Am heutigen Donnerstag hat der Bundesgerichtshof entschieden: Kollektivstrafen des Deutschen Fußball-Bundes sind rechtmäßig. Der Dachverband der Fanhilfen reagiert nun mit einer Stellungnahme. Er sieht ein fatales Signal für Fanrechte.

Der Dachverband der Fanhilfen ist ein deutschlandweiter Zusammenschluß von Fußball-Fanhilfen. Den Zweck sieht man im Verband in der Förderung von Interessen von Fußballfans, sowie die Wahrnehmung und Durchsetzung ihrer bürgerlichen Rechte. Auch die Kollektivstrafen des DFB sind dabei Thema. Am heutigen Donnerstag hat der Bundesgerichtshof die Rechtmäßigkeit von Kollektivstrafen seitens des DFB bestätigt.

Die Stellungnahme des Dachverband der Fanhilfen

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit seinem heutigen Urteil die aktuelle Sportgerichtsbarkeit des DFB bestätigt. Dagegen geklagt hatte der Verein FC Carl Zeiss Jena, da sich dieser aus seiner Sicht zu Unrecht mit einer Strafzahlung wegen des Einsatzes von Pyrotechnik durch seine Fans bestraft sah. Der Dachverband der Fanhilfen e. V. sieht in diesem Urteil ein fatales Signal für Fanrechte.

„Die vom DFB-Sportgericht verhängten Kollektivstrafen gegen Fans und Vereine widersprechen zutiefst dem Grundsatz der demokratischen Rechtsprechung. Nur wem eine konkrete Tat nachgewiesen wird, kann dafür strafrechtlich belangt werden. Dass der BGH dies bei seinem Urteil völlig außer Acht lässt und damit auch die unverhältnismäßige Weitergabe der Verbandsstrafen auf einzelne Fußballfans billigt, können wir nicht nachvollziehen. Gerade die oftmals jungen Fans werden dadurch doppelt bestraft, da einzelne Personen in der Regel nach solchen Vorfällen strafrechtlich verfolgt werden. Hinzu kommen nun die erwarteten Umlagen dieser Kollektivstrafen auf die aktiven Fanszenen. Diese Zustände sind eines Rechtsstaats unwürdig und hätten dringend vom BGH korrigiert werden müssen“, erklärt Danny Graupner vom Dachverband der Fanhilfen e. V.

Im konkreten Fall wurde der FC Carl Zeiss Jena vom DFB-Sportgericht nach angeblichem Fehlverhalten seiner Fans zu einer Strafzahlung in Höhe von 24.900 Euro verurteilt. Gegen diese Entscheidung klagte der Verein und begründete dies damit, dass die Sportgerichtsbarkeit gegen die öffentliche Ordnung verstoße.

Gerichtsentscheidungen des DFB zu Vorfällen im Stadion beruhen immer darauf, dass einer größeren Personengruppe ein angebliches Fehlverhalten vorgeworfen wird. Die dafür verhängte Strafe wird in der Regel im Anschluss von den Vereinen an wenige Personen weitergegeben. Das ist Sippenhaft, wie wir sie nur aus dem Mittelalter kennen und zeigt eindeutig, dass das Verteilen von Kollektivstrafen mit der Gießkanne unverhältnismäßig ist. Zehntausende Euro sind für einzelne Personen nicht bezahlbar, für Vereine oftmals aber ein minimaler Posten in ihren millionenschweren Etas. Diese Praxis der Umlage von Kollektivstrafen auf einzelne Fans muss dringend beendet werden“, erläutert Danny Graupner abschließend.

Hannover, 04. November 2021

Quelle: https://www.dachverband-fanhilfen.de/pressemitteilungen/fatales-signal-fuer-fanrechte-mittelalterliche-sippenhaft-des-dfb-bleibt-erneut-unangetastet/

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Bundesgerichtshof: Kollektivstrafen durch Deutschen Fußball-Bund sind rechtmäßig

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nofan
nofan (@guest_61392)
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26 Tage her

In Deutschland ist der Einsatz von Pyrotechnik grundsätzlich verboten. Und wer sich dennoch mit Gruppen zum Zündeln ins Stadion begibt, sollte dafür auch zur finanziellen Verantwortung gezogen werden. Alles andere wäre Heuchelei. Vor allem kann ich nicht erkennen, worin der Sinn liegen soll, dass Pyromanen Unbeteiligte in Gefahr bringen dürfen. Wer Neujahr einmal eine Notaufnahme besuchen musste, sollte für die Abschaffung der unsinnigen Ballerei Verständnis aufbringen können. Auch weil in nicht unbeträchlichem Umfang Schadstoffe hierdurch frei gesetzt werden, wenn man denn den Klimaschutz ernst nehmen will.

Was hat das mit Sippenhaft und Kollektivstrafen zu tun? Hier geht nach meiner Einschätzung um die übliche gesamtschuldnerische Haftung in diesem Fall für bewusst in Kauf genommene Schäden durch grobe Fahrlässigkeit.

Und wenn man die Argumentation dieses Verbandes zuende durchdenkt, steht dann nicht im Raum, dass die Vereine, weil sie vielleicht finanzkräftiger sind, auch für die Personenschäden haften sollen, die Unbeteiligten durch Pyromanen zugefügt werden?