In den Wochen vor der pandemiebedingten Zwangspause war 1860 München die Mannschaft im deutschen Profifußball, die am längsten ungeschlagen war. Die Erfolgsserie von 14 Punktspielen ohne Niederlage in Folge sorgte für Begeisterung und Zuversicht. Sogar die vereinsinterne Bestmarke von 17 ungeschlagenen Partien im Profifußball aus der Saison 1978/79 tauchte langsam aber sicher am Horizont auf.

Wird die Erfolgsserie fortgesetzt?

Am kommenden Sonntag um 13 Uhr geht es nun endlich weiter, aber mit einer gravierenden Einschränkung. Es dürfen keine Löwenfans im Grünwalder Stadion sein, die mit ihrem Engagement nicht nur einmal für den entscheidenden Heimvorteil gesorgt haben. Was in Giesing möglich ist, zeigte auf eindrucksvolle Weise das letzte Heimspiel Ende Februar, als Prince Osei Owusu in der Nachspielzeit zum 4:3 gegen den Chemnitzer FC traf. Nach drei Geisterspieltagen in der Bundesliga zeichnet sich für diese neue Form des Profifußballs eine erste Tendenz ab. Die Anzahl der Auswärtssiege übersteigt die der Heimsiege.

Mit dem Meidericher Spielverein kommt am Sonntag mit dem Tabellenführer der 3. Liga der vermeintlich schwerste Gegner nach München. Die Duisburger schienen zu Beginn der Saison früh den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga klarmachen zu können, hatten aber unmittelbar vor der Zwangspause wie jede Mannschaft aus dem oberen Tabellendrittel eine unübersehbare Ergebniskrise. Mit über 50 Punktspielen gehören die Westdeutschen aus dem Zentrum des Ruhrgebiets zu den Gegnern, die im Laufe der Jahrzehnte am häufigsten gegen die Löwen angetreten sind.

Ein aus Löwensicht sehr erfreuliches Punktspiel ereignete sich am 29. Spieltag der Saison 1999/2000. Das war jene wunderbare Saison, in welcher der ungeliebte Nachbar aus der Seitenstraße von den Löwen gleich zweimal besiegt wurde (1:0/1:2) und an deren Ende mit Platz 4 die Qualifikationsrunde zur Champions League erreicht werden konnte.  An der Ausgangslage am 12. April 2000 herrschte vor Spielanpfiff keinerlei Zweifel, die Löwen gingen als klarer Favorit in diese Partie.

Zwei Derbysiege, Platz 4 und die Quali für die CL

1860 München stand zu diesem Zeitpunkt der Saison auf Platz 7 im dicht gedrängten Mittelfeld der Bundesliga zwischen Hertha BSC (Platz 6) und dem VfL Wolfsburg (Platz 8). Der Abstand auf Platz 4 (Werder Bremen) betrug zu diesem Zeitpunkt lediglich 2 Punkte, aber von der Champions League sprach zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Das Erreichen eines Startplatzes für den UEFA-Cup erschien anspruchsvoll und schwierig genug. Der Gegner aus Duisburg dagegen belegte abgeschlagen Platz 17 und teilte sich mit den punktgleichen Arminen aus Bielefeld das Tabellenende. Der Rückstand auf das rettende Ufer betrug für die Duisburger wenige Spiele vor Saisonende bereits 10 Punkte.

Icke Häßler (Photo Wikipedia/ 9EkieraM1)

Obwohl 1860 München eine phantastische Saison spielte und ganz klar Kurs auf die europäischen Wettbewerbe nahm, kamen zu diesem Heimspiel am 29. Spieltag lediglich 20.600 Zuschauer in das weite Rund des Olympiastadions. Trotz des spärlichen Zuspruches waren die anwesenden Löwenfans an diesem Mittwochabend sofort begeistert. In der 3. Minute zirkelte Roman Tyce aus dem Fußgelenk einen hohen Paß auf Martin Max. Dieser schoss den Ball volley in das lange Eck und mit der ersten gefährlichen Situation hieß es bereits 1:0 für Sechzig München.

In der 29. Minute brachte der unvergessene Icke Häßler auf Höhe des Anstoßkreises einen Freistoß in den Strafraum. Martin Max spielte im Fallen weiter auf Paul Agostino, dieser konnte aus kurzer Distanz auf 2:0 erhöhen. In der 42. Minute spielte Icke Häßler den nächsten tödlichen Pass auf Harald Cerny, der bereits auf 3:0 hätte erhöhen können, aber der Torwart des MSV kam noch mit irgendeinem Körperteil an den Ball. Martin Max stand dafür goldrichtig und schob den Abpraller unbedrängt zur Vorentscheidung in die Tormaschen. Martin Max wurde in dieser Spielzeit mit 19 Toren Torschützenkönig in der Bundesliga. Dieses Kunststück hatte vor Martin Max lediglich der ebenfalls unvergessene Rudi Brunnenmeier mit 24 Treffer in der Bundesligasaison 1964/65 geschafft.  Das Spiel war zur Halbzeit natürlich schon entschieden und das war dem Spielgeschehen in der zweiten Hälfte auch deutlich anzumerken. In den letzten 10 Minuten des Spiels fielen dann aber doch noch zwei weitere Tore.

Zunächst konnte Paul Agostino eine perfekt in den Strafraum getretene Ecke zum 4:0 verwerten. Für 1860 München hatte der in Australien geborene Agostino in den Jahren von 1997 bis 2004 in der Bundesliga insgesamt 30 Treffer erzielt.

Den Ehrentreffer für den MSV Duisburg erzielte drei Minuten später Stig Tofting in der 84. Minute mit einem sehenswerten Freistoß. An diesem Spieltag machten die Löwen in der Tabelle einen Sprung auf Platz 5 und waren bestens gerüstet für das Derby gegen den ungeliebten Nachbarn drei Tage später.   

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Tami Tes
Tami Tes (@tamites)
5 Monate her

Danke Tom für den schönen Rückblick… Wahnsinn – fühlt sich wie eine Ewigkeit an, seitdem der Name TSV 1860 in einem Satz mit Hertha BSC oder anderen Erstligisten geschrieben wurde. (Fiel mir beim lesen ein – Fast ein halbes Leben)…
Nun gut… hätte nichts dagegen, wenn dieses Ergebnis am Sonntag wiederholt wird.