Als Günther Gorenzel zum Geschäftsführer Sport ernannt wurde, waren nicht alle begeistert. Die Beförderung wurde von Gesellschafter Hasan Ismaik gefordert. Ursprünglich wollte er die Mehrkosten übernehmen. Das tat er nicht. Seitdem steht Gorenzel oftmals im Focus – immer dann, wenn es nicht wirklich läuft und man bei der Kritik an der Kaderplanung ansetzt. Dann ist er Schuld. Doch aus der aktuellen Krise könnte Gorenzel gestärkt hervorgehen – ein Kommentar.

Zum Ende des Jahres müssen die Gesellschafter des TSV 1860 München eine Entscheidung treffen. Wollen die Löwen mit Günther Gorenzel verlängern oder nicht? In den Medien werden bereits mögliche Kandidaten für seine Nachfolge genannt – zumindest was das Amt des sportlichen Leiters betrifft. Doch ist es wahrscheinlich, dass die Löwen mit Gorenzel brechen?

Ein kräftiger Medienrummel um Sascha Mölders

Der TSV 1860 München erlebte einen kräftigen Medienrummel in den letzten Tagen. Der Grund hierfür: Sascha Mölders wurde suspensiert. Oder eben doch nicht. Über viele Monate soll es nicht immer ganz leicht gewesen sein, mit dem Löwenstürmer. Er soll Vorteile genoßen haben, die andere Spieler nicht hatten. Auf die unterschiedlichen Darstellungen will ich an dieser Stelle gar nicht explizit eingehen. Ein offizielles Statement, was nun tatsächlich vorgefallen ist, gibt es ohnehin nicht. Aber es soll ein schwelender Konflikt gewesen sein.

Sascha Mölders war stets polarisierend. Discounter-Semmeln belegt mit Wurst. Bei Interviews trank er Weißbier aus Dosen. Dazu eine Familie, die wie eine Mischung aus Wollnys und Geissens eine mächtig medial große Rolle spielte. Eine Wampe, die sich vermarkten ließ. Markante Sprüche in Richtung der Gegner. Und eben Torschützenkönig der vergangenen Saison.

Dann der große Knall. Köllner lässt Mölders vorerst nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. So mancher C-Promi aus Mallorca, der unkultivierte Ballerman-Hits trällert, stellte sich verteidigend vor den Löwenstürmer. Einer dieser Entertainer beschimpfte Köllner regelrecht. Eine verbale Attacke ohne Hintergründe zu kennen. Die eigentlich eine Entschuldigung verlangt.

Die Stimmung droht zu kippen

Die Stimmung droht zu kippen. Das Schlachtschiff der Löwen, das durch die deaströse Leistung ohnehin Schlagseite bekommen hat, bekommt mächtig Gegenwind. Es ist Günther Gorenzel, Geschäftsführer Sport, der die Wogen glättet. In ruhiger, sachlicher Art. Und es ist nicht die erste Krise, in der Gorenzel durchaus mit kühler und sachlicher Souveränität überzeugt. Auch beim Weggang von Daniel Bierofka hatte er einen gewichtigen Anteil am Krisenmanagement. So richtige Krisenstimmung kam erst gar nicht auf. Damals präsentierte Gorenzel rasch den Nachfolger Köllner.

Die Führung des TSV 1860 München muss sich durchaus die Kritik gefallen lassen, dass man nicht rechtzeitig gehandelt hat. Das man nicht früher auf den wohl sinkenden Teamgeist eingewirkt und Konsequenzen gezogen hat. Vielleicht ein Stück weit geblendet vom sogenannten Giesinger Frieden, von der Ruhe der Gesellschafter und dem Erfolg der vergangenen Saison, hat man gedacht, dass es irgendwie schon gut ausgehen wird. Als Mölders keine Tore mehr schoss und die Unzufriedenheit wohl auch beim Spieler selbst wuchs, zog man sehr spät einen Schlußstrich. Mölders nicht mehr in der Mannschaft – ein großer Knall, der viele Geister weckte. Ein großer medialer Knall bei den Löwen. Den vor allem Gorenzel im Griff hat.

Gorenzel bringt die Löwen in ruhiges Fahrwasser

Das Spiel gegen Borussia Dortmund wurde gewonnen. Durchaus souverän. Das ruhige Fahrwasser ist sichtbar und die Gemüter beruhigt. Nachtreten gibt es nicht. Für Sascha Mölders gibt es vermutlich kein Zurück mehr. Aber er kann, sofern er es will, in Frieden mit den Löwen abschließen. Seine Leistung für den TSV bleibt ja unbestritten. Das betont auch Gorenzel, der Mölders, taktisch klug, eben nicht aufs Abstellgleis stellt. Sondern betont, dass der Zug weiter fahren muss und dafür Entscheidungen notwendig waren. Entscheidungen, die man sich nicht leicht gemacht hat. Die Gorenzel aber souverän präsentiert.

Ein Spiel steht noch aus. Gegen die Würzburger Kickers. Und das wird nicht leicht. Doch nach der Leistung gegen Dortmund können die Löwen befreiter auftreten. Nicht nur. Sicherlich auch deshalb, weil Gorenzel so manchen Verantwortlichen den Rücken frei hält. Unter anderem Michael Köllner. Bei Pressekonferenzen dreht die Kamera immer dann in Richtung Gorenzel, wenn die Themen unangenehmer und klubpolitisch komplexer werden. Gorenzel ist oft der Buhmann, weil er die schwierigen Themen anpackt. Ob er aktuell zu ersetzen wäre? Jeder ist ersetzbar. Aber Gorenzel macht in Krisen und diplomatisch eher schwierigen Phasen einen verdammt guten Job beim TSV 1860 München.

IMAGO / Kirchner-Media

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