Im Rahmen einer Pressekonferenz des Hannover 96 – Geschäftsführers Martin Kind wurde Robert Schäfer am 1. Juli als Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Hannover 96 vorgestellt. Der Mutterverein reagiert unmittelbar. Ohne Zustimmung des Vereins habe Schäfer im Hinblick auf die Hannover 96 KGaA keine Kompetenzen.

Der Zweitligist Hannover 96 hat einen neuen Geschäftsführer. Oder eben nicht. Ex-Löwe Robert Schäfer wurde als Geschäftsführer der Unternehmensgruppe bestellt. Das erweckt in der Öffentlichkeit den Eindruck, Schäfer habe „in seiner Eigenschaft als Angestellter der Hannover 96 Sales & Services GmbH & Co. KG zugleich auch wesentliche Tätigkeiten auf Ebene der Hannover 96 GmbH & Co KGaA übernommen.“ Und tatsächlich titeln viele Journalisten lediglich, dass Schäfer neuer Geschäftsführer bei Hannover 96 ist.

Die Hannover 96 GmbH & Co. KGaA ist zu 100 Prozent im Besitz der Hannover 96 Sales & Services GmbH & Co KG. Sie gehört Martin Kind, dem Drogerieunternehmer Dirk Roßmann und weiteren Gesellschaftern. Vergleichbar mit HAM International als Gesellschafter der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA, die 60 Prozent an der Löwen-Firma hält. Aufgrund von 50+1 wird die Geschäftsführung der Hannover 96 Profifußball-Firma allerdings von der Hannover 96 Management GmbH bestimmt. Dort hält der Mutter-Verein Hannoverscher Sport-Verein von 1896 e.V. die Mehrheit. So wie bei den Löwen der TSV München von 1860 e.V. bei der TSV 1860 Geschäftsführungs GmbH.

Auf Basis von 50+1 meldet sich nun der Mutterverein zu Wort und stellt klar: Ohne Zustimmung des Vereins habe Schäfer im Hinblick auf die Hannover 96 GmbH & Co. KGaA keine Befugnis. Es folgt eine klare Weisung. Schäfer dürfe weder als Angestellter, noch als Berater oder in sonstiger Funktion Tätigkeiten für die Hannover 96 KGaA ausüben. Er habe keine Vertretungs- oder Geschäftsführungsbefugnis erhalten. Desweiteren ist sicherzustellen, dass öffentliche Äußerungen von Hannover 96 klarstellen, dass Schäfer keinerlei offizielle Funktion beim Fußballprofi-Unternehmen von Hannover 96 habe.

Es scheint wohl, dass Martin Kind sich mit Robert Schäfer einen Fachmann im Hinblick auf die 50+1-Regel ins Boot holen wollte. Schäfer machte bereits in einer Pressekonferenz klar, dass er die Regelung in Frage stellt. „Ich finde es in der momentanen Situation nahezu unbillig, wenn der Staat herangezogen wird, um Profifußball zu finanzieren. Ich finde das nicht richtig, wenn es da eine Alternative gibt – und die gibt es eben. Der zweite Grund ist, dass es einfach Ausnahmen gibt, die diese 50+1-Regel nicht betrifft. Das führt eben dazu, dass jetzt selbst das Bundeskartellamt sagt: Das geht so nicht. Der dritte Grund ist einfach der sportliche Wettbewerb. Wenn wir einen spannenden Wettbewerb wollen, muss sich etwas ändern. Und ich finde, jetzt ist die Zeit, um sich grundsätzlich Gedanken zu machen.“

Auf Basis der Kritik des Bundeskartellamt im Hinblick auf Ausnahmeregeln bei der 50+1-Regel (Bayer Leverkusen, TSG Hoffenheim, VFL Wolfsburg) könnte es sein, dass Martin Kind gegen 50+1 klagen will. Und sich eben hierfür Schäfer ins Boot geholt hat.

Quellenverzeichnis

Vorstellung von Robert Schäfer: „Geht darum, eine Konzeption für 96 zu entwickeln“

Presseerklärung des Hannover 96 e.V. als alleinigem Gesellschafter der Hannover 96 Management GmbH

Gesellschafterbeschluss des Hannover 96 e.V.

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Bundeskartellamt hält 50+1 der Deutschen Fußball-Liga für unbedenklich

Titelbild: (c) imago/HJS

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Alexander Schlegel
Alexander Schlegel (@a-schlegel)
Leser
4 Monate her

Ach, das Robertle hat wieder mal die Seiten gewechselt. Bei uns war er ja zu Anfang ein treuer Vasall des Investors, bis er bei dem in Ungnade fiel. Dann wechselte er plötzlich die Seiten und wurde zu glühenden Anhänger der e.V.-Seite. Und jetzt singen wir wieder mal das Investoren-Lied. Leider kommt der Typ nicht aus dem Stimmbruch heraus. Eine Persönlichkeit ist was anderes …