Aalen vs. Löwen: Rückblick auf den November 2012

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Am 5. Spieltag der 3. Liga gastiert der Tabellenzwölfte aus München beim Tabellendreizehnten aus Baden-Württemberg. Dieses tabellarische Nachbarschaftsduell ist somit für beide Mannschaften von wegweisender Bedeutung. Mit einem Sieg über einen unmittelbaren Konkurrenten kann sich der Sieger dieser Partie Luft verschaffen und sich von der Abstiegsregion entfernen.

In den Zweitligajahren des VfR Aalen zwischen 2012 bis 2015 sind die Löwen dreimal in Aalen angetreten. Das erste Aufeinandertreffen beider Teams erfolgte im November 2012, nachdem der im Jahr 1921 gegründete Verein für Rasenspiele in der Saison zuvor erstmals in die 2. Bundesliga aufgestiegen war. Trainer der Aalener im Aufstiegsjahr war Ralph Hasenhüttl, der in seiner weiteren Trainerkarriere mit dem FC Ingolstadt 04 große Aufmerksamkeit erzielen konnte und insbesondere mit seinem Engagement bei dem als Dosenverein verschrienen Marketingprodukt RB Leipzig. Die Aalener zeigten sich in ihrem ersten Jahr der Zweitligazugehörigkeit unbeeindruckt von der Konkurrenz und wussten vor allem in der Hinrunde zu überzeugen. Mit 7 Siegen und 4 Unentschieden erwartete ein selbstbewusster VfR Aalen am 17. Spieltag der Saison 2012/13 die Münchner Löwen in der Scholz-Arena vor 9.342 Zuschauern.

Rainer Maurer: Cheftrainer in den Jahren von 2004-2006 und 2010-2012

Bei den Löwen hingegen knirschte es wieder einmal gewaltig im Gebälk. Schuld daran war wie so oft die eigene Erwartungshaltung, die sich im Laufe der Hinrunde in einem bizarren Transparent kulminierte. Trainer Rainer Maurer wurde in der Hinrunde nicht nur Erfolgslosigkeit vorgeworfen, sondern auch mangelnde mediale Ausstrahlung. Nach einer Heimniederlage in der Allianz Arena gegen den FC St. Pauli entrollte ein Fan am Vereinsgelände seelenruhig während einer Trainingseinheit am Vormittag ein ca. 20 Meter langes Transparent mit einem auffallenden Rechtschreibfehler: „Ein Trainer ohne Emotin zermürbt die Spieler, Fans, ja den ganzen Verein.“

Nach einer weiteren Heimniederlage gegen den 1. FC Köln musste Rainer Maurer dann gehen und Alexander Schmidt wurde von der U23-Mannschaft zum neuen Chefcoach des Profikaders befördert. Alexander Schmidt hatte eine überraschend gute Hinrunde mit dem U23-Team in der Regionalliga Bayern absolviert und in seinem letzten Spiel gar den ungeliebten Nachbarn im RL-Derby mit 1:0 besiegen können. Mit neuem Trainer spielten die Löwen beim 1. FC Union Berlin zunächst 2:2-Unentschieden und bei der Heimpremiere gegen den SC Paderborn erzielte der unvergessene Benny Lauth das Siegtor. Das dritte Pflichtspiel unter Alexander Schmidt führte die Löwen an einem Freitagabend im November des Jahres 2012 nach Baden-Württemberg ins beschauliche Aalen.

Alexander Schmidt: derzeit Jugendtrainer bei der Akademie Red Bull Salzburg

 

Auf einem schwer zu bespielenden Rasen fanden sich die Sechzger zunächst besser zurecht und erspielten sich mit Anpfiff eine deutlich wahrnehmbare Feldüberlegenheit. Es gelang den Löwen aber nicht, den Ballbesitz in gefährliche Strafraumsituationen umzumünzen, da es im Abschluss an Durchschlagskraft mangelte. Einen nennenswerten Abschluss in der ersten halben Stunde hatte einzig Daniel Bierofka. Der Aufsteiger aus Aalen präsentierte sich defensiv zwar stabil, aber offensiv probierten es die Hausherren fast ausschließlich mit langen Bällen, die jedoch so gut wie nie beim Adressaten ankamen. Kühle Temperaturen und miserable Bodenverhältnisse sorgten weiter dafür, dass die Partie kein fußballerischer Leckerbissen wurde. So blieb es bis zur Pause ein zerfahrenes Spiel, dem es an echten Aufregern mangelte. Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit hatten die Löwen zwar optische Vorteile, konnten das VfR-Abwehrbollwerk aber nicht entscheidend ins Wanken bringen. Anders der Aufsteiger, der nach einer Stunde Spielzeit zusehends gefährlicher wurde und erste Akzente in der Offensive setzen konnte. Prompt war es dann auch gleich soweit. Bei einem mustergültig vorgetragenen Konter konnte der Aalener Lechleiter mit einem sehenswerten Volleyschuss zur Führung der Hausherren einnetzen. Es war eine schmeichelhafte Führung, da die Löwen mehr in das Spiel investiert hatten. Aber 1860 München zeigte sich unbeirrt und kam bereits in der 69. Minute zum verdienten Ausgleich. Eigengewächs Bobby Wood, von Alexander Schmidt in den Profikader zurückgeholt, durfte unbehelligt bis zum gegnerischen Strafraum laufen und lupfte den Ball erfolgreich über den etwas zu weit vor seinem Tor stehenden Torhüter zum Ausgleich. Dieser Treffer war das erste Tor von Bobby Wood im Profibereich. Die Münchner wollten sich mit dem Remis nicht abfinden und drängten fortan auf die drei Punkte, entwickelten dabei aber kaum mehr echte Durchschlagskraft. Dagegen zogen sich die Aalener immer tiefer in die eigene Hälfte zurück und waren nun stark darauf bedacht, den Punkt zu sichern. Der Aufsteiger leistete sich in der Defensive keine größere Unkonzentriertheit mehr und brachte das Unentschieden über die Runden.

Bobby Wood: derzeit ausgeliehen an Hannover 96

 

Zum Abschluss der Hinrunde befand sich 1860 München gemeinsam mit dem VfR Aalen mit 25 Punkten und jeweils 19:15-Toren auf Platz 5 der Tabelle in der 2. Bundesliga. Der direkte Aufstiegsplatz war 11 Punkte entfernt und der Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz betrug ebenfalls 11 Punkte. Aber der Blick war zu jener Zeit ausschließlich auf die Aufstiegsplätze gerichtet, die jedoch in immer weitere Entfernung rücken sollten.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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