Für Löwenfans ist es durchaus interessant, was eigentlich Gesellschafter und Kreditgeber Hasan Ismaik aktuell macht. Einfach zu beantworten ist die Frage nicht. Zweifelsohne ist der jordanische Geschäftsmann äußerst interessant. Mein aktueller Blick auf den Mehrheitsgesellschafter des TSV 1860 München.

Wer mehr über das aktuelle Wirken von Gesellschafter Hasan Ismaik erfahren möchte, wird sich schwer tun. Auf den ersten Blick scheint der Jordanier auch im Jahr 2020 ein Buch mit sieben Siegeln zu sein. Gerne hätten wir vom Löwenmagazin als Fans und für Fans mit Ismaik gesprochen, um aus erster Hand mehr zu erfahren. Sein Dolmetscher Mutaz Sabbagh hatte auch in seinem Namen Gesprächsbereitschaft signalisiert. Später jedoch dieses Angebot wohl aus klubpolitischen Gründen zurückgenommen. Man wolle als Gesellschafter keine Antworten mehr gegenüber Medien gegeben. Für die Öffentlichkeitsarbeit sei die Geschäftsführung zuständig. Dabei ging es uns primär gar nicht um Fragen bezüglich 1860 München. Sondern tatsächlich interessehalber um den Gesellschafter selbst, sowie seine Beweggründe. Denn Ismaik ist eine interessante Persönlichkeit. Und sein Handeln als Geschäftsmann ist nun mal seine persönliche Visitenkarte, die auch für die Löwen interessant ist. Dieses Interview wird es also vorerst nicht geben. Und so bleibt nur ein Blick in aktuelle arabische journalistische Berichte über 1860-Gesellschafter Ismaik.

Und keine Frage. Hasan Ismaik ist im arabischen Raum durchaus medienwirksam unterwegs. Vor allem dank seiner „Strategiecs Think Thank“ – Plattform. Ein Forschungszentrum, dass sich mit Außenpolitik, internationalen Beziehungen, Sicherheits- und Wirtschaftsfragen, sowie sozialem Verhalten beschäftigt. Überraschenderweise findet man in der Zwischenzeit Artikel nicht nur in arabisch und englisch, sondern auch auf französisch und deutsch. So zum Beispiel Ismaiks Beitrag zur Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron am 2. Oktober. In der es um den Islam ging. Ich selbst oute mich durchaus als Fans einiger Artikel. Ich lese grundsätzlich alle seine Artikel und bin überwiegend seiner Meinung. Über die Perspektive der arabischen Jugend zum Beispiel. Über Israel, die USA, China oder den Coronavirus. Von einigen Medien wird Ismaik als führende Persönlichkeit auf wirtschaftlichem und intellektuellem Gebiet betitelt. Ein Mann mit Visionen. Ein Mann der studiert und erforscht. Und der glaubt, man müsse den arabischen Geist heute neu erfinden. So meint es zumindest jordan-eye.com. Ismaik sei der denkende Ökonom, der immer den Geist von Optimismus, Liebe und Realismus verbreite.

Auch negative Berichte gibt es über Hasan Ismaik. Jüngst berichtete der ägyptische Wirtschafts-Journalist Mustafa Abdel Salam über den Bankrott des Unternehmens Arabtec und die Irreführung und Täuschung von Millonen Arabern. Unter CEO Hasan Ismaik sei der größte Betrug entstanden, dem Ägypten die letzten Jahre ausgesetzt war. Im April 2014 hatte Ismaik sich mit dem ägyptischen Verteidigungsminister Generalleutnant Abdel Fattah El-Sisi ablichten lassen. Bei der Unterzeichnung eines Abkommens über die Errichtung des größten Wohnprojekts in der Geschichte Ägyptens. 40 Milliarden US-Dollar soll Ismaik versprochen haben. Für den Militär-Feldmarschall El-Sisi war das gute Wahlprogpaganda. Er ist heute Präsident von Ägypten. Sein Herrschaftsstil wird als überwiegend autoritär und diktarorisch bezeichnet. Das Milliarden-Projekt von Ismaik und Arabtec war wohl durchaus sein Sprungbrett. Erst jetzt, wo Arabtec mittlerweile wohl entgültig finanziell am Ende ist, kommen Fragen auf. Dass das Projekt niemals kommen wird, ist den Ägyptern nun durchaus klar. Wenn auch verspätet. Auch dem Wirtschafts-Journalisten Mustafa Abdel Salam. Und auch die arabische Zeitung Al Raya berichtet von der Täuschung von Millionen Ägyptern. Im Ende des Artikels nennt die Zeitung Ismaik einen internationalen Betrüger, der wegen Geldwäsche in seinem Herkunftsland angeklagt sei.

Am Ende bleibt es schwierig, sich ein klares Bild zu schaffen. Auf der einen Seite sind die vielen positiven Artikel, die allerdings überwiegend aus der Feder des eigenen Forschungsinstituts stammen. Auf der anderen Seite die scharfe Kritik arabischer Zeitungen im Hinblick auf einen Betrug, der 2014 begann und erst jetzt wirklich offensichtlich zu sein scheint.

Aber unabhängig von den medialen Auftritten. Was macht der Geschäftsmann Ismaik tatsächlich heute? In den Jahren 2011 bis 2015 stand er oft wegen Projekten in der arabischen Presse. Insbesondere mit Masaken Capital und Arabtec. Beide Unternehmen sind praktisch tot. Auf dem Internetauftritt der Marya Group, Ismaiks Finanzunternehmen in den Emiraten, ist in ein neues Investment aufgetaucht. „SOHO Middle East“ steht nun zwischen 1860-Marketing-GmbH und den Anteilen am Fußballklub TSV 1860 München. Ein Einzelhandelsbereich, der in der Dubai Mall, der „Mall of the Emirates“ und in der Innenstadt von Beirut die Premium-Modemarke IRO aus Paris vertreibt. Es sollen zudem Restaurants folgen. In der Presse ist darüber aktuell weiter jedoch nichts zu finden.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
3.4 5 votes
Article Rating
4 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments

Serkan
Leser
Serkan (@serkan)
14 Tage her

Gut, dass das Löwenmagazin am Ball bleibt. Interessanter Beitrag, den andere Medien nicht leisten. Danke!

Nofan
Gast
Nofan (@guest_51999)
15 Tage her

Vielen Dank für den Beitrag.

Sehen wir es positiv. Anders als die Arabtec-Anleger kann sich die TSV KGaA anscheinend dennoch glücklich schätzen. Zwar hat der Philosoph mitverursacht, dass die KGaA unter Schulden von ca. 70 Millionen Euro teilweise handlungsunfähig ist. Aber es ist sein Geld gewesen, dass verloren ist.

Interessant wäre zu wissen, ob die Wirtschaftsprüfer die Nachhaltigkeit der Finanzierungszusage für die Fortführungsprognose haben zweifelsfrei haben prüfen können.

Alexander Schlegel
Alexander Schlegel (@a-schlegel)
15 Tage her

Interessanter Beitrag. Danke für Dein Engagement in der Frage. Tja, alles etwas dubios. Ich maße mir da jetzt kein abschließendes Urteil über unseren Investor an, aber wie schon in seinem Verhältnis zu unserem Verein, kommt man wohl auch in seinem Geschäftsgebahren schwerlich zu einer klaren Einschätzung. Auch dass er sich jetzt zunehmend publizistisch äußert, ist ja eigentlich überraschend und passt so wenig zu dem Bild, dass wir Löwenfans uns bisher von seinem medialen Einlassungen machen durften. Da wirkte sein Weltbild doch eher holzschnitzartig und von einer manchmal erschreckenden Einfachheit.

Übrigens der verlinkte Artikel zur Situation in Frankreich ist nahezu unleserlich schlecht übersetzt. Es wimmelt in dem Artikel nur so von haarsträubenden Satzkonstruktionen und merkwürdigen Begriffen. Teilweise schon richtig lustig zu lesen. Ob er sich mit so schlecht redigierten Artikeln einen großen Gefallen tut, lasse ich jetzt mal dahin gestellt.

jürgen
Leser
jürgen (@jr1860)
15 Tage her

sehe ich ähnlich…

Trotzdem bleibt mir unser Investor aus dem Morgenland suspekt und äusserst dubios 😎

… #oh…