Am kommenden Samstag um 14 Uhr wird nach der Länderspielpause wieder ein Heimspiel auf Giesings Höhen angepfiffen. Als Gast des TSV 1860 München im Grünwalder Stadion wird der thüringische Traditionsclub FC Carl Zeiss Jena erwartet, der, so wie die Münchner Löwen, einmal in seiner Geschichte im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger stand (1:2 gegen Dinamo Tiflis im Jahr 1981). Die letzte Partie beider Mannschaften in Giesing war im Dezember 2018 von den Sicherheitsbehörden als erhöhtes Sicherheitsspiel eingestuft worden. Ursächlich für diese Einstufung ist die auf dem ersten Blick nicht nachvollziehbare Fanfreundschaft zwischen der Fangruppierung „Horda Azzuro“ aus Jena und der Schickeria vom ungeliebten Nachbarn. 

Finalisten des Europapokals der Pokalsieger

Der heutige Rückblick in der Löwenhistorie konzentriert sich auf eine Zweitligapartie gegen den FC Carl Zeiss Jena am zweiten Wiesn-Wochenende im Jahr 2006. Nach der katastrophalen ersten Saison in der Allianz Arena, die beinahe zum Abstieg aus der 2. Bundesliga geführt hätte, war zu Beginn der Saison 2006/07 die Zuversicht auf Löwenseite zurückgekehrt.   

Nach dem 5. Spieltag stand 1860 München auf dem 5. Tabellenplatz und hatte auf die Aufstiegsplätze, die zu diesem Zeitpunkt vom 1. FC Köln, Karlsruher SC und Hansa Rostock belegt waren, lediglich drei bzw. zwei Punkte Rückstand. Einer der Gründe für den sportlichen Aufschwung in der Hinrunde 2006 war eine neuentfachte Heimstärke. Sechs Spiele in Folge hatte 1860 München in seiner neuen Heimstätte nicht mehr verloren und an diesem Wiesn-Samstag stellte sich mit dem Gast aus Thüringen ein Gegner in Fröttmaning vor, der bis zu diesem Zeitpunkt einmal gewonnen und viermal unentschieden gespielt hatte.

Viele Spieler schafften den Sprung in die Bundesliga

Im Löwenkader der Saison 2006/07 standen erstaunlich viele Lizenzspieler, die sich im Sommer 2007 einem Bundesligisten anschlossen oder dies in den nächsten Jahren noch machen sollten. Am Saisonende wechselte Daniel Baier gemeinsam mit Marcel Schäfer zum VfL Wolfsburg und auch Nicky Adler verschlug es in die Bundesliga zum Club aus Nürnberg. In den Folgejahren haben aus dem Spielerkader 2006/07 noch Nemanja Vučićević (1. FC Köln), Philipp Tschauner (Hannover 96), Fabian Johnson (VfL Wolfsburg), Markus Thorandt (FC St. Pauli), Lars Bender (Bayer Leverkusen) und Sven Bender (Borussia Dortmund) den Sprung in die Bundesliga geschafft.

Am 1. Oktober 2006 begann vor 44.600 Zuschauern in der Allianz Arena die Zweitligapartie Sechzig gegen Jena. Nach 5 Spieltagen hatte die Mannschaft von Schoko Schachner erst zwei Gegentore hinnehmen müssen und dementsprechend selbstsicher starteten die Löwen in das Spiel. In den ersten 30 Minuten drückte Sechzig, aber der Abwehrriegel von Carl Zeiss hielt der Anfangsoffensive stand. Sehr zur Freude der 10.000 mitgereisten Fans aus Thüringen, die mit dem Löwenanhang für eine bundesligataugliche Stimmung in der Arena sorgten.

Nach einer sehenswerten Einzelaktion setzte in der 52. Minute Nemanja Vučićević den Ball aus der Distanz knapp über das Gehäuse. Vučićević hatte in der Vorsaison vom DFB eine sechsmonatige Sperre erhalten, weil er das Haarwuchsmittel Propecia in Tablettenform eingenommen hatte, dessen Wirkstoff Finasterid als unerlaubtes Dopingmittel gelistet war. Der Verein hielt trotz der langen Sperre zu seinem Spieler und nachdem diese endlich abgelaufen war, knüpfte Nemanja Vučićević erfreulicherweise wieder an seine alten Leistungen im Löwentrikot an. Umso ungehaltener und menschlich tief enttäuscht zeigten sich daher die Löwenfans, als Vučićević am Saisonende zum Ligakonkurrenten 1. FC Köln wechselte. Ein finanziell besseres Angebot hatte den Ausschlag für die Rheinländer gegeben.

7 Spiele in Folge ohne Niederlage in der Allianz Arena

Nemanja Vučićević im Jahr 2007
Fotograf: Horst Ettensberger

Zwei Minuten später erzielte aber 1860 München dann doch die Führung. Nach perfektem Anspiel lief Daniel Baier unbedrängt auf den Torwart der Gäste zu und erzielte mit einem technisch anspruchsvollen Heber die viel umjubelte Führung. In der Folgezeit hatten die Löwen mehrfach Gelegenheit, die Führung zu erhöhen, aber erst in der 86. Minute sorgte der eingewechselte Björn Ziegenbein mit einem Kopfball für die Entscheidung. Nach dem Abpfiff war 1860 München mit dem Drittplatzierten 1. FC Köln punkt- und torgleich, verfügte über die beste Abwehr in der Liga und hatte seit 7 Spielen nicht mehr in der Allianz Arena verloren. Ein paar Wochen spielten die Löwen in der Folgezeit noch um den Aufstieg mit, aber eine katastrophale 1:5-Niederlage in Unterhaching am 15. Spieltag fügte dem Team großen Schaden zu, von dem sich die Löwen in der Saison 2006/07 nicht mehr richtig erholen sollten. Gegen Ende der Rückrunde ersetzte schließlich Marco Kurz den glücklos gewordenen Walter Schachner.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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tomandcherryKai aus der KisteBaumTami Tesanteater Recent comment authors

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tomandcherry
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Kinder, wie die Zeit vergeht…

Walter „Schoko“ Schachner, ja das war auch so ein „Erfolgstrainer“ bei 60. Ich war seinerzeit schon sehr überrascht, wie man auf diesen Herrn als Chef-Trainer für unsere erste Mannschaft gekommen ist, räumte ihm aber von Anfang an (s)eine faire Chance ein. Leider kam am Ende auch für ihn das vorzeitige Aus und der nächste Kandidat auf dem „Schleudersitz“ Chef-Trainer-Posten 1860 München durfte sein Glück versuchen.

Insofern bin ich einerseits ganz froh, dass man mittlerweile nicht mehr jede (halbe) Saison einen Nachfolger für den jeweils aktuellen Coach sucht, sondern Biero bereits in seine dritte Saison in Folge als Hauptverantwortlicher im sportlichen Bereich gehen darf.

Allerdings ist auch mir klar, dass Biero an den zählbaren Ergebnissen gemessen wird und er – trotz „Liebesschwüren“ unseres fachkundigen und großzügigen Mehrheitsgesellschafters – nicht ewig Zeit bekommen wird, um die Mannschaft weiterzuentwickeln.

Biero muss sich darüber im Klaren sein, dass er mit erfolgreich absolviertem Fußball-Trainer-Lehrgang keinen Welpenschutz mehr genießt und man in dieser Saison durchaus noch „seine Handschrift“, idealerweise verbunden mit dem rechtzeitig gesicherten Klassenerhalt, sehen möchte.

Jedes Jahr auf’s Neue einen systemlosen Kraut- und Rübenfußball mit mehr Glück als Können sollte nicht der Anspruch sein.

Kai aus der Kiste
Leser

Zitat: „….Ein paar Wochen spielten die Löwen in der Folgezeit noch um den Aufstieg mit, aber eine katastrophale 1:5-Niederlage in Unterhaching am 15. Spieltag fügte dem Team großen Schaden zu, von dem sich die Löwen in der Saison 2006/07 nicht mehr richtig erholen sollten…..“
klingt so, als ob Sechzig nach der Saison 2006/07 abgestiegen wäre wink
(Bild: privat, von meiner Webseite)

Tabellenverlauf 1860 2006-07.png
tomandcherry
Leser

@Kai aus der Kiste

„klingt so, als ob Sechzig nach der Saison 2006/07 abgestiegen wäre“

Nein, dafür brauchte es einen großzügigen Mehrheitsgesellschafter, der mit einer schier unglaublichen Verschwendung von Millionen in einen portugiesischen „To the top“-Trainer, einigen brasilianischen, portugiesischen und senegalesischen „Talenten“, dem „Heimkehrer“ Stefan A. und weiteren „Investitionen in die Zukunft von 60 München“ einige Jahre später das „Wunder“ vollbrachte. Dazu noch „4“ als absoluten Tiefpunkt der jüngeren 60er-Historie…

Wer hätte sich damals vorstellen können, dass wir den „Schachner-Zeiten“ einmal nachtraueren würden?

Immerhin waren wir ein halbwegs respektierter Zweitligist, dessen Ambitionen „Rückkehr in die Bundesliga“ hießen.

Heutzutage wären wir schon froh und dankbar, wenn wir die 3. Liga schnellstmöglich nach Oben verlassen dürften…

anteater
Leser

Und Deine Website ist (Adresse)? Oder zu privat? wink

Kai aus der Kiste
Leser

ist zwar eine private Hobby-Webseite, aber so „privat“ ist diese nun auch nicht, im responsiven Design CMS Joomla erstellt wink
https://kaifrenzel.de

anteater
Leser

Das ist ja schon ein ganz besonderes Spiel für Dich am Samstag… wink

Kai aus der Kiste
Leser

Stimmt, aber die Vorzeichen haben sich seit 1993 geändert! lion Kann aber leider aufgrund eines längerfristigen Termins nicht live in der Stehhalle sein. lol

anteater
Leser

Ah, Mensch, wer legt sich die längerfristigen Termine mitten in die Saison…

Baum
Leser

Das Bild vom blau leuchtenden Hämorrhoidenkissen erweckt bei mir starken Brechreiz.
Nix für ungut. wink

anteater
Leser

Nicht dass ich da jemals zu einem Löwenheimspiel hingegangen wäre, aber ehrlich gesagt sieht das schon auch geil aus, gerade im Dunkeln. Gut, dieser Schriftzug, der wertet alles wieder irgendwie ab und Heimatgefühle kenne ich eh nur im Sechzgerstadion.

Tami Tes
Redakteur

Nutzt ja nix… da waren wir halt da. Ist einfach auch ein Teil der Löwenvergangenheit, die nicht wegzustreichen ist. Immerhin war es ein schönes Blau ;)… jetzt wissen wir um so mehr zu schätzen, dass wir zurück im GWS sind.

Baum
Leser

Wohl war. Aber jedesmal wenn ich daran vorbeifahre oder ein Bild dieses blauleuchtenden Ungetüms sehe wird mir wieder bewusst was das für eine schreckliche Zeit war und die Konsequenzen spüren wir (erst recht) noch bis zum heutigen Tag und wahrscheinlich auch noch sehr lange danach.
#rAAus (hat sich zum Glück erledigt)
#ohneHasan (muss jetzt das Ziel sein)

Tami Tes
Redakteur

Der „Skandal“ um Vucicevic ist mir noch gut in Erinnerung. Zum Einen sangen die Fans auf den Rängen immer wieder „Du hast die Haare schön“ und veräppelten ihn. Und zum anderen drohte Festina als Sponsor mit dem Ausstieg – wegen der schlechten Leistung der Spieler und unter anderem auch wegen dem Doping-Skandal. „Dann schneid ich unsere Logos vom Trikot“, tönte der damalige Festina-Chef Stoffers und bezeichnete die Mannschaft als „Provinz-Primadonnen, selbstverliebte Herrschaften und Wanderschauspieler“…
Und wie das bei Löwen so ist, wird genau er zwei Jahre später der GF vom TSV 1860. Und blieb für seine weitere Sprüche in den Medien in Erinnerung. Ausgenommen vom Versuch durch die Anleihen ein wenig Geld in die Kassen zu spülen, war nicht viel geschehen.

Bei den Löwen ist halt immer was los …

anteater
Leser

Danke für den Rückblick.

Wie viele jetzt Drittligisten (oder bis vor kurzem Drittligisten) doch damals 2. Liga waren… Und 10.000 Jenaer und Jenenser, Respekt! Das haben die heute nicht bei Heimspielen. Und irgendwie scheinen wir mit auffälligen Spielernamen gesegnet zu sein. Ziegenbein, Milchraum, Kindsvater…