Die TSV 1860 Merchandising GmbH verlost in diesem Jahr einen Nissan Micra im 1860 München Design. Dabei werden Lose für 35 Euro verkauft. Das wirft Fragen auf. Denn die Verlosung müsste damit eine gesetzlich streng geregelte Ausspielung sein.

Wer kleine Lotterien oder Ausspielungen von Sachgewinnen veranstaltet, benötigt eine glücksspielrechtliche Erlaubnis. Werden ausschließlich Geldgewinne verlost, spricht man von Lotterien. Bei Sachgewinnen spricht man von einer Ausspielung. Findet alles ausschließlich in einem Raum statt, spricht man von einer Tombola. Eine recht einfache Genehmigungsmöglichkeit gibt es auch tatsächlich. Allerdings nur für gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Veranstalter, wie die Stadt München mitteilt. Ein Erstantrag muss mindestens vier Wochen vorher bei den entsprechenden Behörden eingehen. Inklusive eines Bescheids des Finanzamtes, dass man von der Körperschaftssteuer befreit ist. Der Vereins-Tombola für einen guten Zweck steht damit natürlich nichts im Weg.

35 Euro Einsatz und schon hat man die Chance auf ein schickes neues Auto. Und das auch noch im Sechzger-Design. Zumindest die 1860 Merchandising GmbH verspricht das den Löwenfans. Die Auslosung ist jedoch weder gemeinnützig, mildtätig oder kirchlich. Und somit gilt hier das staatliche Glücksspielmonopol.

Der Staat hat sich für das Glücksspiel das Monopol gesichert. Zum Einen um ein übermäßiges Angebot von Glücksspielen zu verhindern. Zum anderen soll sichergestellt werden, das ein angemessener Anteil der Einnahmen als Gewinn ausgeschüttet wird und tatsächlich auch nur der Zufall über Gewinn oder Verlust der Spieler entscheidet. Zuletzt sollen Lotterien und Ausspielungen nicht zu privaten oder gewerblichen Gewinnzwecken veranstaltet werden können, sondern ausschließlich zur gemeinnützigen, inbesondere zur wohltätigen, sport- oder kulturfördernden Zwecken. Auch die Einnahmen aus dem staatlichen Lottomonopol müssen zu 23 Prozent für gesetzlich festgelegte Zwecke ausgegeben werden, wie beispielsweise die Sportförderung, Kunstankäufe, Umwelt oder Jugendprojekte.

Eine kommerzielle Ausnahme in Deutschland, die nicht unter das Glücksspielmonopol fällt, sind sogenannte Call-in-Gewinnspiele. Bei denen Zuschauer über Telefonmehrwertdienste an Rate oder Quiz-Spielen teilnehmen können. Aufgrund des geringen Einsatzes fallen sie nicht im Sinne des § 284 StGB unter unerlaubte Veranstaltungen eines Glücksspiels. Fernsehsender machen sich das zu nutze.

Den entscheidenden Punkt spielt dabei der Einsatz, den Teilnehmer bringen müssen. Bei der Auslosung der Merchandising GmbH gilt sowohl der Losverkauf in Höhe von 35 Euro als Einsatz, als auch der Kauf einer Ware als Bedingung für die Teilnahme an der Verlosung. Nicht genehmigungspflichtig sind hingegen Verlosungen ohne Einsatz.

Beim zu verlosenden Nissan Micra bleibt in jedem Fall ein großes Fragezeichen. Bis Dezember 2020 soll die Verlosung laufen. Lose gibt es in den Fanshops.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

5
Hinterlasse einen Kommentar

Please Login to comment
avatar
  
smilewinklolsadballlionpretzelbeerstadiumlinkrollingheartzzzpolice
 
 
 
5 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
5 Comment authors
Kurt RennerBlue PowerHolzkirchnerSerkanLoewen1860 Recent comment authors

  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Kurt Renner
Leser

Meine Ansicht von kürzlich hat sich nun erst recht verstärkt, danke für die detaillierte Erklärung der Feinheiten, wieder was dazugelernt wink

„Angesichts der Geldströme der Merchandising GmbH verbietet sich für mich und meine Frau eine Teilnahme, schon gleich gar nicht über den Umweg der 150 € Einkaufswert.

Und angesichts der Klagewut des GF der Merchandising GmbH gegen LFGR und einzelner Personen ebenso.

Wirklich schade, daß wir der wohl einzige Fußballclub in Deutschland sind, wo das Merchandising nicht die Fußballer stärkt rolling „

Blue Power
Leser

Kann meinen Post von vor ein paar Tagen nur hier nochmal anbringen:

„Ein Zeichen, dass viele treue Fans diesen Shop meiden. Die Gründe sind bekannt, eine Klage gegen die eigenen Fans ist ja noch am OLG anhängig!
Jetzt solch eine fragwürdige Aktion. Das ist keine positive oder gar Erfolg versprechende Marketing Aktion. ich kann das beurteilen, bin seit 27 Jahren in dieser Branche tätig.
Hier geht es nur darum mit fragwürdigen Methoden den Umsatz schnell hochzutreiben um des Investors Taschen zu füllen. ich glaube der neue Sponsor, das Nissan Autohaus, hat noch nicht recht die Zusammenhänge bei uns geblickt, sonst hätten sie die Finger davon gelassen.
Man merkt bei dieser Aktion, Der US Boy hat wenig Herz für uns Löwenfans, aber um so mehr Interesse für seinen eigenen Geldbeutel und den seines Gebieters.“

Nie und nimmer würde ich an solch einer unseriösen Verlosung teilnehmen, erst recht nicht wenn sie dazu gedacht ist, dass sich ein ehemaliger Milliadär auf Kosten der treuen Fans die Taschen füllt!

#koanBlogger
#ohneHasan

Holzkirchner
Gast
Holzkirchner

ein Schwelm wer denkt dass die Familie Schnell das Auto gewinnen wird

Serkan
Leser

Die Nummer mit den überteuerten Losen stinkt doch zum Himmel. Würde ich nie unterstützen sowas.

Loewen1860
Leser

Ich würd sowieso auf keinen Fall bei dieser Art der Verlosung mitmachen. Dann is es mir auch egal wie legal oder illegal des is. Ich hoffe aber, dass es den Behörden nicht egal ist, und hier alles geprüft wird u ggf auch entsprechend geahndet wird. Wer eigene Fans verklagt, soll auch für eigene Verstöße büßen müssen. Frei nach dem Bibelzitat: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie!“

ELIL, ohne Hasi und sein Gefolge