„Im DFB-Pokal geht es um das Weiterkommen. Da will ich nicht nur Schulterklopfer bekommen, wenn wir gegen die Eintracht ausgeschieden sind. Unser Ziel ist der Einzug in die zweite Runde.“ Eine Aussage von Dennis Erdmann während eines Interviews mit „DFB.de“ zum bevorstehenden DFB-Pokalkracher auf Giesings Höhen gegen die Frankfurter Eintracht. Die Rollen sind vor dem Kräftemessen am Samstag (Anpfiff: 15:30 Uhr) klar verteilt. Der Drittligist TSV 1860 München trifft auf den schier übermächtigen Bundesligisten und DFB-Pokalsieger aus dem Jahr 2018 die Frankfurter Eintracht. Was gibt es schöneres für einen unterklassiken Verein, als sich mit einem gestanden Bundesligisten zu messen? Und genau so wie es Dennis Erdmann ausgedrückt hat, wollen die jungen Löwen um Cheftrainer Michael Köllner in diesem Spiel nicht nur fürs Leben lernen und Erfahrungen sammeln. Der frisch gebackene „Bayerische Meister“ (Totopokalsieger) hat die Witterung für die anstehende Saison aufgenommen.

Ein Verein macht seinem Namen alle Ehre

Die Hessen, bei denen Trainer Adi Hütter seit dem 01.07.2018 in der Verantwortung steht werden dabei alles daran setzen ihrer Favoritenrolle im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße gerecht zu werden. Unter dem Cheftrainer und Nachfolger von DFB-Pokalsieger-Trainer Nico Kovac hat sich die Spielanlage der Eintracht gewandelt. Ein siebter und neunter Platz in der Abschlusstabelle der vergangenen zwei Spielzeiten können sich sehen lassen. Ein entscheidender Unterschied im Vergleich zu den Spielzeiten 2016/2017 und 2017/2018 unter der Verantwortung seines Vorgängers wird beim Blick auf die Torausbeute mehr als deutlich. Während die Hessen unter Niko Kovac mehr auf die Defensive bedacht waren und mit 36 bzw. 45 Torerfolgen in der jeweiligen Saison ausgekommen sind, waren die Adler unter Hütter mit 60 bzw. 59 Treffern weitaus hungriger nach Torerfolgen. Was sich allerdings auch unter Hütter nicht geändert hat ist der hohe Anteil an Legionären im Kader. In dem 32 Mann starken Kader finden sich derzeit 21 Legionäre. Neben der Konstanz auf der Trainerbank, der Vertrag mit dem Trainerteam wurde gerade erst um zwei Jahre verlängert, macht die Eintracht auch in den Führungsebenen ihrem Namen alle Ehre. Während Fredi Bobic als Profispieler für seine Heißblütigkeit auf dem Platz bekannt war, so besonnen, umsichtig und eloquent führt er den hessischen Traditionsverein seit dem 01.06.2016 als Sport-Vorstand durch ruhige Gewässer im deutschen Fußballoberhaus. Das Fußballunternehmen der SGE firmiert unter der „Eintracht Frankfurt Fußball AG“ von der dem Verein 67,88 % gehören. Die weiteren Anteile verteilen sich auf „Freunde des Adlers GmbH“ (18,55%), „Freunde der Eintracht Frankfurt AG (10,00 %) und der „Steubing AG“ (3,57 %) .

Vernunft ist Trumpf

Unter Fredi Bobic geht die Eintracht einen Weg der Vernunft und steht daher wirtschaftlich auf einem gesicherten Fundament. Mit Abgängen, wie Luka Jovic (Real Madrid) und Sebastian Haller (West Ham United) zu Beginn der Saison 2019/2020 verbuchten die Hessen insgesamt 110 Miolionen als Gewinn. Die Einnahmen wurden noch zur selben Spielzeit für Spieler, wie, Martin Hinteregger (FC Augsburg), Dominik Kohr (Bayer Leverkusen), Bas Dost (Sporting Lissabon) und die Rückkehrer Kevin Trapp (Paris SG) und Sebastian Rode (Borrussia Dortmund) in Höhe von 77 Miolionen reinvestiert. Dem Vernehmen nach wartet die Eintracht derzeit aber immer noch auf die 25 Miolionen von West Ham United aus dem Transfer für Sebastian Haller. Bei der aktuellen Kaderplanung für die anstehende Saison verhalten sich die Verantwortlichen daher (noch) eher defensiv. Aktuell stehen Ausgaben in Höhe von 5 Millionen für Steven Zuber (TSG Hoffenheim) und Ragner Ache (Sparta Rotterdam), exakt die gleiche Summe an Einnahmen gegenüber. Insgesamt hat es die Eintracht über die letzten Jahre auch immer wieder verstanden verdiente Spieler aus den eigenen Reihen in Funktion an den Verein zu binden. Das fängt bei Bum-kunn Cha als „Mitarbeiter zum Ausbau internationaler Beziehungen“ an, geht über den ehemaligen Nationalspieler und Weltmeister Andreas Möller, als Leiter der Nachwuchsabteilung, Urgestein „Charly“ Karl-Heinz Körbl, als Leiter der Fußballschule, bis zum Sport-Vorstand Fredi Bobic. Mit dem ehemaligen Löwentorwart „Zimbo“ Jan Zimmermann und Marco Russ, beide haben gerade ihre Profikarriere beendet, wurden zu Saisonbeginn wiederum zwei ehemalige Spieler in Funktion eines Torwarttrainers und eines Spielanalysten in die Eintracht-Familie integrieret.

Frankfurt ohne Filip Kostic

Die Frankfurter Eintracht hat, wie die Löwen, gerade erst eine Kräfte zehrende Saisonvorbereitung hinter sich gebracht. In den Testspielen gegen PSV Eindhoven (2;1) und Ajax Amsterdam (1:2) konnte die Hütter Truppe aber bereits ansprechende Leistungen auf höchstem Niveau unter Beweis stellen. Das Pokalspiel am Samstag ist für die Hessen das erste Pflichtspiel und damit wohl auch der erste richtige Gradmesser für den Einstieg in die neue Bundesligasaison (Erster Spieltag am 19.09.2020). Trotz des Klassenunterschiedes werden die Frankfurter das Spiel auf Giesings Höhen mit allem Respekt und mit voller Konzentration angehen. Trainer Adi Hütter wird dabei wohl auch in etwa die Mannschaft auf den Rasen schicken, die er bereits für den anstehenden Saisonauftack im Hinterkopf hat. Verzichten muss der Cheftrainer dabei allerdings auf Filip Kostic. Der derzeit teuerste Spieler in Reihen der Frankfurter Eintracht ist im DFB-Pokal, aufgrund einer roten Karte wegen groben Foulspiels im Viertelfinale der abgelaufenen Pokal-Saison gegen Werder Bremen, noch für drei Runden in diesem Wettbewerb gesperrt. Über Alternativen verfügt der mit Stars gespickte Kader der SGE aber allemal. In der Defensive kann sich Hütter auf seinen Kapitän David Abraham nahe zu blind verlassen. Martin Hinteregger und Makoto Hasebe stehen dem Defensiv-Urgestein dabei in Nichts nach. Und sollten unsere Stürmer die namhafte Defensive der Hessen doch einmal überwinden können, dann steht immer noch Kevin Trapp, einer der aktuellen Nationaltürhüter, auf der Linie. Im Mittelfeld dürfte Adi Hütter auf Spieler, wie Dominik Kohr, Sebastian Rode, Daichi Kamade und Neuzugang Steven Zuber vertrauen. An vorderster Front ist mit dem Einsatz von André Silva und Goncalo Paciéncia zu rechnen. Das Sturmduo erzielte in allen Wettbewerben der vergangenen Saison insgesamt 24 Tore. Ob der abwanderungswillige Bas Dost eine Chance von Anfang an bekommt ist dabei eher fraglich.

Der Pokal hat eigene Gesetze

Letztendlich ist es aber egal wer am Samstag im Grünwalder Stadion auf Seiten der Adlern auf dem Platz steht. Alle tragen kurze Hosen und können irgendwie Fußballspielen. Michael Köllner wird diese Woche genutzt haben, um seine Löwen auf die Frankfurter Eintracht einzustellen. Wie die Vorbereitung gezeigt hat, wurde großes Augenmerk auf das Vermeiden von Torchancen des Gegners gelegt. Die Löwen haben in den vergangenen Testspielen und vor allem im Endspiel um den Toto-Pokal gezeigt, wie sie bei gegnerischem Ballbesitz die Räume geschickt eng machen können. So wird wohl auch die Grundausrichtung am Samstag aussehen. Gut im Verbund stehen, die Eintrachtspieler ständig bearbeiten und immer wieder auf eigene Chancen nach vorne lauern. Dabei darf man gespannt sein, ob Michael Köllner die Neuzugänge Richard Neudecker und Stephan Salger von Beginn an bringen wird. Erik Tallig dürfte dagegen gesetzt sein. Die Löwen brauchen sich aber in jedem Fall auch vor einem Bundesligisten nicht verstecken. Und wenn am Ende ein Elfmeterschießen stehen würde, die Löwen werden bereit und in der Lage sein in der ersten Runde des DFB-Pokals für eine Überraschung zu sorgen. Der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze. Es ist nicht immer der Favorit, der am Ende als Sieger vom Platz geht. Das musste die Eintracht selbst leidvoll erfahren, als sie in der Saison 2018/2019 in der ersten Hauptrunde vom Viertligisten SSV Ulm aus dem Wettbewerb gekegelt wurden. Es geht wieder los. Die Spannung steigt, hungrige Löwen lauern auf stolze Adler, nur der Zuschauer schaut immer noch in die Röhre, bzw. in den Flatscreen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Spiel am Samstag nur im Bezahlsender Sky übertragen wird. Egal, setzt euch, wo immer es geht, mit Abstand und Anstand im Kreise Gleichgesinnter vor den Fernseher und feuert unsere Löwen an. Und sollte einer von euch nach dem Spiel in Giesing zufällig dem Herrn Erdmann über den Weg laufen, bitte nicht auf die Schulter klopfen. Egal wie das Spiel auch enden mag.

Jetzt noch schnell mitmachen, bei unserem Tipp-Spiel: https://loewenmagazin.de/fantipp-das-tippspiel-des-loewenmagazin/

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Dennis Müller
Gast
Dennis Müller (@guest_50406)
18 Tage her

Hoffentlich sind wir eines Tages auch mal wieder gestandener Bundesligist! Die geschundene Löwenseele lechzt nach Erfolg

Landshuter Löwe
Leser
Landshuter Löwe (@landshuter-loewe)
18 Tage her

Auf geht’s, rupft dem Adler die Federn … 😉

Tami Tes
Tami Tes (@tamites)
18 Tage her

Das ist aber ein großer Adler… wenn ich mir das über den Kader durchlese und die Zahlen sehe, wird mir schlecht. David gegen Goliath.

Mus jetzt an das Spiel gegen Kiel und die Choreografie unserer Ultras denken… wo der Löwe den Storch im Mund hielt. Was für eine geile Choreo hätten sie sich gegen Frankfurt ausgedacht?!?! Oh Mann so schade, dass es wieder leere Ränge werden.

Wenn wir uns nur ins Elfmeterschießen retten könnten… Hilleeeer 😉

Landshuter Löwe
Leser
Landshuter Löwe (@landshuter-loewe)
18 Tage her
Reply to  Tami Tes

David gegen Goliath“

Das ist schonmal gut gegangen 🙂