Kaiser Augustus beherrschte es, genauso wie sein Nachfolger Tiberius. Und auch so manch anderer Herrscher wusste ebenfalls, wie man das Volk glücklich macht. Durch panem et circenses – durch Brot und Spiele. Das klappte vor allem deshalb, weil es damals kein Internet gab. Man stelle sich nur vor: der Kaiser verspricht öffentliche Hinrichtungen, Gladiatorenkämpfe, Löwen die Christen jagen – ja all das Schöne, das man sich so als Bürger vorstellen kann. Und statt bis dahin als Bürger seinen Pflichten nachzugehen, hart zu arbeiten, damit man dabei sein kann, wenn Köpfe rollen, sitzt man Handy und diskutiert. Zum Beispiel ob man Christen nicht mal zur Abwechslung von Elefanten zertreten lassen könnte. Oder anstatt der Christen einfach mal den römischen Senat über den Platz jagen kann. Ein anderer würde dann eine Debatte anfangen, dass die Maßnahmen gegen die letzte Pest ja vollkommen überzogen gewesen waren. Internet und Social Media das gab es nicht. Und wenn ich mir vorstelle, ich wäre damals ein römischer Bürger gewesen – ich hätte mich wahrscheinlich nur halb so viel auf eine Hinrichtung freuen können, wenn man mir in den römisch-sozialen Netzwerken die Köpfung eines germanischen Kriegers von vorneherein madig gemacht hätte. Oder schlimmer noch: anstatt von den bevorstehenden Menschenopfern zu schreiben, über die Herkunft der Pest zu philosophieren.

Der TSV 1860 München als Katalysator für die Problemfelder der Menschen?

Die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile leben wir in einer aufgeklärten Gesellschaft. Mit sozialen Netzwerken, die uns die Freiheit bringen, alles zum Ausdruck zu bringen. Jederzeit. Mitsprachrecht, Meinungs- und Informationsfreiheit sind wesentliche Bestandteile unserer Demokratie und unseres Wertesystems. Man darf mich nicht missverstehen, das alles schätze ich sehr. Aber manchmal wünsche ich mir doch eben nur Brot und Spiele. Nein, natürlich keine Gladiatorenkämpfe, keine Hinrichtungen oder gejagte Christen. Sondern Brot und Fußball. Oder vielleicht besser noch: Bier und Fußball. Manchmal kommt es mir jedoch so vor, als sei Sechzig der Katalysator für viele private und gesellschaftliche Probleme der Fans. Meinungsfreiheit ist schön und gut, aber ist dieses Menschenrecht auch gleichzeitig eine Verpflichtung, überall seinen Senf dazu zu geben?

Zugegeben, meine Fragestellung ist eine Gratwanderung. Und gerade mit dem einleitenden Text auch mit einer deutlichen satirischen Note unterstrichen. Und es geht mir auch nicht darum, Meinungen nicht zuzulassen. Aber ich für mein Teil habe entschieden, dass ich die kommende Zeit mehr mit „Brot und Spielen“ verbringen möchte. Dazu muss ich meine Komfort-Zone verlassen, das Handy ausschalten und zu Sechzig gehen. Angebote gibt es übrigens massenweise – sowohl was „flüssiges“ Brot als auch Spiele anbelangt.

Moment. Brot und Spiele? Ist das nicht eine Taktik, um die Bürgerinnen und Bürger von wesentlichen Themen abzulenken? Ja! Ist es. Und meinerseits auch tatsächlich so gewählt. Ich will Ablenkung. Ich will mich fallen lassen.

So viel Brot und so viele Spiele …

Heute abend spielt in Aying die SG Aying / Helfendorf gegen die TSV 1860 Legenden. Anpfiff ist um 18.60 Uhr. Es gibt noch Karten an der Abendkasse.

Am morigen Samstag ist um 12 Uhr ist Faßanstich im Biergarten des Löwenstüberl. Flüssiges Brot in Form von Wiesnbier. Um 14 Uhr spielen dann die Löwen. Fußball, wohlgemerkt. Sie jagen längst keine Christen mehr. Ihr habt eine Dauerkarte? Dann nutzt sie doch bitte auch.

Nächste Woche ist dann Kinostart von Lionhearted, einer Dokumentation über unsere Boxer. Am 20. September gibt es im Rio Filmpalast München die Publikumspremiere um 20 Uhr!

PRO 1860 veranstaltet am Mittwoch eine Lesung. „In 90 Minuten um die Welt“ mit Buchautor Michael Stoffl.

Ab Donnerstag dann die Sechzger Wiesn. Mit einem großen Programm. Und ihr tut sogar was Gutes: alle Einnahmen fliessen ins Nachwuchsleistungszentrum. Das geht bis Sonntag.

Das Auswärtsspiel der Löwen kann man übrigens auch bei der Sechzger Wiesn sehen. Oder man fährt mit ins Stadion am Lotter Kreuz. Tickets gibt es hier: Tickets für Auswärtsspiel des TSV 1860 beim SC Verl

Frauenfußball wird auch gespielt. Am Sonntag, den 26. September 2021 ist Liga-Start für die weiss-blauen Löwinnen.

Passt auf euch auf. Corona ist noch nicht vorbei. Aber es lohnt sich, zu Sechzig zu gehen. Ein Stück Normalität wieder zuzulassen. Sechzig zu leben, zu atmen, zu spüren. Und nicht nur sich durch Sechzig durchzuscrollen. Als wäre jede Löwen-Schlagzeile ein langweiliges Tinder-Date. Wirklich schöne Augenblicke gibt es vor allem vor Ort, selbst erlebt und selbst gesehen.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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