Michael Köllner ist Balsam für die Löwenseele. Selten zeigte der TSV 1860 München mehr Geschlossenheit. Stück für Stück wurde der Teamgeist gefestigter. Auf Gesellschafter und Fans übertrug sich der Gemeinschaftsgedanke gleichermaßen. Es gibt konstruktive Gespräche, statt ein polarisierendes Ping-Pong-Spiel in den sozialen Netzwerken oder diversen medialen Kanälen. Der TSV 1860 München spricht mit nur einer Stimme. Als Team.

Woher schöpft Köllner seine Kraft? Seine Frau sei eine wichtige Stütze, sagte er einmal. Und der Glaube. Der mich persönlich einerseits fasziniert, andererseits jüngst auch kritisch zurückließ. Vor einigen Tagen schrieb ich einen Kommentar über den Profitrainer und stellte die Frage: „Wie viel missionale Botschaften sind gut?“ Keine Kritik an seinem Glauben, sehr wohl aber die Frage, wieviel Katholizimus Interviews vertragen. Doch lag ich mit meiner indirekten Unterstellung richtig?

Es ist Michael Köllner selbst, der eine Antwort gibt. In Form eines Denkanstoßes. Mit der Frage, wo Katholizismus fassbar in den Mittelpunkt gerückt wird. Und tatsächlich wird man in einem Interview mit der Abendzeitung im Dezember 2020 vom Gegenteil überzeugt. Inwiefern sei sein soziales Engagement durch den katholischen Glauben geprägt, fragen die Journalisten. Die katholische Kirche als Institution habe damit eigentlich gar nichts zu tun, antwortet Köllner. Er betont sogar, dass er sich nicht „mit jedem Detail“ der Institution Kirche idenfizieren kann. Und auch in einem Interview mit der Welt sagt Köllner bereits 2018, dass jeder eine andere Kraftquelle habe. Beim einen sei es Religion, beim anderen die Familie oder der Lebenspartner: „Wenn jeder für sich einen guten Weg findet, dann muss er morgen nicht katholisch werden und jeden Morgen in die Kirche laufen. Wenn jeder für sich sagt: ‚Das ist meine Kraftquelle, mit der komme ich gut klar‘, ob Meditation oder Yoga, dann ist das in der eigenen Persönlichkeit ein neuer Entwicklungsschritt.“

Es sind tatsächlich vor allem die Medien, die in ihren Texten den Katholizismus hervorheben. Betonen, dass er gläubiger Katholik ist. Seine achtjährige Zeit in einem katholischen Internat thematisieren. All das hat Köllner auch geprägt. Doch in erster Linie gehe es in seinem Leben und seiner Arbeit als Trainer um etwas anderes. „Meine Arbeit basiert nicht auf dem katholischen Glauben, sondern explizit auf Werten“, erklärt Köllner gegenüber dem Löwenmagazin am heutigen Sonntag. „Ich betone immer wieder, dass der Glaube an sich eine gute Orientierung in Bezug auf Werte liefert – völlig losgelöst von der Institution Kirche. Werte sind in einem funktionierenden menschlichen Miteinander die absolute Basis, so auch in unserer Mannschaft. Es geht um Liebe zu der Sache, Liebe zu den Menschen. Darum, sich gegenseitig zu unterstützen: Die Spieler untereinander auf dem Platz, wir Trainer, unsere Spieler bei ihrer persönlichen Weiterentwicklung. Es geht um Respekt gegenüber 1860 München und allen Menschen, die diesen Verein zu diesem großartigen Verein machen, der er ist.“

Vor allem der letzte Satz schließt den Kreis. Weil er wesentlicher Bestandteil der Gesundung des TSV 1860 München ist. Der Respekt gegenüber dem TSV 1860 München und seinen Menschen. An ihm wird sich sicherlich auch in Zukunft jeder, der für den Verein aktiv ist, messen lassen müssen. Noch immer sind persönliche Befindlichkeiten im Spiel. Manchmal auch Hass. Schuldzuweisungen. Ablehnung.

Köllner lebt mit seiner Mannschaft etwas anderes vor. Und das ist eben Balsam für die Löwenseele. Weil das Miteinander immer mehr überwiegt.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Alexander Schlegel
Alexander Schlegel (@a-schlegel)
18 Tage her

Mir sind das jetzt, ehrlich gesagt, zu viele Artikel, die sich mit dem Glauben und Werten Michael Köllners beschäftigen. Warum muss man da jetzt noch mal einen Artikel nachschieben? Reichte der erste nicht?

Und dann noch eine kleine Medienschelte hinterherschieben, die darauf hinaus läuft, dass Glaubensfragen unseres Trainers zu sehr hervorgehoben werden. Sorry, aber Du, Arik, machst doch gerade genau dasselbe. Denn so oft redet er jetzt auch wieder nicht von seinem Glauben, teilweise beantwortet er damit auch bloß Fragen, die ihn bewusst darauf ansprechen.

Alexander Schlegel
Alexander Schlegel (@a-schlegel)
18 Tage her
Reply to  ArikSteen

Klar, dann ist das natürlich in Ordnung.

Snoopy.
Leser
Snoopy. (@snoopy)
18 Tage her

Jeder schöpft seine Kraft zur Bewältigung des Alltags aus anderen Dingen. Der eine im Glauben, der andere, weil er alle zwei Wochen (regulär) im Grünwalder steht. Oder der Mannschaft hinterher zu den Auswärtsspielen fährt. Oder selbst spielt, sich sportlich betätigt, ein Hobby hat, dem er außerhalb von Coronazeiten auch nachgehen kann.

Mir persönlich ist diese Religions-Köllner-Beziehung in den Medien etwas zu viel. Wie unten Serkan schon geschrieben hat, ist das Privatsache, wie viele andere Dinge auch. Und dabei sollte der Glaube an sich (katholisch, evangelisch, jüdisch, moslemisch …) auch keinerlei Rolle spielen. Genauso wie Hautfarbe, Herkunft oder Sexualität.

tomandcherry
Leser
tomandcherry (@tomandcherry)
18 Tage her
Reply to  Snoopy.

Sehe ich genauso, Snoopy.

In unseren (Social) Media-gesteuerten Berichterstattungen „müssen“ scheinbar möglichst viele (private) Dinge in die Öffentlichkeit gezerrt, analysiert, diskutiert, für „gut“/“schlecht“ bewertet werden usw.?

Ich persönlich lasse jedem Menschen seine/ihre Ansichten, solange er/sie mir damit nicht „missionarisch“ oder „extrem“ daherkommt. Selbstverständlich verurteile ich jede Art von Extremismus, sei er religös und/oder politisch motiviert.

M.E. braucht’s auch im „Löwenmagazin“ keinerlei Berichterstattung und damit einhergehende Beurteilung über praktizierte Lebenseinstellung unseres Trainers.

Er hat eine sehr nachahmenswerte Art und Weise, sein Leben nach den für ihn wichtigen Werten zu bestreiten.

Würden mehr Menschen auf diesem Planeten eine vergleichbare Einstellung praktizieren, gäbe es viele existentielle Probleme nicht bzw. wären diese schon längst gelöst.

Michael Köllner verdient allergrößten Respekt.

Unabhängig vom sportlichen Erfolg haben die Münchner Löwen mit ihm einen Trainer, der als einer der besten in unsere Historie eingehen wird.

Das schreibe ich vollkommen neutral zu seiner bislang geleisteten Arbeit und ob 60 am Saisonende aufsteigen wird oder nicht.

AUF DIE LÖWEN!

Serkan
Leser
Serkan (@serkan)
18 Tage her

Ich finde Religion sollte Privatsache sein. Wer damit ständig anderen auf die Pelle rückt ist Missionar. Ethisch-moralisch korrektes Handeln ist auch ohne vor sich her getragenen Glauben möglich.

1860 forever
Leser
1860 forever (@1860forever)
18 Tage her

Dieser Trainer ist ein absoluter Glücksgriff.

drew60
Gast
drew60 (@guest_53643)
18 Tage her

Der Mann ist Balsam für die Löwen Seele.

Chemieloewe
Leser
Chemieloewe (@chemieloewe)
18 Tage her

Deinen 1. Artikel zum Thema MK-Glauben-Kirche-Öffentlichkeit hast Du hier sehr gut nachbetrachtet u. den Sachverhalt m.M.n. z.Teil neu, anders, besser u. richtiger beschrieben, der 1. Artikel war ja mehr Deine persönliche, subjektive Sicht zum Thema, denke ich.

Es geht um die positiven Werte aus dem Glauben an den gemeinten allmächtigen Gott im christlichen Glauben, um die positiven Werte u. Lehren, die sich aus der heiligen Schrift ergeben u. darum, dass u. wie man sich diese Werte in seiner Persönlichkeit, in seinem Denken u. Handeln verankert, verinnerlicht, integriert u. umsetzt, kurz gesagt, dass u. wie man gemäß diesen guten u. positiven Werten u. Lehren handelt, wie Liebe, Barmherzigkeit, Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Demut, Ablehnung von Gewalt, Friedfertigkeit…u. Vielem mehr. Es geht dabei eben ausdrücklich nicht um einen Glauben an eine religiöse Institution, wie Katholische Kirche o.a.. Denn vieles aus der Urbibel wurde seit Jesus Wirken auf der Erde religiös institutionell unterschieflich bewertet, übersetzt, ausgelegt, angewendet o. sogar verändert, angepasst u. schlimmstenfalls missbraucht u. verklärt. Ich selbst glaube an JAHWE, den allmächtigen Gott. Falsche Religionsausübungen haben mit ihren Institutionen, wie den religiösen Kirchen, in der Vergangenheit sehr viel Unheil angerichtet u. tuen es oft auch heute noch. Deshalb ist es wichtig, nicht den christlichen Glauben eines Menschen nach den Werten der Bibel, mit den Deformationen u. Fehlern religiöser Institutionen, wie katholischer Kirche u. deren Dogmatismen automatisch gleichzusetzen, wenn man als Gläubiger dem Handeln u. der Religionsausübung der religiösen Institutionen, wie den Kirchen, nicht unkritisch gegenübersteht, wie es MK vermutlich auch meint. Große u. verheerende Fehler von religiösen Institutionen treiben Menschen dazu, sich gegen den christlichen Glauben zu wenden o. sich davon u. vom Glauben an JAHWE-Gott abzuwenden, was im biblischen Verständnis ein großen Erfolg für Satan u. seinem bösen, heuchlerischen, lügnerischen u. schlechten Wirken darstellt u. sich in Irrlehren, Bibelverklärungen, Götzendienst…bis hin zu religiösen Kriegen, heiliger Inquisition…ect. wiederspiegeln. Dabei will ich es aber nun belassen u. das nicht weiter ins Detail vertiefen, weil das hier dann doch zuweit führen würde, denke ich.

Ich finde es jedenfalls sehr schön u. gut, dass MK an Gott glaubt u. seinen christlichen Glauben auch öffentlich vertritt, zu den guten u. positiven Werten aus der Bibel steht u. versucht, diese für sich als Mensch im täglichen Leben, in seinem Denken u. Handeln, so auch als Trainer, zu verinnerlichen, anzuwenden u. umzusetzen. Mitzuerleben, wie MK das lebt, macht mir große Freude u. gibt mir ein gutes Beispiel, ja, geradezu ein sehr gutes u. positives Vorbild.