Der eine oder andere Löwe schielte in den vergangenen Jahren scheinbar neidisch nach Haching. Ein toller engagierter Präsident, den man sich auch für Sechzig wünscht, so mancher Fan. Doch längst ist in Haching nicht mehr alles eitel Sonnenschein.

Ein Bilanzverlust in Höhe von 5,8 Millionen Euro hat in der Saison 2019/20 nicht nur das gesamte Eigenkapital aufgezehrt. Es kam sogar zu einer Unterdeckung von 1,89 Millionen Euro. Wäre die Kapitalrücklage in Höhe von 2,6 Millionen Euro nicht zur Verlustabdeckung aufgebraucht worden, wäre der Bilanzverlust noch deutlich höher ausgefallen. 39.678,51 Euro hatte die Spielvereinigung vor der Saison 2020/21 auf dem Bankkonto. Große Sprünge, das war wohl allen klar, konnte man damit nicht machen. Gespart wird dennoch nicht. Der Personalaufwand für die 1. Mannschaft betrug 2019/20 3,2 Millionen Euro. In der laufen Saison (2020/21) sind es 3,6 Mio Euro.

Präsident Manfred Schwabl macht zum großen Teil die Corona-Pandemie für die Finanzmisere seiner Spielvereinigung Unterhaching verantwortlich. Im Jahresabschluss ist jedoch vermerkt, dass die Einnahmen aus dem Spielbetrieb bei lokalen Zuschauerzahlen relativ niedrig sind. Corona hat also im Vergleich zu anderen Drittligisten deutlich weniger Auswirkung auf die SpVgg Unterhaching. Auch ohne Corona würden Hachings Finanzen nicht wirklich viel besser aussehen.

Positiv für Schwabl: mit Nico Mantl konnte ein enorm lukrativer Verkauf vorgenommen werden. Hachings Torwart brachte in der Winterpause Transfererlöse in Höhe von 1,75 Millionen Euro. Verkauft an Red Bull Salzburg. Doch trotz dieser Transfererlöse besteht für die aktuelle Saison noch eine Liquiditätsunterdeckung von 4,5 Millionen Euro.

Die SpVgg Unterhaching hat also ein Liquiditätsproblem. Um dies zu beseitigen, plant Schwabl nochmals weitere Aktien zu platzieren. Allerdings können bei einem derzeitigen Börsenkurs von unter 4 Euro keine großen Aufgelder verlangt werden. Der Deutsche Aktienindex (DAX) ist derzeit auf Höchststand und der Aktienkurs der Spielvereinigung hat sich seit Börsengang mehr als halbiert.

Interessant ist, dass sich am 27.02.2020 wohl ein Investor mit einer Patronatserklärung zur finanziellen Unterstützung der Spielvereinigung bis zu einem Gesamtbetrag in Höhe von 7,5 Millionen Euro verpflichtet hat, sofern weitere Platzierungen von Aktien nicht zum Ziel führen. Ein ähnliches Angebot hat der TSV 1860 München von Ismaik auf dem Tisch liegen. Das sogenannte nachhaltige Finanzpaket.

Der Fortbestand von Schwabls Fußball-Gesellschaft hängt von einer fristgerechten Zuführung finanzieller Mittel aus geplanten Maßnahmen, sprich, weiteren Platzierungen von Aktien, sowie der zugesagten Finanzierung des nicht genannten Investors ab.

Am 05.03.2021 wurden neue Aktien bei der SpVgg Unterhaching ausgegeben. Es waren aber nur 10.000 Stück a 10 €. Der Nettoemissionserlös in Höhe von 95.000,00 € soll zur Stärkung der Eigenkapitalbasis eingesetzt werden. In der aktuellen Lage wohl ein Tropfen auf den heißen Stein. Mehr nicht.

Insgesamt ist fragwürdig, ob die SpVgg überhaupt wieder auf die Beine kommt. Die gesamten Einnahmen von insgesamt 4,3 Millionen Euro decken nicht einmal die Ausgaben für das Personal inklusive Sozialausgaben (4,6 Millionen Euro). Geschweige denn die Kosten für Spiel- und Stadionbetrieb, Abgaben an den Verband, Werbeaufwand, Infrastruktur und vieles mehr.


Über die Spielvereinigung Unterhaching Fußball GmbH & Co. KGaA

Den Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit der Spielvereinigung Unterhaching Fußball GmbH & Co. KGaA bildet der Profifußball rund um die Profimannschaft. Die Profimannschaft spielt derzeit in der 3. Liga. Zu den Haupttätigkeitsbereichen der Gesellschaft zählen insbesondere die mediale Vermarktung, Sponsoring, Spielbetrieb/Ticketing, Catering/Hospitality, Transfererlöse sowie die Nachwuchsarbeit. Die Einnahmen aus Merchandising sind bei der Emittentin derart gering, dass diese nicht zu den Haupttätigkeitsbereichen der Gesellschaften zu zählen sind. Zur Geschäftstätigkeit der Spielvereinigung Unterhaching Fußball GmbH & Co. KGaA gehören auch die Juniorenmannschaften U 16, U 17 und U 19. Die U 16 spielt derzeit in der B-Junioren Bayernliga, die U 17 in der B-Junioren Bundesliga Süd/Südwest und die U 19 in der A-Junioren Bayernliga.

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serkan

Würde mir wünschen, dass Haching drin bleibt. Sieht nur leider so gar nicht danach aus. Schadenfreude verspüre ich null. Freitag hat Beşiktaş 3:2 bei Başakşehir gewonnen (Erdoğans Klub) und der Löwe am nächsten Tag 4:0 in Halle. Meine kleine Fußballwelt ist grad in Ordnung.

nofan

Für Klubs wie Haching ist die 3. Liga nur deshalb eine Pleiteliga, weil sie keine Fan- bzw. Mitgliederbasis haben. Insoweit wäre ein Abstieg folgerichtig

tomandcherry

So etwas wie “Schadenfreude” kommt bei mir nicht auf, wenn ich den o.a. Artikel über die Finanzsituation der “Bobfahrer” lese.

Leider ist die SpVgg “Unterschwaching” kein Einzelfall, wenn es um “grundsolide” Finanzierungen von Millionenschweren Fußball-Gesellschaften (!) geht.

Viel zu häufig kommt es bei den ausgegliederten Profi-Abteilungen zu extremen finanziellen Verwerfungen, die m.M. nach nicht “von Heute auf Morgen” entstanden sein können?

Aktuell wird bei Schalke 04 die existenzbedrohende Schuldenlast thematisiert. Das ist doch keine vollkommen überraschend aufgetretene Situation, wenngleich die “Corona-Krise” sie möglicherweise schneller an die breite Öffentlichkeit gebracht hatte?

Zurück zur SpVgg…

Wie geschrieben gibt’s etliche Profi-Fußball-Gesellschaften, die unter ganz ähnlichen Problemen leiden, siehe auch FCK, KFC Uerdingen, MSV…

Und bei allem Respekt vor der momentan geleisteten Arbeit rund um unseren TSV, aber mit dem riesigen Schuldenberg, der auf unserer KGaA lastet, sollten wir nicht mit dem Finger auf andere zeigen…

Reinhard Friedl

Unbestritten hat die KGaA noch einen riesigen Schuldenberg in Form von Darlehen und Genussscheinen. Allerdings sind diese Schulden nicht zu vergleichen mit Schulden bei Banken oder anderen Gläubigern. Bei uns ist der Gläubiger der Hauptanteilseigner und der hat es in der Hand, ob er seine Firma zum Konkursrichter schickt oder nicht und damit seinen gesamten Einsatz verliert. Aufgrund der umsichtigen Geschäftsstrategie seit dem Zwangsabstieg sieht der Hauptanteilseigner, dass die handelnden Personen rund um den TSV 1860 ihren Beitrag zur Fortführung der Gesellschaft leisten. Nun liegt es an ihm, mit einem Forderungsverzicht die Weichen für eine vernünftige Kapitalerhöhung zu legen, damit das Problem der Überschuldung für seine und dem e.V. seiner Firma zu beseitigen.

drew60

Nur wann wird den diese Einsicht kommen beim Investor das es so nicht weitergehen wird ? Mit seinem Handel verschärft er zwar nicht die Finanzielle Situation die er fast alleine verursacht hat aber verbessern wird er mit seinem nicht handeln es eben auch nicht .

nofan

Das eine Arena nicht einen sportlichen undwirtschaftlichen Abstieg zwangsläufig verhindert, beweisen der FCK und MSV eindrücklich

michl60

Es ist doch klar, dass irgendwann ohne Fans und ohne Sponsoren die Rechnung nicht mehr aufgeht. Ohne die beiden Verkäufe nach Salzburg wäre wahrscheinlich vorher schon Schluss gewesen. Das Geld aus dem Aktienverkauf ist scheinbar auch schon aufgebraucht, spätestens nächste Saison wird es vorbei sein, wenn sie absteigen schon früher…

reinhard-friedl

Bei mir kommt keine Schadenfreude auf, wenn ich mir die Bilanzzahlen der Unterhachinger anschaue.
Allerdings wird deutlich, wie wichtig es beim TSV 1860 München in der KGaA ist, dass zu einem sportlichen Geschäftsführer auch ein Geschäftsführer für die Finanzen installiert ist.
Denn nur aus dem Blickwinkel eines ehemaligen Fußball-Profis kann keine Firma erfolgreich und Überlebens fähig geführt werden.
Manni Schwabl ist jedoch im Gegensatz zu vielen anderen bereit gewesen, auch sehr viel eigenes Geld in das Unternehmen zu investieren.