Die erste Englische Woche in der noch jungen Drittliga-Saison steht an. Der TSV 1860 München empfängt am 6. Spieltag den 1. FC Saarbrücken im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße.

Saarbrücken? Da war doch was? Wer erinnert sich nicht an die beiden packenden Partien in der Relegation zur Dritten Liga gegen die Saarländer im Mai 2018?! Am Ende stand der Aufstieg für die Löwen in Liga 3 und eine unvergessene Feier auf Giesings Höhen. Für den damaligen Meister der Regionalliga Südwest bedeutete die verlorene Relegation den bitteren Verbleib in der Viertklassigkeit. In der darauffolgenden Saison spielte die vom ehemaligen Bundesligaspieler Dirk Lottner trainierte Truppe aus dem Saarland wiederum eine überdurchschnittliche Saison. Am Ende konnten die auf Platz zwei liegenden Saarländer einem schier übermächtigen Waldhof aus Mannheim mit sage und schreibe 21 Punkten Vorsprung nur noch in Richtung Dritter Liga hinterher schauen. In der vergangenen Saison klappte es aber endlich für den 1. FC Saarbrücken mit dem Aufstieg. Auf der Strecke ist allerdings der Trainer, Dirk Lottner, geblieben. Nach einer 1:0-Niederlage am 19. Spieltag gegen den Drittplatzierten TSV Steinbach sahen die Verantwortlichen trotz Tabellenführung das Saisonziel Aufstieg in Gefahr. Bereits zwei Spieltage später saß der zwischenzeitlich bei Carl-Zeiss-Jena geschasste Lukas Kwasniok bei den Saarländern auf der Bank.

Top-Spiel auf Giesings Höhen

Der „Aufstiegstrainer“ steht weiterhin an der Seitenlinie des 1. FC Saarbrücken und zeichnet sich für einen fulminanten Einstieg in den Profifußball verantwortlich. Nach einem Unentschieden zum Saisonauftakt und drei Siegen hintereinander steht die Kwasniok-Truppe vor dem 6. Spieltag mit 10 Punkten und einem Spiel weniger auf Platz Zwei der Drittliga-Tabelle. Am Mittwoch trifft demnach im Top-Spiel des Spieltages der Erste auf den Zweiten. Vergleicht man die aktuelle Mannschaft der Saarländer mit dem Relegationsgegner aus dem Jahr 2018, findet man gleich sieben Spieler, die im unvergessenen Rückspiel am 27.05.2018 im Grünwalder Stadion auf dem Platz gestanden sind. Wie damals bilden Spieler wie Daniel Batz im Tor, Kapitän Manuel Zeitz und Tobias Jänicke im Mittelfeld, sowie Sebastian Jakob im Sturmzentrum die Achse im Spiel der Saarbrücker. Hinzu kommen Mario Müller und Markus Mendler auf der linken Außenbahn sowie Steven Zellner in der Innenverteidigung. Kwasniok scheint einen guten Draht zur Mannschaft zu haben und immer die richtigen Worte zu finden. Als Aufsteiger versteht sich der 1. FC Saarbrücken nicht als demütiger Underdock mit bescheidenen Ambitionen, die Liga zu halten. Ganz im Gegenteil ist die Kwasniok-Truppe darauf bedacht, es den etablierten Mannschaften in jedem Spiel aufs Neue zu beweisen, dass der ehemalige Regionalligist zurecht im Profifußball angekommen ist. Die Devise des Trainers lautet: „Wir versuchen auch den nächsten Gegner zu ärgern“. Genau das ist den Saarländern auch in der vergangenen Runde des DFB-Pokals eindrucksvoll gelungen. Höherklassige Mannschaften wie Jahn Regensburg, 1. FC Köln, Karlsruher SC und Fortuna Düsseldorf mussten sich den couragiert aufspielenden Saarländern geschlagen geben. Erst im Halbfinale beendete der Bundesligist Bayer Leverkusen eine beeindruckende Pokal-Performance des damals noch viertklassigen 1. FC Saarbrücken. Mit der Gewissheit, auch gegen etablierte Proficlubs bestehen zu können, setzen die Blau-Schwarzen auch in der Dritten Liga ihre „Operation Gegner ärgern“ fort.

Ein Gegner ohne Schwachstelle?

Während Kwasniok in der vergangenen Saison noch auf ein 3-5-2-System gesetzt hatte, etablierte er in der Dritten Liga ein offensives 4-3-3. Die Neuzugänge Nicklas Schipnoski vom Zweitliga-Absteiger Wehen Wiesbaden und Maurice Deville von Waldhof Mannheim machten dieses offensive Spielsystem möglich. Auf den Außenbahnen versetzen beide Offensivkräfte, gemeinsam mit Sebastian Jakob in der Sturmmitte, die Gegner in nahezu permanenten Alarmzustand. Alle drei Offensivkräfte haben in den bisherigen vier Spielen jeweils bereits zweimal ins Schwarze getroffen. Hinzu kommt Markus Mendler, der in den vergangenen beiden Partien, jeweils von der Bank kommend, ebenfalls bereits zweimal erfolgreich war. Für die Bindung zwischen Defensive und Angriff sind Tim Golley und Tobias Jänicke verantwortlich. Beide haben mit dem 20-jährigen Last-Minute-Neuzugang Lukas Schleimer seit dem letzten Spiel im zentralen Mittelfeld Konkurrenz bekommen. Das Jungtalent des 1. FC Nürnberg wurde am letzten Tag der Wechselperiode per Leihe ins Saarland gelotst. In seinem ersten Spiel für den neuen Arbeitgeber gegen die SpVgg Unterhaching am vergangenen Sonntag wurde Lukas Schleimer für Tim Golley eingewechselt und sorgte während seines 15-minütigen Einsatzes mit zwei Torvorlagen für die Wende im Spiel. Dabei wäre dem 1,80 m großen Rechtsfuß beinahe selbst auch noch ein Tor gelungen. Stellt man der geballten Offensivfreude der Saarbrücker deren bisherige Defensivleistung gegenüber (erst zwei Gegentreffer), scheint man vergeblich nach einer Schwachstelle beim kommenden Gegner der Löwen zu suchen.

Welcher Matchplan ist der richtige?

Analysiert man aber den Treffer der SpVgg Unterhaching beim 2:1 vom vergangenen Spieltag, könnte der Schlüssel in einem hohen Pressing in Tornähe des Gegners liegen. Die Löwen sind mit ihrer kompakten und aggressiven Spielweise in der Lage, jeden Gegner in Bedrängnis zu bringen. Das sollte auch das Motto gegen den Zweitplatzierten am morgigen Mittwoch im heimischen Stadion an der Grünwalder Straße sein. Ein kompromissloses Anlaufen in des Gegners Hälfte hat dabei mehrere Vorteile. Bei Balleroberung im Angriffsdrittel ist der im Spielaufbau befindliche Gegner in der Regel kurzzeitig unsortiert und der Weg zum gegnerischen Tor nicht mehr weit. Auf der anderen Seite hält man den Gegner mit dieser Spielweise zur eigenen Gefahrenzone auf Abstand. Gelingt es den Löwen, diese Umschaltmomente auszunutzen, ohne die eigene Defensive zu vernachlässigen, dann stünde einem erfolgreichen Spielausgang gegen einen bärenstarken Aufsteiger nichts mehr im Wege. Vom Anpfiff weg sollten die Saarbrücker merken, dass es hier auf Giesings Höhen nichts zu holen gibt. Allein die Körpersprache kann hier schon entscheidend sein. Insoweit sehen wir im morgigen Spitzenspiel wieder Dennis Erdmann in der Startelf. Der „Aggressiv-Leader“ im Kader der Löwen hat am vergangenen Spieltag in Rostock, mit seinem ersten Löwentreffer, eine beeindruckende Bewerbung abgegeben. Wer sonst noch in der Startelf stehen soll darf gerne wieder spekuliert werden. Wen wird Michael Köllner für den gelb-rot-gesperrten Phillip Steinhart auf der linken Außenbahn auf den Rasen schicken? Leon Klassen wäre da sicherlich ein Kandidat. Ob er aber nach einer Mandelentzündung schon wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist wissen wir nicht. Vielleicht bekommt der erst 17-jährige Maxim Gresler eine Chance in der Vierer-Kette der Löwen. Denkbar wäre auch, den Linksfuß Stephan Salger auf die Außenposition zu ziehen und Daniel Wein in die Innenverteidigung zu berufen. Welchen Matchplan würdet Ihr Euch für das Kräftemessen gegen den 1. FC Saarbrücken wünschen?

Wen auch immer Michael Köllner auf den Platz schicken wird, wir werden wieder eine kompakte Löwen-Mannschaft auf dem Platz sehen, die den nächsten Entwicklungsschritt gehen will. Gegen einen selbstbewussten Aufsteiger wird jeder Einzelne an seine Leistungsgrenze gehen müssen, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen. Freuen wir uns auf ein Spitzenspiel, das hoffentlich seinem Namen alle Ehre machen wird.

FanTicker

Wir informieren euch über das Spiel unter: https://loewenmagazin.de/fanticker-tsv-1860-muenchen-vs-1-fc-saarbruecken/

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Snoopy.
Leser
Snoopy. (@snoopy)
1 Monat her

Saarbrücken einzuschätzen fällt schwer. Sie haben einen Lauf, sind gut gestartet, haben eine sehr stabile Abwehr, wenn man sich die Anzahl der erhaltenen Treffer ansieht. 2 Gegentreffer hat sonst niemand in der Liga, auch wenn sie ein Spiel hinterher sind. Ganz umsonst stehen sie im Moment nicht auf dem 2. Tabellenplatz.

Wenn es einen Sieger in dieser zuschauerlosen Partie geben sollte, dann eher glücklich. Ich bin mir nicht sicher, ob wir die Mittel haben, die Abwehr von Saarbrücken zu knacken. Mit hoch und weit auf Mölders es zu probieren, halte ich für nicht erfolgsbringend, wir müssen da schon unsere Geschwindigkeit in Spiel bringen und das nicht nur in den Beinen sondern auch im Kopf. Und vielleicht auch mal einen zweiten, regulären Stürmer (Pusic) neben Mölders parken, damit’s der IV von Saarbrücken nicht zu langweilig wird.

Viele Tore werden wir nicht zu sehen bekommen, ich tendiere auf ein Ergebnis wie gegen Rostock. Auch wenn es gegen einen Aufsteiger geht und man eigentlich mit 3 Punkte zu Hause rechnen müsste.

Tami Tes
Tami Tes (@tamites)
1 Monat her
Reply to  Snoopy.

Noch vor dem Wochenende hätte ich keine Bedenken gehabt, aber da sie Haching geschlagen haben, scheinen sie wirklich stark zu sein.
Auch hier ist es wichtig – egal was kommt, Ruhe bewahren und nach Vorne spielen. Spielermaterial ist da und Köllner weiß, was er tut.
Bin dennoch positiv gestimmt.