Etwa 28 Minuten geht das Statement von Marc-Nicolai Pfeifer auf Löwen TV. Einige Punkte sorgen für reichlich Diskussionsstoff. Wir wollen ein paar Punkte noch einmal schriftlich aufgreifen, da der tatsächliche Wortlaut durchaus relevant ist.

Die Frage:

Der Etat ist ein großer Diskussionspunkt. Wie steht es jetzt wirklich um den Etat von Sechzig München im nächsten Jahr?

ab Minute 13:07

Marc-Nicolai Pfeifer:

Ich weiß sehr wohl, dass uns aus der Vergangenheit der Ruf voreilt, dass uns nicht immer zu jedem Zeitpunkt ausreichend Mittel zur Verfügung stehen. Auch das würde ich gerne heute noch einmal richtig einordnen. Jetzt mal ganz allgemein ausgedrückt und unabhängig von Sechzig München ist es ja so, dass es auch immer die Frage ist der Mittel, die relativ sind im Verhältnis zu den Zielen. Die zweite Ausgangslage ist, dass natürlich die 3. Liga als solche eine wahnsinnige Herausforderung darstellt aufgrund der Struktur. Das heißt hier auf der einen Seite aus dem operativen Geschäft sich zu finanzieren und gleichermaßen einen wettbewerbsfähigen Etat aufzustellen. Das ist eine riesen Herausforderung. Da kann ich noch mal aufgreifen, was ich Anfangs gesagt habe, dass wir im Umfeld der Löwenfamilie unglaublich tolle Arbeit im Team leisten, dass da jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten ein riesen Teil dazu beiträgt. Ob das die Gesellschafter sind, die Sicherheitsdarlehen und die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel der Familie Ismaik, der e.V., der sozusagen umfänglich die Finanzierung der Jugend- und der Nachwuchsarbeit leistet, Spieler, die mit einer tollen Durchlässigkeit auch bei uns in der ersten Mannschaft spielen, als die beiden Basis-Elemente, verstärkt durch die Fans-Dauerkarten, erweitert durch die Sponsoren, insbesondere unserem Hauptpartner “die Bayerische”. Das sind letztenendlich Themen, die dazu beitragen, dass wir mittlerweile einen Etat aufstellen können, der sich über die letzten drei Spielzeiten nicht nur positiv entwickelt hat, sondern der auch irgendwo im Gleichklang mit unseren Zielen ist. Wir haben als Verein, wir haben mit unserer Geschichte, wir haben mit unserem Anspruch natürlich alle den Wunsch, dass wir aufsteigen. Und in der Vergangenheit war es in der einen oder anderen Situation vielleicht so, dass die Ziele sportlich und der Etat nicht immer im realistischen Gleichklang waren. Und da kann ich heute schon berichten, dass wir im Ergebnis in 2019 noch auf dem Niveau von rund 4 Millionen waren und in der darauffolgenden Spielzeit knapp fünf Millionen und jetzt insgesamt auf, unter Einbezug von DFB-Pokal, DFB-Pokal-Prämie, die man fairerweise da mit einrechnen muss, fast auf einem Niveau von sechs Millionen in der aktuellen Spielzeit befinden. Und mit dem Etat, das hat Günther ja auch schon in der PK gesagt, dass der Etat durchaus wettbewerbsfähig ist, dass der Kader wettbewerbsfähig ist und das wir da auch ins Gelingen verliebt sind und vertrauen, dass wir unsere Ziele damit auch erreichen können.

Die Frage beantwortet Pfeifer nicht. Deshalb kommt eine weitere Frage:

Steht der Etat für die neue Saison schon?

ab Minute 18:59

Marc-Nicolai Pfeifer:

Zu einem gewissen Grad. Auch das möchte ich noch einmal einordnen. Wir sind aufgrund dieser Überbrückungs- oder Sicherheitsdarlehen extrem früh dran, um die Basis abzusichern. Im gleichen Maße gibt es natürlich noch Unwegbarkeiten und Risiken, die wir noch nicht im Detail kennen. Wir haben mit unserem Hauptpartner im Winter natürlich den Vertrag verlängern können und wir befinden uns gerade in sehr positiven Gesprächen auf Exklusiv-Partner- und Premium-Partner-Ebene, auch da sind die Signale positiv. Und es ist noch eine entsprechende Wegstrecke, die wir noch als Team gehen müssen um auch aus den letztendlich guten Gesprächen Fakten zu machen und Erfolge zu schaffen. Das gleiche ist auch mit dem Dauerkartenverkauf. Natürlich wissen wir von der Treue und der Unterstützung von unseren Fans. Aber auch da gibt es sicher noch politische Unwegbarkeiten, es gibt Tendenzen, dass die Zuschauerkapazität wieder anwachsen wird. Da haben politische Enscheidungen großen Einfluß auf die Fragestellung Dauerkartenverkäufe in der neuen Saison. Das heißt, nach jetzigem Stand haben wir da auch einfach das Vorsichtsprinzip angenommen. Dementsprechend gilt weiterhin ein gesundes Verhältnis von Aufwand und Ertrag zu haben. Und mit jedem Erfolg, und das ist gleichzeitig ein Weg den wir im Team, im Alltag, gehen wollen, dass wir alles dafür tun, den Aufwand zu reduzieren und zu weiteren Erträgen zu kommen, jeden im Umfeld mitzunehmen, der sozusagen im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu beitragen kann, dass wir ein wettbewerbsfähiges Etat haben. Und gleichermaßen, dass wir auch keine falschen Signale geben, das Etat ist sicherlich nach jetzigem Stand der Planungsphase im Vergleich zum hier und heute um rund 30 Prozent reduziert. Und das soll für uns die Motivation sein, dass wir alles dransetzen, dass wir auf der Ertragsseite auf dem gleichen guten Niveau ankommen und dann suggestive im Rahmen der rollierenden Planung die Etats auch erhöhen.

Auch interessant: 1860-Geschäftsführer Pfeifer über Mehreinnahmen außerhalb der Planung

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klaustsv

Man sollte einzelne Aussagen nicht aus dem Kontext ziehen. Ich habe verstanden dass wir diese Saison einen 6 Mio Etat haben und Stand Anfang Februar bei 4,2 Mio (-30%) stehen und dass mit Exklusivpartnern am Lückenluss gearbeitet wird. Kann ja kreative Lösungen geben wie zB Hiller und co verlängern, bekommen anstatt mehr Kohle einen VW oder Seat vom Exklusivpartner …. – dass man jetzt schon bei 4,2 Mio (Stand von 2019) steht finde ich positiv und das Gehalt von Hr Mölders fällt ja auch weg.

thrueblue

Hmm, also wir haben ein in Relation zum sportlichen Erfolg zu teures Funktionsteam, die Stadt verlangt mehr als andere Städte für den Spielbetrieb, tritt zudem nicht als Sponsor auf wie bei vielen Mitbewerbern, und die Merchandising Einnahmen sind eh fürn @rsch. Dafür ist der Etat eh noch recht gut.

anteater

Und vermutlich müssen wir dank der Münchner Mieten für den selben Spieler mehr Gehalt zahlen als z.B. Zwickau.

chemieloewe

Am besten, unser geschätzter Reinhard Friedl “schaut mal wieder in die Kassenbücher u. Bilanzen u. MNP über die Schulter” u. erklärt uns den wirtschaftlichen Löwenkosmos! 😉
Naja, an die Planungsunterlagen für die nächste Saison kommt verständlicherweise sicher nur MNP+der ausgewählte inner circle der KGaA heran. Da brauchts bestimmt wieder große Geduld, genauere Angaben zum Etat zu erfahren?

Last edited 4 Monate her by Chemieloewe
Kassenwart

Einen genaues Budget kann immer nur im Nachhinein veröffentlicht werden. Man beantragt mit einem Etat die folgende Saison (“Basisszenario”) und versucht dieses durch zusätzliche Einnahmen wie DFB-Pokal, neue Sponsoren, zusätzliche Werbeeinnahmen oder auch mal durch Übernahme eines Spielergehalts durch Mäzene weiter aufzustocken. Stand jetzt sind wir bei Lizenzbeantragung Spielzeit 22/23 ja nicht für den DFB-Pokal qualifiziert. Früher hatten wir dann plötzlich – oh Wunder – ein Finanzloch im Laufe der Saison und wurde zum Bittsteller bei HI. Einfach weil man mit vielen Eventualerlösen plante als wären diese Erträge sicher. MNP geht den richtigen Weg, in dem er mit dem Worstcase anfängt und alle unterjährigen Ereignisse das tatsächliche Budget (nicht den geplanten Etat) erhöhen. Und so kamen wir auf 6 Mio. dieses Jahr.

Im übrigen glaube ich, dass durch die zusätzlichen DFB-Pokal Prämien in diesem Jahr die Einkünfte der Spieler durchaus im interessanten Niveau für die dritte Liga liegen. Das ist dann auch ein Pfand für Vertragsverlängerungen und Spieleranwerbungen. Ich kann mir gut vorstellen, dass zwei, drei Perlacher-Projekt-Spieler liebend gern mit 30 % weniger Gehalt zu uns kommen. Denn sie mussten sehen, dass 30% mehr auf dem Papier in der Realität auch mal nur die Hälfte an Gehalt sein können – weil man wieder mal zu Gehaltsverzicht aufgerufen wurde (die 3. Saison hintereinander zur Winterpause beim Perlacher-Projekt) und durch Insolvenz tatsächlich nun noch weniger erhält.

Wir werden also im Laufe der Saison 22/23 6 Mio. Euro anpeilen als Ziel und hoffentlich wieder überschreiten in Richtung 7 Mio. Euro. Alternativ bekommen wir die Kostenseite mit unseren Stadionverpflichtungen besser in den Griff.

Bine1860

Sehr gut erklärt!

francis-underwood

Interessant wäre auch, ob der Sportetat durch Altlasten (z. B. Abfindungen) belastet wird. Mittlerweile “hoffe” ich es fast.. wie ich vorgestern schon schrieb: wir haben einen wirklich anständigen Etat und treten auf der Stelle, können keine Spieler verpflichten und Verträge auch nur sehr schwer verlängern..

anteater

Der Reinhard hat auch “nur” die im Bundesanzeiger veröffentlichten Zahlen. Heißt, dass er wohl zur aktuellen Situation auch nichts genaues weiß.

chemieloewe

Viel “positivisierendes” Geschwurbel ohne etwas Konkretes. Am Ende steht dann was von jetzigem Planungsstand im Vergleich zum hier u. heute, dass der Etat, was auch immer alles damit gemeint ist, für die nächste Saison um ca. 30% geringer ausfällt. Das ist mal eine Kernaussage. Etat hin, Etat her, welcher bereinigte, tatsächliche Etat steht für den Spielerkader bzw. für die Kaderplanung zur Verfügung, wäre eine der brennenden Fragen, d.h., wieviel Geld mehr o. weniger kommt für den Spielerkader in Bezug auf die jetzige Saison für die nächste Spielzeit in Betracht??? Genau das würde mich mal brennend interessieren!

_Flin_

Ja, in dem Interview wurde recht viel geredet und wenig gesagt. Auf Knopfdruck Allgemeinplätze verbunden mit Lob an alle lossprudeln können ist auch eine Art Kompetenz.

anteater

Ist wohl Teil eines WiWi-Studiums…

chemieloewe

Für mich verwirrendes Geschwurbel…was heißt “Etat”??? Gesamtetat, Spieleretat…??? Da kann man beim besten Willen nichts Konkretes ableiten.

Bine1860

Ich denke mit DFB Pokal Prämien meint er das, was man den Spielern an Prämien zahlt fürs Weiterkommen, diese Saison. Das rechnet er zum Etat dazu

Last edited 4 Monate her by Bine1860
Bine1860

Und ja, meines Erachtens sagt er damit, dass von dem DFB Geld eben nicht mehr so viel übrig bleibt, wie mancher meint

chemieloewe

Das habe ich mir auch schon so gedacht u. befürchtet, dass das DFB-Pokalgeld im “hier u. jetzt”, also in den Saisonausgaben für die laufende Saison “verschwindet”, verbraucht wird. Wofür auch immer???

Andi_G

Verstehe ich genauso, was grundsätzlich ja nicht verkehrt ist kein Geld von einem Darlehen zu nehmen, wenn man es selber hat. Erschreckend ist aber nur, und das wird immer deutlicher, dass wir ohne Darlehen einen Mini-Mini-Etat hätten.

chemieloewe

Das ist halt vor allem unserer verdammten, erdrückenden Erblast vergangener Riesenfehler von KHW bis 2017 geschuldet…😪😖