Am kommenden Wochenende wird der TSV 1860 München auswärts nach Zwickau fahren. Erst eine weitere Woche später gibt es dann wieder ein Heimspiel auf Giesings Höhen. Endlich wieder mit Zuschauern?

Der 7-Tage-Inzidenz-Wert ist entscheidend, ob der TSV 1860 München Zuschauer in das Sechzger Stadion lassen darf. Der Schwellenwert hierfür liegt bei 35. Mit über 55 Inzidenz lag München vergangene Woche noch deutlich drüber. Doch der Wert sinkt. Bereits gestern wurde ein Wert von 37,99 veröffentlicht. Es ist anzunehmen, dass der Wert an diesem Wochenende weiter sinkt. Vor allem weil das Wetter schlechter geworden ist. Die Münchner werden wohl weniger aus dem Haus gegangen sein. Und das Wetter wird nicht besser. Zwar kann sich am heutigen Sonntag die Sonne über der bayerischen Landeshauptstadt immer wieder durchsetzen. Die kommende Woche bleibt regnerisch. Corona-Hotspots an der Isar oder sonstigen öffentlichen Plätzen wird es damit wohl weniger geben. Am 5. Oktober, also dem Montag vor dem nächsten Heimspiel, sind die Chancen also gut, dass der Inzidenz-Wert unter 35 gesunken ist.

Kritik am Inzidenz-Wert

Der Inzidenz-Wert als Schwellenwert für die Zuschauer fürs Stadion? Ein Wert, den man durchaus in Frage stellen muss. Zweifelsohne ist Corona eine ernstzunehmende Pandemie, die eingedämmt werden muss. Der Inzidenz-Wert gibt an, wie viele Münchner pro 100.000 Einwohner positiv getestet wurden. Nicht wie viele daran erkrankt sind. Nehmen wir mal an, in einer Firma gibt es vier Angestellte, die das Virus in sich tragen. Zeigen sie keine Symptome, werden sie auch nicht getestet. Der Inzidenz-Wert steigt nicht. Zeigt allerdings auch nur einer der vier Symptome und wird getestet, wird das Gesundheitsamt auch die Testung seiner Kollegen anordnen. Prompt steigt der Wert um vier weitere Einwohner, obwohl nur einer davon erkrankt ist. Der Wert sorgt dann je nach Höhe gegebenenfalls für Maßnahmen der Behörden. Für Bürgerinnen und Bürger nicht gerade ein Anreiz, sich testen zu lassen.

Am kommenden Wochenende werden wohl viele Fans den Inzidenz-Wert genau beobachten. Und hoffen, dass gegen den VfB Lübeck wieder Zuschauer ins Stadion dürfen.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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anteater
Gast
anteater (@guest_50901)
23 Tage her

Der Umgang mit der Pandemie ist, wenn man die Kontrolle behalten und dennoch möglichst viel Freiheit zulassen möchte, eine Gratwanderung sonder gleichen.

Als Beispiel hier die aktuelle Meldung aus Berlin-Mitte, die 50,4 Neuinfektionen/100k EW * 7d haben: Nachverfolgung funktioniert nicht mehr. Wie gesagt, eine Gratwanderung und wenn man die Kontrolle verliert, dann kann es ganz flott gehen mit unschönen Szenen, die uns in Deutschland glücklicherweise bislang weitgehend erspart blieben.

harie
Leser
harie (@harry-riedl-harie)
23 Tage her

Der Inzidenzwert ist die Anzeige der Neuinfektionen innerhalb von 7 Tagen. Nicht die Anzahl an Tests.

harie
Leser
harie (@harry-riedl-harie)
23 Tage her
Reply to  ArikSteen

Dein Fazit dass 4 getestet aber nur einer erkrankt wäre und deshalb der Inzidenzwert gewissermaßen künstlich erhöht sei, ist eben falsch.

Aymen1860
Leser
Aymen1860 (@aymen1860)
23 Tage her

Der Inzidenzwert ist ein von der Politik festgelegter Richtwert. Er könnte statt bei 35/50 wie in Bayern auch bei 15/30 oder 75/100 liegen.
Mit einem guten Hygienekonzept könnte man meiner Meinung nach (sorry wenn ich mich wiederhole) locker bei jeder Infektionslage, 20 Prozent der Zuschauer ins Stadion lassen, ohne ein großes Risiko ein zu gehen.
Die meisten stecken sich im Privaten oder in der Firma an.
Für mein Berufsleben wird mir auch zugemutet, mich in eine überfüllte SBahn zu quetschen und täglich bis zu 8 Stunden in einem kleinen Klassenzimmer mit 25 Schüler ohne Abstand zu verbringen.
Aber am Wochenende, da soll es dann nicht möglich sein, mit wenigen anderen und viel Abstand eine Freiluftveranstaltung zu besuchen, noch dazu freiwillig……

harie
Leser
harie (@harry-riedl-harie)
23 Tage her
Reply to  Aymen1860

Es geht bei den Maßnahmen ja auch um die Verhältnismäßigkeit. Der Weg zur Arbeit ist dabei halt eher des Risiko wert als der Besuch eines Fußballspiels.

anteater
Gast
anteater (@guest_50900)
23 Tage her
Reply to  harie

Und dass Kinder und Jugendliche weiterhin eine Schulausbildung bekommen auch! Auf jeden Fall wichtiger als ein Stadionbesuch.

harie
Leser
harie (@harry-riedl-harie)
23 Tage her
Reply to  anteater

Natürlich

anteater
Gast
anteater (@guest_50886)
23 Tage her

Der Inzidenz-Wert gibt an, wie viele Münchner pro 100.000 Einwohner positiv getestet wurden. Nicht wie viele daran erkrankt sind.

Wobei natürlich, nach aktuellem Stand der Wissenschaft, dafür, ob jemand andere Personen infizieren kann, komplett irrelevant ist, ob er/sie Symptome zeigt. Das ist ja wahrscheinlich mit „erkrankt“ gemeint.
 
Meines Erachtens ist das gebrachte Beispiel, wohlwollend ausgedrückt, irreführend. Ob in der Praxis alle Kontakte 1. Grades getestet werden und wenn ja, wie lange das noch so sein wird, sei dahin gestellt. Kontakte 2. Grades können sich auch längst infiziert haben, werden, je nach Region, in Quarantäne beordert und eben nicht getestet. So kann man Infektionsketten unterbrechen, es gibt da ganz anschauliche Artikel aus Japan aus dem Frühjahr, die zeigen, wie das dann funktioniert. Und es gibt auch eindrückliche Beispiele dafür, wie schnell sich dieses Virus wie weit ausbreitet (Lehrerin -> Schüler -> Geschwister und Mutter -> Arbeitskollegin der Mutter).
 
Wenn eine der vier infizierten Personen jetzt auf eine größere Veranstaltung geht, sich dort als Mickey Mouse in die Kontaktliste einträgt, zehn weitere Personen ansteckt, die wiederum je zehn weitere Personen anstecken, weil man lieber hustend und keuchend in der Gegend rumläuft, anstatt sich freiwillig zurückzuziehen oder testen zu lassen, dann haben wir den Salat. Und die vier Kollegen wissen noch immer nicht, dass sie infiziert waren oder sind.
 
Anders als in den USA agiert man in Europa (EU) in der Regel nach dem Vorsorgeprinzip. Heißt zum Beispiel, dass man ein chemisches Produkt erst dann in Umlauf bringen darf, wenn die Unbedenklichkeit für die Allgemeinheit nachgewiesen ist. Umgekehrt muss man in den USA nachweisen, dass man durch ein Produkt geschädigt wurde, in Umlauf bringen kann man Stoffe und Waren dort ungleich einfacher.
 
In Hinblick auf z.B. eine Pandemie ist das Vorsorgeprinzip durchaus sinnvoll, denn letztlich ist nicht nur relevant, wie viele Menschen an einer Infektion versterben, die noch etliche Jahre hätten weiterleben können, sondern auch die Spätfolgen einer Infektion.

Interessanterweise waren die Spätfolgen bei SARS-1 sehr signifikant. Nach drei Jahren waren noch mindestens 20 % der ehemals Infizierten dauerhaft arbeitsunfähig. Das mag bei einem Virus wie SARS-CoV-1 (volkswirtschaftlich) vielleicht noch vertretbar sein, war es doch schwer übertragbar. SARS-CoV-2 ist deutlich infektiöser.

Spätfolgen kann man circa ab einem halben Jahr nach Ausbruch einer Pandemie wissenschaftlich sinnvoll beforschen. Das fängt also gerade an. Wenig (gar nicht!) überraschend zeigen sich auch hier deutlich verbreitete Spätfolgen, auch das chronische Erschöpfungssyndrom, das eben zur dauerhaften Arbeitsunfähigkeit und einem signifikanten Verlust der Lebensqualität führt. Erste Studien zeigen, dass das Ausmaß hier durchaus relevant ist, also ein vergleichsweise hoher Prozentsatz ehemals Infizierter Spätfolgen zu beklagen hat.

Unter diesen Gesichtspunkten halte ich persönlich es für grob fahrlässig und äußerst fragwürdig, öffentlich eine Haltung wie „Für Bürgerinnen und Bürger nicht gerade ein Anreiz, sich testen zu lassen.“ zu verbreiten und somit möglicherweise sogar zu propagieren. Wer sich, trotz naheliegendem Verdacht auf eine Infektion nicht testen lässt oder zumindest äußerst zurückhalten verhält, weil sonst die Inzidenz hochgeht, handelt zutiefst rücksichtslos und egoistisch.
 
Hier mal eine Sendung von dieser Woche im DLF mit Anrufern und Anruferinnen, die von ihrer SARS-CoV-2-Infektion und auch davon, wie es ihnen Monate später geht, berichten:

https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2020/09/25/ich_hatte_corona_erfahrungen_mit_der_pandemie_dlf_20200925_1010_6cc097b2.mp3

harie
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harie (@harry-riedl-harie)
23 Tage her
Reply to  anteater

Richtig.
Absolut nicht zu vernachlässigen sind die möglichen gesundheitlichen Folgen.
Und die können durchaus auch jüngere Menschen treffen. Neben lebenslangen körperlichen Beeinträchtigungen oder Totalausfällen(Geruch Geschmack) sind das auch erhebliche finanzielle Folgen für die Krankenkassen die alle Beitrags- und Steuerzahler betreffen.

Alex Kuhn
Leser
Alex Kuhn (@alexbowie)
23 Tage her

Sicherlich ist richtig, dass das Wetter schlechter wird und die Leute sich nicht mehr so häufig an den öffentlichen Plätzen treffen. Aber es gibt viele, die es sich dann, unter Umständen auch mit vielen Freunden, daheim gemütlich machen. Beschränkungen hin oder her. Und genau da sehe ich das größere Problem. Ich wünsche mir auch, dass wir wieder ins Stadion dürfen. Bin aber leider auch zwiegespalten, was die Umsetzung eines Hygienekonzeptes betrifft. Schaut man sich die Spiele mit Zuschauern im TV an stellt man fest, dass es zumindest in jedem 2. Stadion dann doch nicht so ganz gelingt mit Einhaltung der Abstandsregeln. Und aus verständlichen Gründen – wenn “ meine “ Mannschaft Tore macht und siegt, dann fall ich persönlich auch fast jedem vor Freude um den Hals. Als emotionaler Mensch ist das eine schwierige Sache, und dafür brauch ich persönlich dann nicht mal Alkohol.

harie
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harie (@harry-riedl-harie)
23 Tage her
Reply to  ArikSteen

Da die Leut aber eben auf StüberI Isarauen und Wiesnmaß ned verzichten können, wird Alles was größere Zusammenkünfte fördert gecancelt.
Schuld ist eher nicht die Politik.Die reagiert nur auf das Verhalten der Bevölkerung.

anteater
Gast
anteater (@guest_50899)
23 Tage her
Reply to  ArikSteen

Löwenstüberl ja, Grünspitz nein, nach den Bildern, die ich sehen durfte.

Kritisch bei Stadionbesuche sind wohl vornehmlich Ein- und Auslass, Anfahrt mit Öffis.

Wenn im Stadion ohne Maske gesungen wird, ich brauche hier ja wohl niemandem erzählen, dass es da sonst schon zu erheblicher feuchter Aussprache kommt. Da hätte man dann das Ansteckungsrisiko schon in deutlicher Form.