Eigentor, von insgesamt neun verschiedenen Spielern der Eintracht erzielt wurden, was es für uns schwierig machen dürfte, die gegnerische Mannschaft auszurechnen.

Wie gut die Arbeit von Trainer Schubert ist, zeigt auch, dass in den Rückrundenspielen mindestens jeweils fünf Winterneuzugänge auf dem Platz stehen. Mike Feigenspan, Marcel Bär und Bernd Nehring kamen neunmal in zehn Spielen zum Einsatz. Benjamin Kessel machte seit Jahresbeginn jedes Spiel. Als richtigen Schachzug erwies sich auch ein Wechsel im Tor. Mit Jasmin Fejzic wurde der zu Saisonbeginn nach Magdeburg abgewanderte Torwart und Publikumsliebling zwischen die Braunschweiger Pfosten zurückgeholt.

Eintracht Braunschweig vs. TSV 1860 München

Wir können uns am Samstag auf einen unangenehmen aber keineswegs unschlagbaren Gegner, bei dem Steffen Nkansah rot gesperrt fehlen wird, im fernen Braunschweig freuen. Gegen eine kompakt auftretende Mannschaft heißt es Tugenden wie Kampfgeist, Wille und Geduld auf den Platz zu bringen. Nur durch eine geschlossene Mannschaftsleistung, ähnlich wie im vergangenen Spiel gegen Meppen, werden wir auch in der Fremde etwas holen können.

Gras fressen und punkten, liebe Löwen aus München!

Liveticker und Diskussion

Eintracht Braunschweig vs. TSV 1860 München (Ligaspiel)

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