Nach den Preußen aus Münster ist am zweiten Spieltag der Rückrunde ein weiterer Traditionsverein zu Gast beim TSV 1860 München. Der Deutsche Meister der Saison 1966/67 und Gründungsmitglied der 1. Bundesliga, die Eintracht aus Braunschweig, macht den Löwen am kommenden Sonntag, 26.01.2020 im ersten Spiel nach der Winterpause seine Aufwartung. Das langersehnte Ende der Winterpause ist nah. Die Fangemeinde der Münchner Löwen freut sich auf das Kräftemessen im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße gegen den derzeit Viertplatzierten der Drittligatabelle. Die Braunschweiger Löwen sind sehr ambitioniert in ihre zweite Drittliga-Saison nach dem Abstieg aus der Zweiten Bundesliga gestartet. Im Hinspiel verlangten die Sechzger der Eintracht in einem Spiel auf hohem Niveau alles ab, mussten sich aber am Ende in Unterzahl mit einem knappen 1:2 geschlagen geben.

Gegner mit hohen Ambitionen

Die Braunschweiger verstärkten sich zu Saisonbeginn mit gestandenen Drittligaspielern, wie Nick Proschwitz (Mittelstürmer) aus Meppen, Martin Kobilansky (offensives Mittelfeld) von Preußen Münster, dem Schweizer Orhan Ademi (Mittelstürmer) von den Kickers aus Würzburg und Lasse Schlüter (linker Verteidiger) vom FC Energie aus Cottbus. Mit Christian Flüthmann wurde der Co-Trainer zum Chefcoach ernannt. Das Vertrauen schien sich anfangs auszuzahlen. Mit Flüthmann an der Seitenlinie biss sich die Mannschaft im oberen Drittel der Tabelle fest und belegte fast durchgängig einen der begehrten ersten drei Tabellenplätze. Der offensive Neuzugang Martin Kobylanski machte gleich im ersten Spiel mit einem Dreierpack auf sich aufmerksam. Auch gegen die Münchner Löwen traf er am zweiten Spieltag ins Schwarze.

Trainerwechsel als Allheilmittel?

Im Laufe der Saison kühlte sich die Euphorie der ambitionierten Braunschweiger allerdings etwas ab. Das Vertrauen in die eigene Stärke schien abhanden gekommen zu sein. Die Möglichkeit zum Aufstieg am Ende der Saison drohte in weite Ferne zu rücken. Nach acht Spielen in Folge mit nur einem Sieg zogen die Verantwortlichen die Reißleine. Auf Tabellenplatz fünf liegend und drei Punkte von einem Aufstiegsplatz entfernt war es vorbei mit dem Vertrauen in die Geschicke von Fußballlehrer Christian Flüthmann. Nachdem es am 15. Spieltag selbst bei den stark abstiegsgefährdeten Preußen in Münster auch nur zu einem mageren 1:1 reichte, sah sich der zu Saisonbeginn vom Absteiger VfR Ahlen verpflichtete Sportdirektor Peter Vollmann gezwungen, den Trainer freizustellen.

Mit Marco Antwerpen, zuletzt Preußen Münster, war schnell ein neuer Chefcoach gefunden. Zwei Siege in den darauffolgenden Spielen gegen Chemnitz und Zwickau brachte die Eintracht schnell wieder auf Kurs. Auch ein 0:0 bei dem starken Aufsteiger SV Waldhof Mannheim durfte als Erfolg verbucht werden. Ein magerer Punkt aus den letzten beiden Heimspielen (1:2 gegen Meppen; 2:2 gegen Magdeburg) vor der Winterpause zeigte dem neuen Cheftrainer aber deutlich auf, dass noch reichlich Sand im Getriebe seiner Mannschaft knirscht. In der Winterpause hatte Marco Antwerpen nun genügend Zeit mit der Mannschaft zu arbeiten. Für das Trainingslager im türkischen Belek zog er erst kürzlich eine positive Bilanz.

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Winterneuzugänge sollen Offensive stärken

Der 28-Mann-starke Kader der Braunschweiger steht aber unter seiner und der des Sportdirektors Peter Vollmann kritischen Beobachtung. Spieler wie Nick Proschwitz, Orhan Ademi und Leandro Putera haben nach Meinung der sportlich Verantwortlichen die Offensive der Braunschweiger Löwen nicht adäquat verstärken können. Auf dem Portal Liga3-online wurde bereits berichtet, dass die genannten Spieler gehen können. Zur Kaderverkleinerung sollen dem Bericht zufolge auch Linksaußen Mike Feigenspan und Linksverteidiger Lasse Schlüter beitragen.

In dieser Woche sind die Blau-Gelben auf dem Transfermarkt noch einmal tätig geworden. Mittelstürmer Marvin Pourié wurde kurzfristig bis Saisonende vom Karlsruher SC ausgeliehen. Der 29-jährige Angreifer scheint bei seinem bisherigen Trainer Alois Schwartz in Ungnade gefallen zu sein. Bis zum 14. Spieltag (0:3 gg. VfB Stuttgart) schien der treffsichere Rechtsfuß beim KSC fest im Sattel zu sitzen. Allein die Hälfte der Spiele bestritt Pourié über die volle Distanz. Über zwei Tore und eine Vorlage kam der Torschützenkönig der vergangenen Drittligasaison allerdings nicht hinaus. In den letzten vier Spielen durfte der ehemalige Löwenspieler (Jan. 2009 -Jan. 2010) für lediglich 16 Minuten aufs Feld. Ein Spiel sah er sich von der Bank aus an und am letzten Spieltag fehlte sein Name gänzlich auf dem Spielberichtsbogen.

Grund genug für Pourié das Weite zu suchen. Die Eintracht nahm das Angebot gerne an und kann sich für die Rückrunde auf einen treffsicheren Drittligastürmer freuen. In der vergangenen Saison erzielte Pourié in 37 Spielen 22 Treffer und steuerte 6 Torvorlagen zum Aufstieg des KSC bei. Gut möglich, dass der Mittelstürmer bereits am Sonntag von Anfang an auf dem Platz steht. Damit aber nicht genug. Die eigentlich auch finanziell nicht auf Rosen gebetteten Niedersachsen scheinen es mit dem Aufstieg ernst zu meinen.

Erst gestern Abend wurde bekannt, dass auch der Offensivspieler Merveille Biankadi vom 1. FC Heidenheim die Eintracht in der Rückrunde auf Leihbasis verstärken wird. Der beidfüßige Deutsch-Kongolese ist erst zu Saisonbeginn von Hansa Rostock in die Zweite Liga gewechselt, wo er bis dato nicht über 8 Einsätze und 198 Spielminuten hinausgekommen ist. In der Drittligasaison 2018/19 traf der ehemalige Banknachbar von Vitus Eicher für die Hanseaten allerdings 17-mal ins Schwarze und legte 11-mal zum Torerfolg auf.

Führungsspieler

Wieder an Bord ist der endlich genesene und in der Hinrunde im zentralen Mittelfeld schmerzlich vermisste Münchner Stephan Fürstner. Dem Vernehmen nach konnte er das Trainingslager in Belek voll durchziehen und ein Vorbereitungsspiel sehr zur Freude seines Trainers positiv gestalten. Dass Fürstner bereits im ersten Spiel nach der Winterpause, wenn es gegen die Münchner Löwen geht, in der Startelf stehen wird, liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Beim letzten Vorbereitungsspiel am vergangenen Samstag gegen den 1. FC Magdeburg (Endstand 0:0) stand der 32-jährige jedenfalls von Anfang an auf dem Platz.

Immer auf dem Platz zu stehen scheint der 1,91 m große Rechtsverteidiger Benjamin Kessel. Der ebenfalls 32-jährige Routinier ist ein unglaublich willensstarker Spieler. Unerbittlich und nicht immer fair in seinem Zweikampfverhalten. Eine schier unbändige Urgewalt, wenn er nach vorne marschiert. Um sich und seiner Mannschaft einen Vorteil zu verschaffen, scheint ihm jedes Mittel recht zu sein. Seine Gegenspieler sollten wissen, wem sie da auf dem Platz begegnen. Efkan Bekiroglu weiß was gemeint ist, schließlich ließ er sich in der vergangenen Saison gegen die Braunschweiger Löwen zu einer unbedachten Spuckatacke hinreißen. Auslöser sollen vorausgegangene verbale Provokationen von Kessel gewesen sein.

Das Warten hat ein Ende

Am Sonntag, 26.01.2020 um 13:00 Uhr rollt endlich wieder der Ball auf Giesings Höhen. Das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße, das Wohnzimmer aller Sechzger-Fans, öffnet seine Pforten. „Stehhalle, jemand zu Hause?“. Der Tabellenzehnte (29 Punkte) empfängt den Viertplatzierten (33 Punkte). Bereits im ersten Spiel nach der Winterpause kann sich demnach ein Weg abzeichnen, wo die Reise der Mannen von Michael Köllner in der Rückrunde hingehen wird. Letztendlich wird es aber nicht nur um Tabellenplätze und Punkte gehen. Es gilt mit einer guten Leistung aus der Winterpause zu kommen, Schwung und Selbstvertrauen für die noch anstehenden Spiele in der Rückrunde zu tanken. Michael Köllner hat im Trainingslager im spanischen La Manga neben dem intensiven Training auch viele Einzelgespräche mit den Spielern geführt. Das Vertrauen in seine Fähigkeiten ist groß. Die Rückrunde wird zeigen, ob der sympathische Fußballlehrer der Glücksfall für den TSV 1860 München ist, für den wir ihn alle halten.

Spannend dürfte auch die Aufstellung der Löwen am Sonntag sein. Die Langzeitverletzten Quirin Moll und Nico Karger haben im Trainingslager gut mitgezogen. Timo Gebhart dürfte auch wieder im vollen Besitz seiner Kräfte sein. Viel Zeit hat er nicht mehr, um zu beweisen, dass er in die Mannschaft gehört. Der Konkurrenzdruck im Kader ist hoch. Und das ist gut so. Allein Marco Hiller scheint das Duell auf der Linie für sich entschieden zu haben.

Am Ende zählt was auf dem Platz passiert. Und da brauchen unsere Löwen keine Angst vor einem vermeintlich übermächtigen Gegner zu haben. Spiele werden nicht mit klangvollen Namen oder statistischen Höchstwerten entschieden. Wille und Teamspirit sind gefragt. Lasst die Niedersachsen stürmen mit wem sie wollen, lasst den Kessel auf dem Platz reden was er will, wir sind die Löwen, wir sind zuhause und wir stehen hinter Euch.

Das Warten hat ein Ende. Auf geht’s Löwen, kämpfen und siegen.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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